20. Mai (Reuters) - In Großbritannien hat sich der Preisauftrieb im April merklich abgeschwächt. Die Inflationsrate ging auf 2,8 Prozent zurück, nach 3,3 Prozent im März, wie das Nationale Statistikamt (ONS) am Mittwoch in London mitteilte. Experten hatten lediglich einen Rückgang auf 3,0 Prozent erwartet. Das ONS begründete die Verlangsamung mit einem statistischen Effekt: Denn im Vorjahresmonat waren die Energie- und andere regulierte Versorgungskosten stark gestiegen. Auch die von der Notenbank stark beachtete Inflation im Dienstleistungssektor schwächte sich deutlicher als gedacht ab - und zwar auf 3,2 Prozent, nach 4,5 Prozent im Vormonat. Ökonomen hatten für April nur einen Rückgang auf 3,5 Prozent auf dem Zettel.

Das Pfund Sterling gab nach der Veröffentlichung der Daten kurzzeitig gegenüber dem Dollar und dem Euro nach, konnte sich anschließend jedoch weitgehend wieder erholen. Der durch den Nahost-Krieg ausgelöste Energieschock veranlasste die Bank of England (BoE) jüngst, ihre Inflationsprognosen drastisch nach oben zu korrigieren. In einem ungünstigen Szenario könnte die Teuerungsrate demnach Anfang 2027 einen Wert von 6,2 Prozent erreichen.

An den Terminmärkten wird damit gerechnet, dass die BoE im Laufe des Sommers die Zinsen anhebt, wahrscheinlich aber noch nicht im Juni. Die Währungshüter in London entschieden Ende April, den geldpolitischen Schlüsselsatz bei 3,75 Prozent zu belassen. Die Entscheidung fiel mit acht zu eins: Nur Chefvolkswirt Huw Pill votierte für eine Erhöhung. Großbritannien hat bereits das höchste Leitzinsniveau in der Gruppe der sieben größten westlichen Industrieländer (G7). Dabei hat die Notenbank die Zinsen seit Mitte 2024 bereits sechsmal gelockert - zuletzt im Dezember.

(Bericht von Andy Bruce, geschrieben von Reinhard Becker. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)