Eingriffe in ein lukratives System
Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat per Dekret eine Obergrenze von 3,6 % für Händlerkommissionen bei Transaktionen mit Essensgutscheinen festgelegt. Zudem wird die Zahlungsfrist von derzeit 30 auf künftig 15 Tage halbiert. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die Intermediationskosten auf einem Markt zu senken, der sich laut Schätzungen auf 170 Milliarden Reais jährlich beläuft – umgerechnet rund 28 Milliarden Euro – und im Rahmen des Programms zur Arbeitnehmerverpflegung (Programa de Alimentação do Trabalhador, PAT) mehr als 22 Millionen Beschäftigte betrifft.
Der Sektor ist stark konzentriert: Rund 85 % des Marktes entfallen auf die vier Anbieter Edenred, Pluxee, Alelo und VR. Trotz eines Gesetzes aus dem Jahr 2022 zur Einführung der Interoperabilität zwischen den Zahlungsnetzwerken ist der Wettbewerb bisher begrenzt. Das nun unterzeichnete Dekret verpflichtet die Akteure zur vollständigen Umsetzung der technischen Interoperabilität innerhalb eines Jahres. Die Portabilität, also die freie Wahl des Anbieters durch den Arbeitnehmer, steht hingegen noch aus.
Die Reformen markieren einen Wendepunkt in der Politik der brasilianischen Regierung, die den bislang wenig regulierten Markt stärker öffnen will.
Pluxee kündigt rechtliche Schritte an
In einer in der Nacht veröffentlichten Mitteilung erklärt Pluxee, dass man die neue Haltung der brasilianischen Behörden zur Ausgestaltung des PAT-Programms zur Kenntnis nehme – insbesondere hinsichtlich der Händlerkommissionen, der Zahlungsfristen und der Abwicklung von Essensgutscheinen.
Die beschlossenen Maßnahmen, die frühestens in 90 Tagen in Kraft treten, "weichen erheblich von den Gesprächen ab, die zwischen dem Branchenverband und der Regierung geführt wurden", so das Unternehmen. Man äußert sich besorgt über die Zukunftsfähigkeit des Programms.
Pluxee sieht in den neuen Vorschriften einen "Eingriff in private Geschäftsbeziehungen", der die Fähigkeit der Anbieter einschränke, innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben. Daher erwäge man rechtliche Schritte – sowohl auf eigene Initiative als auch gemeinsam mit dem Branchenverband.
Zum jetzigen Zeitpunkt hat Pluxee noch keine Schätzung zur wirtschaftlichen Auswirkung der neuen Regelung veröffentlicht und will zunächst eine genaue Analyse vornehmen.
Brasilien ist für Edenred der zweitgrößte Markt weltweit und trug zuletzt 19 % zum Gesamtumsatz bei. Bei Pluxee liegt dieser Anteil bei etwa 14 %. Bereits in der Vergangenheit hatten Reformpläne in Brasília die Aktienkurse beider Unternehmen stark unter Druck gesetzt. Am gestrigen Handelstag verloren Edenred und Pluxee jeweils rund 9,5 %.



















