Das Unternehmen mit dem schillernden Hintergrund – gegründet vom umstrittenen Peter Thiel und geleitet vom exzentrischen Alex Karp – genießt den Status eines Kulttitels unter Tech-Enthusiasten. Palantir ist fraglos die „Meme-Aktie“ des Jahres 2025 und entzieht sich in vielerlei Hinsicht den klassischen Bewertungsmaßstäben der Finanzwelt.
Lange Zeit war das Stoff für Spott: Palantir schrieb rote Zahlen, hüllte sich in geheimnisvolles Schweigen über seine tatsächliche Geschäftstätigkeit und gewährte seinen Mitarbeitenden astronomische Vergütungen in Form von Aktienoptionen – diese machten vor drei Jahren phasenweise bis zu 80 % des Umsatzes aus.
Doch seit dem ersten Halbjahr 2024 hat das in Houston ansässige Unternehmen ein Umdenken vollzogen: Die aktienbasierte Vergütung wurde drastisch reduziert, das hohe Wachstumstempo gehalten und – entscheidend – erstmals wurde ein nachhaltiger operativer Gewinn erzielt. Die Börse reagierte prompt: Die Aktie schoss förmlich in die Höhe.
Und betrachtet man die Zahlen, bleibt 2025 ein beeindruckendes Jahr. In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um mehr als 51 % von 1,6 auf 2,5 Mrd. USD. Der unbereinigte operative Gewinn (EBITDA) explodierte geradezu von 324 auf 858 Mio. USD.
Für das Gesamtjahr – mit nur noch einem Quartal bis zum Abschluss – rechnet der Analystenkonsens mit einem Nettogewinn von rund 1,1 Mrd. USD. Die aktuelle Marktkapitalisierung entspräche damit, man glaubt es kaum, dem 120-Fachen des Umsatzes und dem 480-Fachen des Jahresgewinns 2025.
Um ein Gefühl für die Größenordnung zu bekommen: Palantir ist inzwischen an der Börse so hoch bewertet wie Mastercard oder ExxonMobil – zwei Konzerne, deren Gewinn mit 15 bzw. 30 Mrd. USD ein Vielfaches des Palantir-Ertrags ausmacht, wenn auch bei deutlich geringerem Wachstum.
Palantir seinerseits sitzt auf einem Finanzpolster von mehr als 7 Mrd. USD – der Cashbestand wächst stetig. Aktienrückkäufe? Fehlanzeige – bei diesen Bewertungsniveaus kaum sinnvoll. Dividenden oder Übernahmen? Ebenfalls keine Spur. Der Fokus liegt bislang auf dem Aufbau finanzieller Stärke.
Während der Privatsektor weiter an Bedeutung gewinnt – er macht inzwischen 46 % des Quartalsumsatzes aus, gegenüber 44 % im Vorjahreszeitraum – bleibt das Horten von Kapital der zentrale strategische Leitfaden.
Die Aktie ist zudem ein rotes Tuch für Leerverkäufer. Prominentester unter ihnen: Michael Burry, bekannt durch seine Wette gegen die Hypothekenblase vor der Finanzkrise. Über seine Firma Scion Asset Management hat er massiv gegen Palantir – und Nvidia – gewettet.
Doch bisher blieb der Erfolg aus. In einem Markt, der sich von fundamentalen Bewertungen zunehmend entkoppelt hat, sind all jene, die schon früher auf einen Absturz gesetzt hatten, bisher gescheitert. Palantir widersetzt sich weiterhin den Gesetzen der Schwerkraft – zum Verdruss seiner Gegner und zur Freude seiner gläubigen Anhänger.




















