JioStar, das zum Imperium des Milliardärs Mukesh Ambani gehört, ist der Marktführer in Indiens dynamischer, 30 Milliarden Dollar schwerer Medien- und Unterhaltungsindustrie, während Zee, einer der ältesten Medienkonzerne des Landes, ein kleinerer Rivale ist. Beide Parteien befinden sich bereits in einem Schiedsverfahren in London, bei dem es um eine Milliarde Dollar im Zusammenhang mit einem gescheiterten Cricket-Lizenzgeschäft im Jahr 2024 geht.
Im April verklagte Zee JioStar vor einem Gericht in Delhi wegen der unbefugten Nutzung urheberrechtlich geschützter Musik. In einer offensichtlichen Gegenreaktion reichte JioStar am 4. Mai bei einem Mediationsausschuss Klage ein. Darin wird die Ausstrahlung mehrerer Bollywood-Filme durch Zee im vergangenen Jahr angefochten, obwohl die Rechte zu diesem Zeitpunkt bei der von Reliance geführten Einheit lagen, so die von Reuters eingesehenen Rechtsdokumente.
JioStar behauptet, Zee habe zwölf verschiedene Filme rund 20 Mal ausgestrahlt, darunter Blockbuster mit populären Bollywood-Stars wie Shah Rukh Khan und Aamir Khan.
Zee 'ist ein notorischer Rechtsverletzer', erklärte JioStar in seinem 120-seitigen Schriftsatz und warf Zee vor, weiterhin 'die unbefugte Ausstrahlung und Verwertung der Filme zu betreiben'.
Über den Antrag wurde bisher nicht berichtet.
Der Antrag wurde beim Delhi High Court Legal Services Committee eingereicht, das einen Mechanismus zur Streitbeilegung mit dem Ziel einer gütlichen Einigung bietet. Sollte keine Lösung gefunden werden, könnte JioStar den Fall vor Gericht bringen.
Den Dokumenten zufolge hat der Ausschuss Zee aufgefordert, am 25. Mai zu erscheinen. Ein Nichterscheinen werde als Weigerung gewertet, an der Mediation teilzunehmen.
Die Aktien von Zee weiteten ihre Verluste nach dem Reuters-Bericht aus und fielen im Handel in Mumbai um 3,4%.
JioStar, entstanden aus der 8,5 Milliarden Dollar schweren Fusion der indischen Medienaktivitäten von Reliance und Disney im Jahr 2024, und Zee lehnten eine Stellungnahme ab.
GROSSE PLAYER, VIELE RECHTSSTREITIGKEITEN
JioStar und Zee erreichen über zahlreiche TV-Kanäle und jeweils eine Streaming-Plattform hunderte Millionen Zuschauer. Reliance gibt den Marktanteil von JioStar am indischen TV-Markt mit 34,2% an, während Zee seinen Anteil mit 18% auf einem Vierjahreshoch sieht.
In dem im April eingereichten Musikfall fordert Zee 3 Millionen Dollar von JioStar, weil das Unternehmen seine Musik nach Ablauf bestimmter Lizenzverträge mindestens 50 Mal verwendet haben soll.
Zwei Quellen mit direkter Kenntnis der Angelegenheit sagten, dass JioStar wahrscheinlich mehr als 250 Millionen Rupien (2,61 Millionen Dollar) wegen der mutmaßlichen Verletzung seiner Rechte an den Bollywood-Filmen fordern wird, wobei eine endgültige Summe noch nicht feststeht.
Der Fall um die Bollywood-Filme erreichte das Stadium des Gerichtsausschusses, nachdem beide Seiten seit Februar 2025 mehr als ein Dutzend rechtliche Hinweise und Schreiben ausgetauscht hatten, wie Dokumente belegen.
Zu den betroffenen Filmen gehören Kassenschlager wie 'Deewaar' (1975) mit Amitabh Bachchan und 'Tridev'. Jio gab an, die Rechte an diesen Filmen zu besitzen, und Zee habe sie angeblich ohne Erlaubnis ausgestrahlt.
Zee erkärte, die Ausstrahlungen seien 'unbeabsichtigt und versehentlich' erfolgt und man werde künftig die gebotene Sorgfalt walten lassen, lehnte jedoch jegliche Haftung für den von Reliance geforderten Schadenersatz ab.
JioStar hat Zee zudem der unbefugten Ausstrahlung des Films 'Dangal' mit Aamir Khan beschuldigt. Der Film aus dem Jahr 2016, der auf der Geschichte eines realen indischen Ringers basiert, war ein großer Bollywood-Erfolg und gewann mehrere Preise.
Zee bestritt jegliches Fehlverhalten und argumentierte, man habe die Erlaubnis der Produktionsfirma zur Ausstrahlung des Films gehabt.



















