Nachdem die Pariser Börse einen Großteil der Sitzung in der Verlustzone verbracht hatte, gelang es ihr am Ende des Tages, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Dabei widersetzte sie sich dem deutlichen Rückgang der Bankenwerte, mit -3,66% für Crédit Agricole, -3,59% für Société Générale und -1,41% für BNP Paribas. Der Rückgang des Sektors ist umso bemerkenswerter, als die Veröffentlichungen der drei Institute insgesamt solide ausfielen.

In der Tat präsentierte Crédit Agricole ein Konzernergebnis, das mit 1,6 Mrd. EUR den Konsenserwartungen entsprach, während Société Générale einen Nettogewinn von 1,7 Mrd. EUR auswies, was 7% über den Prognosen lag. BNP Paribas schnitt mit einem Nettoergebnis von 2,97 Mrd. EUR, 10% über dem Konsens, noch besser ab. Diese Diskrepanz zwischen Fundamentaldaten und Börsenreaktion spiegelt die wachsenden Sorgen der Anleger hinsichtlich der Wirtschaftsaussichten wider.

Ein trübes wirtschaftliches Umfeld

Diese Befürchtungen wurden heute Morgen zudem durch mehrere enttäuschende Indikatoren genährt. Das Statistikamt Insee gab eine Stagnation des französischen BIP im ersten Quartal 2026 bekannt (0,0% nach +0,2% im Vorquartal) und bestätigte damit das Nachlassen der Wachstumsdynamik. Gleichzeitig dürfte die Inflation wieder anziehen, mit einem erwarteten Anstieg von 2,2% im April nach +1,7% im März.

Auf europäischer Ebene bietet sich ein ähnliches Bild. Laut Eurostat dürfte das Wachstum in der Eurozone im ersten Quartal nur 0,1% erreichen und damit hinter den Erwartungen (+0,2%) zurückbleiben. Eine Verlangsamung, welche die Vorsicht der Investoren verstärkt.

Hinzu kommt das Ausbleiben von Fortschritten im Nahen Osten. Fitch Ratings warnte vor den Risiken einer anhaltenden Krise im Iran und verwies auf potenzielle Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen sowie ein 'wachsendes globales systemisches Risiko'.

In diesem unsicheren Kontext ließ die EZB ihre Leitzinsen wenig überraschend unverändert (2%), eine Entscheidung, die von den Märkten weitgehend antizipiert worden war. 'Das wichtigste Signal liegt in dem, was der EZB-Rat nicht gesagt hat', betont Madison Faller (JP Morgan Private Bank) und hebt eine Strategie maximaler Flexibilität hervor. Die Institution könnte in diesem Jahr eine einmalige Erhöhung um 25 Basispunkte vornehmen, bevor eine längere Pause folgt, sofern es nicht zu einem Wiederaufflammen des Inflationsdrucks kommt.

'Die EZB hat die Debatte über eine mögliche Zinserhöhung im Juni klar eröffnet, sollte sich die Lage erneut verschlechtern', fügt Juliette Cohen, Strategin bei CPR AM, hinzu.

Werte in Bewegung

In Paris wurde der CAC 40 von Engie (+4,93%), Veolia (+3,25%) und STMicro (+2,9%) nach oben gezogen.
Im Gegensatz dazu gab Stellantis um 6,4% nach, nachdem die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren; das Ergebnis je Aktie belief sich auf 0,14 EUR gegenüber erwarteten 0,21 EUR.

Hervorzuheben ist zudem die Performance von Air France-KLM, die um 3,8% zulegte, nachdem der Nettoverlust im ersten Quartal trotz des schwierigen Umfelds und der explodierenden Ölpreise bei 252 Mio. EUR stabilisiert werden konnte. Die Gruppe verzeichnete zudem einen soliden Umsatz von 7,48 Mrd. EUR, was den Erwartungen entsprach.

Schließlich verzeichnete Soitec (+12,25%) den stärksten Zuwachs im SBF 120. Eine Rückkehr in der Gunst der Anleger, die auf die wahrgenommene Diskrepanz zwischen den kurzfristig noch geschwächten Fundamentaldaten (insbesondere durch die anhaltende Schwäche des Mobilfunkmarktes) und einem Neubewertungspotenzial durch strategische Wachstumstreiber zurückzuführen ist.

Andernorts in Europa glänzte DHL mit dem stärksten Anstieg im Euro Stoxx 50 (+7,51%), vor Bayer (+4,39%), während Munich Re und Deutsche Börse das Schlusslicht bildeten (-3% und -1,32%).

Schwarzes Gold und nüchterne Zahlen

Auf geopolitischer Ebene treiben die Spannungen im Nahen Osten die Energiepreise weiter an. Anhaltende Störungen in der Straße von Hormus halten den Druck auf das Angebot aufrecht und treiben WTI auf 104 USD pro Barrel und Brent auf rund 110 USD. Die von einem Vertreter der US-Regierung ins Spiel gebrachte Perspektive einer längeren Blockade verstärkt die Sorgen um die weltweite Versorgung.

Schließlich bestätigten auch die heute veröffentlichten US-Indikatoren eine Verlangsamung der Aktivität. Das US-BIP wuchs im ersten Quartal um 2% und blieb damit hinter den Erwartungen (2,2%) zurück, nach einem Anstieg von 0,5% im Vorzeitraum.

Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen mit 189.000 jedoch besser aus als erwartet, was die Resilienz des Arbeitsmarktes unterstreicht.
Parallel dazu schrumpfte der Chicagoer Einkaufsmanagerindex im April entgegen den Erwartungen.