Im vierten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt auf annualisierter Basis um 1,4% zu. Ökonomen hatten mit 2,8% gerechnet. Noch vor wenigen Monaten hatte das Wachstum über 4% gelegen. Die Konsumausgaben, der zentrale Motor der amerikanischen Wirtschaft, stiegen mit einer Rate von 2,4%.
Am meisten Beachtung fand jedoch die Inflationsentwicklung. Der Kernindex der persönlichen Konsumausgaben (Core PCE), das von der Federal Reserve bevorzugte Inflationsmaß, erhöhte sich im Dezember im Jahresvergleich um 3,0% und lag damit leicht über den Erwartungen. Auf Monatsbasis betrug der Anstieg 0,4% – ebenfalls stärker als prognostiziert. Die Futures an der Wall Street rutschten nach Veröffentlichung der Daten tiefer ins Minus.
Kurzum: Das Wachstum schwächte sich stärker ab als erwartet, die Inflation hingegen nicht. Diese Kombination ist unangenehm. Seit Monaten setzen die Märkte auf das Szenario einer weichen Landung – moderateres Wachstum bei gleichzeitig stetig sinkender Inflation in Richtung des Fed-Ziels von 2%. Die heutigen Zahlen stellen dieses Narrativ infrage. Die Wirtschaft scheint schneller an Dynamik zu verlieren als angenommen, während der Preisdruck hartnäckig bleibt.
Genau dieses Szenario bereitet Notenbankern die größten Sorgen. Schwächeres Wachstum begrenzt den Spielraum für eine weiterhin restriktive Geldpolitik. Gleichzeitig schränkt eine anhaltend hohe Inflation die Möglichkeiten für rasche Zinssenkungen ein. Der Handlungsspielraum der Fed wird enger.
Bereits das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung hatte gezeigt, dass die Währungshüter es mit Zinssenkungen nicht eilig haben. Einige brachten sogar weitere Zinserhöhungen ins Spiel, sollte die Inflation stagnieren. Nach den heutigen Daten dürfte sich diese vorsichtige Haltung weiter verfestigen. Die viel diskutierten Zinssenkungen im Jahr 2026 könnten später und zögerlicher kommen, als es der Markt bislang eingepreist hat.
Unterdessen baut Washington seine militärische Präsenz im Nahen Osten weiter aus. Donald Trump hat dem Iran 10 bis 15 Tage Zeit gegeben, auf die amerikanischen Forderungen im Zusammenhang mit dessen Atomprogramm zu reagieren. Berichten zufolge prüft das Weiße Haus einen begrenzten Militärschlag, um Verhandlungen zu erzwingen. Die Ölpreise reagierten entsprechend: Brent notiert nahe 72 Dollar je Barrel und hat im Wochenverlauf deutlich zugelegt.
Höhere Ölpreise sind Rückenwind für Energiewerte, die zuletzt zu den stärksten Titeln im S&P 500 zählten. Zugleich wirken sie jedoch wie eine zusätzliche Belastung für Verbraucher – und als weiteres Problem für die Fed. Wenn die Inflation ohnehin über den Erwartungen liegt, sind steigende Energiekosten das Letzte, was die Geldpolitik gebrauchen kann.
Für zusätzliche Unruhe sorgte der Private-Equity-Sektor. Die Aktien gerieten unter Druck, nachdem Blue Owl Capital angekündigt hatte, Vermögenswerte im Umfang von 1,4 Mrd. Dollar zu veräußern, um Rücknahmen von Investoren zu bedienen. Die Meldung erschütterte einen Sektor, der sich gern als robust und verlässlich präsentiert. Blackstone und Apollo verzeichneten deutliche Kursverluste. Auch Apple und Walmart gaben nach und verstärkten die angespannte Stimmung.
Technologiewerte, die bereits unter Druck stehen, bleiben anfällig. Investoren hinterfragen zunehmend, ob die massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz schnell genug Renditen abwerfen, um die hohen Bewertungen zu rechtfertigen. Die schwächeren Wachstumsdaten vom Morgen dürften diese Skepsis verstärken. Eine langsamere wirtschaftliche Expansion erschwert es, in ambitionierte Bewertungsniveaus „hineinzuwachsen“. Zudem stellt sich die Frage, ob die weiterhin insgesamt optimistischen Gewinnerwartungen der Unternehmen nicht zu großzügig kalkuliert sind.
Eine weitere Unsicherheit schwebt über Washington. Der Supreme Court könnte bald über die Rechtmäßigkeit von Trumps Notzöllen entscheiden. Sollten diese gekippt werden, müssten laut dem Penn Wharton Budget Model mehr als 175 Mrd. Dollar an Zolleinnahmen zurückerstattet werden. Das hätte Auswirkungen auf den Dollar- und den US-Staatsanleihemarkt – und würde der ohnehin komplexen wirtschaftspolitischen Gemengelage eine weitere Variable hinzufügen.
Dax bleibt wegen Nahost-Sorgen auf der Bremse – Airbus erholt sich, Moncler haussiert
Die Sorge vor einer militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran hat den Dax am Freitag ausgebremst. Der deutsche Leitindex notierte mit 25.103 Punkten nur leicht im Plus, der EuroStoxx50 gewann 0,4 Prozent. Der Euro geriet unter Druck und fiel zeitweise um 0,2 Prozent auf 1,1742 Dollar. Selbst überraschend starke Konjunkturdaten aus der Euro-Zone gaben der Gemeinschaftswährung keinen Halt: Der Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleistungen stieg im Februar um 0,6 auf 51,9 Punkte und legte damit stärker zu als erwartet.
Nach dem Bilanzreigen der vergangenen Wochen verlief das Geschäft auf Unternehmensebene ruhiger. Airbus erholte sich nach dem Kursrutsch vom Donnerstag wegen eines enttäuschenden Ausblicks und legte im Dax zeitweise 2,4 Prozent zu. Bayer verlor dagegen knapp drei Prozent. Im MDax führte ThyssenKrupp nach einer Kaufempfehlung von Jefferies mit einem Plus von mehr als fünf Prozent die Gewinnerliste an. Die Analysten sehen im möglichen Verkauf der Stahlsparte, einem Börsengang oder Verkauf von TK Elevator sowie einer Abspaltung der Materialsparte potenzielle Kurstreiber. In Mailand sprang Moncler nach überraschend starken Geschäftszahlen um 13,1 Prozent nach oben und zog den europäischen Branchenindex zeitweise um bis zu 2,6 Prozent mit. Auch Air Liquide war gefragt: Die Aktien des französischen Industriegasekonzerns stiegen um gut vier Prozent, nachdem das Unternehmen eine weitere Verbesserung der Profitabilität in Aussicht stellte und für 2025 eine Dividende von 3,70 Euro je Aktie vorschlug – Analysten hatten mit 3,39 Euro gerechnet.





















