Staatlich geförderte Bergbau-Expansionen geben derzeit den Ton im Royalty-Sektor an.

Allein in Kanada sind bis 2034 Rohstoffprojekte im Wert von 632,6 Milliarden US-Dollar geplant - eine der umfangreichsten Pipelines der letzten Jahre. Laut dem 'Major Projects Inventory' der kanadischen Regierung deutet dies eher auf einen anhaltenden Investitionszyklus als auf eine kurzfristige Spitze hin.

Da neue Minen jedoch Zeit bis zur Förderung benötigen, wächst das Angebot nur langsam, was die Preise für Gold, Silber und Kupfer langfristig stützt. Die Goldnachfrage bleibt durch Inflationsabsicherung und makroökonomische Unsicherheit untermauert, während Silber zusätzlichen Rückenwind durch die Industrienachfrage erhält. Das Royalty- und Streaming-Modell passt hier perfekt: niedrige Kosten, hohe Margen und eine direkte Kopplung an Produktion und Rohstoffpreise statt an den operativen Minenbetrieb.

OR Royalties, ein in Québec ansässiges Unternehmen, das Lizenzgebühren (Royalties) und Streaming-Rechte an Edelmetallprojekten erwirbt und verwaltet, profitiert unmittelbar von diesem System. Das globale Portfolio erstreckt sich über Nordamerika, Lateinamerika, Afrika und Australien, wobei der Schwerpunkt auf Kanada liegt, verankert durch eine starke Royalty am Goldkomplex Canadian Malartic.

Gewinnverdopplung im Visier

OR Royalties ist im ersten Quartal 2026 nicht nur gewachsen, sondern hat seinen Umsatz nahezu verdoppelt. Die Erlöse beliefen sich auf 102,8 Mio. USD gegenüber 54,9 Mio. USD im Vorjahr - ein Plus von 87,3 % im Jahresvergleich. Dieser Sprung ist primär auf höhere Gold- und Silberpreise sowie eine gesteigerte Produktion im Portfolio zurückzuführen. Ein solcher Zuwachs resultiert nicht nur aus dem Preisgefüge, sondern auch aus dem Volumen neuer und hochfahrender Anlagen.

Der Nettogewinn erreichte in diesem Quartal 73,6 Mio. USD, verglichen mit 25,6 Mio. USD im Q1 2025 - ein massiver Anstieg um 187 %. Dieser Sprung wurde durch den operativen Hebel und einige Gewinne aus nicht-strategischen Bereichen begünstigt. Doch es gibt einen Haken: Die Cash-Margen blieben mit rund 97 % nahezu unverändert. Das bedeutet, dass das Upside eher aus Skaleneffekten und Preisen resultierte als aus einer gesteigerten Effizienz. Vereinfacht gesagt: Das Geschäft wurde nicht präziser, sondern schlicht größer.

Bemerkenswert ist die Aggressivität, mit der das Unternehmen reinvestiert. Allein in diesem Quartal flossen Mittel in neue Royalties, darunter der Namdini-Deal in Ghana sowie eine breitere Pipeline von Portfolio-Akquisitionen. Im Grunde wird Cash direkt wieder in Wachstum investiert. Die Wette ist simpel: Weiterhin Assets ansammeln, solange die Preise hoch sind, und später die Produktion den Zinseszinseffekt erledigen lassen.

Glanzvolle Gewinne mit Schattenseiten

Die Aktie von OR Royalties ist im vergangenen Jahr um 46,5 % gestiegen. Das klingt hervorragend, bis man feststellt, dass sie mit 51,4 USD immer noch deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 65,5 USD notiert. Diese Differenz ist entscheidend: Sie zeigt, dass der Markt nach einer scharfen Rallye bereits abgekühlt ist und vermutlich einen Teil der Volatilität der Metallpreise eingepreist hat.

Zum aktuellen Kurs wird die Aktie mit dem 18,2-fachen der erwarteten Gewinne für das Geschäftsjahr 2027 gehandelt, was einen deutlichen Abschlag zu ihrem Zweijahresdurchschnitt von 26,5 darstellt. Dies wirkt wie ein Reset, spiegelt aber auch einen Markt wider, der weniger bereit ist, Spitzenmultiplikatoren für rohstoffabhängige Titel zu zahlen.

Das Analystensentiment ist positiv, aber nicht einhellig: Sieben von elf Analysten bewerten den Titel als 'Buy', wobei das durchschnittliche Kursziel bei 52,4 USD liegt - was einem Aufwärtspotenzial von lediglich 1,9 % entspricht. Das ist kaum der Rede wert und deutet darauf hin, dass die Aktie bereits nahe an der fairen Bewertung der Analysten notiert. Ohne neue Impulse scheint der Spielraum begrenzt.

Risiken im Royalty-Reich

OR Royalties scheint darauf ausgelegt zu sein, bei starken Metallpreisen zu gewinnen, doch genau darin liegt das Risiko. Sollten die Preise nachgeben oder die Produktion bei Schlüsselprojekten stocken, kann das Wachstum schnell verpuffen. Angesichts der regen Akquisitionstätigkeit und ständiger Reinvestitionen rückt die operative Umsetzung stärker in den Fokus als die reine Wachstumsstory. Das Modell ist einfach, der Zyklus jedoch nicht: Was auf dem Weg nach oben funktioniert, kann sich beim Abschwung ebenso schnell ins Gegenteil verkehren.