Nach fünfzehn Jahren seitwärtsgerichteter Kursentwicklung hat sich die Marktkapitalisierung des Unternehmens seit 2023 verdreifacht. Diese Dynamik setzte sich auch im ersten Halbjahr des laufenden Jahres fort, in dem die Umsätze um 15 % zulegten.

Allerdings erwartet Ralph Lauren für das Gesamtjahr 2026 – bereinigt um Währungseffekte – nur noch ein knapp dreimal niedrigeres Wachstumstempo. Grund ist die Abwertung des US-Dollars.

Dennoch verdient die jüngste operative Leistung des von dem Franzosen Patrice Louvet geführten Unternehmens Anerkennung – umso mehr in einer Branche, die unter Strafzöllen und abrupten Veränderungen im Konsumverhalten stark gelitten hat.

Doch der US-Vintage-Klassiker trifft derzeit genau den Nerv der Zeit. Die junge Generation entdeckt traditionelle Looks neu für sich – und Ralph Lauren begeistert sie mit seinem unverkennbaren Stil, sowohl in den Kollektionen als auch auf Social Media.

Sein klug gewähltes Marktsegment – zwei Stufen über dem klassischen Konfektionsmarkt, eine Stufe unterhalb der Luxuslabels – erweist sich dabei als strategischer Vorteil, den die Marke gekonnt auszuspielen weiß.

Ist die Wiedergeburt also nachhaltig? Diese Frage bleibt vorerst offen, denn der Umsatz lag im letzten Geschäftsjahr noch immer unter dem Niveau von vor zehn Jahren.

Was jedoch deutlich zulegte, waren die Margen – sprich: Preiserhöhungen konnten erfolgreich durchgesetzt werden. In der Folge haben sich Gewinn vor Steuern und der freie Cashflow seit Anfang 2024 fast verdoppelt – ein klarer Wendepunkt.

Auch das Management genießt das Vertrauen der Aktionäre. Über die vergangenen zehn Jahre hat der Konzern seine Verschuldung deutlich reduziert und einen Großteil seiner Gewinne für gezielte Aktienrückkäufe genutzt – typischerweise zu Bewertungsmultiplikatoren von rund dem Zehnfachen des EBITDA (Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen).

Legt man den Maßstab vergleichbarer Transaktionen in der Branche an, wäre Ralph Lauren auf dem privaten Markt wohl mindestens mit dem Fünfzehnfachen des EBITDA zu bewerten.

Nachdem der Markt das Unternehmen zwischen 2017 und 2022 weitgehend ignoriert hatte – damals wurde es mit nur dem Sechs- bis Achtfachen des EBITDA bewertet –, erfährt Ralph Lauren nun wieder breite Wertschätzung. Auslöser dürfte vor allem der Erfolg bei der „Gen Z“ gewesen sein.

Die Aktie notiert aktuell auf dem höchsten Bewertungsniveau seit zwanzig Jahren. Die Erwartungen sind entsprechend hoch – Spielraum für Enttäuschungen gibt es kaum.