Redcare, ehemals bekannt als Shop Apotheke, ist den Analysten von MarketScreener wohlvertraut. Der Konzern nimmt eine Schlüsselrolle in der Digitalisierung eines der letzten Bollwerke des stationären Handels in Europa ein: dem rezeptpflichtigen Medikamentenvertrieb. In Deutschland, wo die elektronische Verschreibung inzwischen flächendeckend eingeführt ist, verfügt Redcare über eine privilegierte Marktstellung. Dies spiegelt sich in einem Umsatzplus von 98 % in diesem Segment innerhalb der letzten zwölf Monate wider.
Gleichwohl erweist sich die frühere Zurückhaltung der Analysten als begründet – insbesondere angesichts der Entwicklung der Marktkapitalisierung des Unternehmens. Denn trotz des starken Wachstums bleibt das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten durch intensive Preiskonkurrenz und extrem niedrige Margen belastet.
Um die schwache Rentabilität auszugleichen, wäre eine kräftige Expansion im margenstärkeren Bereich der rezeptfreien Medikamente notwendig – doch genau hier bleibt die Dynamik aus. Das Wachstum in diesem Segment lag 2025 bei lediglich 15 % und markiert damit den schwächsten Wert der vergangenen Jahre.
Ebenfalls enttäuschend entwickelt sich ein weiterer potenzieller Profitabilitätsmotor: das Auslandsgeschäft außerhalb der DACH-Region. Zwar legten die Umsätze hier um 23,7 % zu, doch dies bedeutet bereits das dritte Jahr in Folge einen leichten Rückgang der Wachstumsrate.
In der aktuellen Situation ist es weder Redcare noch dem Konkurrenten DocMorris (ehemals Zur Rose) gelungen, ein nachhaltig profitables Wachstum zu etablieren. Vor diesem Hintergrund bewerten die Analysten von MarketScreener das jüngst abgeschlossene Refinanzierungsvorhaben von Redcare als durchaus geschickt – doch an den Finanzmärkten wurde es mit Zurückhaltung aufgenommen.
Wie bereits im Vorjahr betont, erwarten Investoren inzwischen klare Signale – allen voran ein dauerhaft positiver operativer Gewinn. Daran mangelt es jedoch weiterhin.
Die Börsenbewertung von Redcare ist mittlerweile auf weniger als das Zweifache des Umsatzes gefallen. Zum Vergleich: Anfang 2021 – auf dem Höhepunkt der pandemiebedingten Markteuphorie – wurde der Konzern noch mit dem Fünffachen des Umsatzes bewertet.


















