Ganz wie seine beiden schillernden Köpfe pflegt Palantir einen ausgesprochen unkonventionellen Stil. Dieser spiegelt sich perfekt in der Überschrift der Mitteilung zu den Quartalszahlen wider, in der das Unternehmen verkündet, die Erwartungen des Marktes „pulverisiert“ zu haben.

Tatsächlich stieg der Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum erneut um 85 %. Besonders genau beobachteten Analysten das Wachstum im Privatkundensegment, dessen Erlöse um 133 % zulegten und inzwischen fast die Hälfte des Konzernumsatzes ausmachen.

Palantir löst sich damit zunehmend von seinem Image als verlängerter Arm der amerikanischen Nachrichtendienste. Mittlerweile wird mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes im Ausland erzielt – ein weiterer Punkt, auf den die Analystengemeinde besonders aufmerksam blickte.

Das in Denver ansässige Unternehmen, das Ende 2024 einen strategischen Kurswechsel eingeleitet und dabei insbesondere die ausufernden variablen Vergütungen reduziert hatte, demonstriert in diesem Quartal erneut die enorme Wirkung seines operativen Hebels: Während sich der Umsatz binnen eines Jahres verdoppelte, stiegen die Kosten lediglich um ein Viertel. Infolgedessen sprang das operative Ergebnis innerhalb von zwölf Monaten von 176 Mio. auf 754 Mio. US-Dollar.

Diese geradezu verblüffenden Ergebnisse ermöglichten es Palantir, den Gewinn je Aktie zu vervierfachen – trotz weiterhin hoher Aufwendungen für aktienbasierte Vergütungen. Allein im vergangenen Quartal beliefen sich diese noch auf 202 Mio. US-Dollar beziehungsweise 12 % des Umsatzes. Von den geradezu absurden Dimensionen früherer Jahre ist das Unternehmen jedoch weit entfernt: Vor vier Jahren entsprachen die Stock-Options noch vier Fünfteln des Umsatzes.

Wie wir bereits in unserem letzten Kommentar zu den Ergebnissen geschrieben hatten, widersetzt sich Palantir damit weiterhin den Gesetzen der Schwerkraft. Im zweiten Quartal dürfte allerdings eine Verlangsamung eintreten. Der Umsatz soll dann „nur noch“ um 10 % wachsen, nachdem er zwischen dem vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025 und dem ersten Quartal 2026 noch um 16 % zugelegt hatte.

Palantir bleibt bilanziell wie eine Festung aufgestellt und verfügt über mehr als 8 Mrd. US-Dollar an überschüssiger Liquidität. Aktienrückkäufe stehen bislang nicht zur Debatte – bei diesen Bewertungsniveaus wenig überraschend. Auch Dividenden oder größere Übernahmen sind derzeit kein Thema. Die Strategie des Unternehmens konzentriert sich weiterhin auf kommerzielle Expansion und Kapitalaufbau.

Aktuell wird Palantir mit dem 70-Fachen des erwarteten EBITDA der kommenden zwölf Monate bewertet – leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Das „Nvidia der Softwarebranche“ bringt inzwischen einen Unternehmenswert von 340 Mrd. US-Dollar auf die Waage und rangiert damit auf Platz 38 der wertvollsten Unternehmen Nordamerikas – zwischen AT&T und T-Mobile. Es erscheint durchaus wahrscheinlich, dass die beiden Telekomkonzerne bis Jahresende deutlich hinter Palantir zurückfallen werden.

Siehe hierzu auch unseren gestern veröffentlichten Artikel: „Palantir: KI in Uniform versucht Wall Street zu überzeugen“.