Der lange Abschied vom Non-Profit-Modell

Seit Langem war OpenAI durch die Klauseln seines Vertrags mit Microsoft blockiert – doch nun hat das Unternehmen gemeinsam mit dem US-Techriesen die Grundlage für einen neuen Kompromiss gefunden. Diese Gespräche, die sich über den gesamten Sommer zogen, stellten das erste große Hindernis dar. Denn hinter ChatGPT verbirgt sich eine tiefgreifende Transformation: OpenAI will von einer gemeinnützigen Organisation zu einer Public Benefit Corporation (PBC) werden – eine Voraussetzung für einen Börsengang.

Doch mit der Einigung auf der Microsoft-Seite ist es nicht getan. Der juristische Umbau steht nun unter genauer Beobachtung der Generalstaatsanwälte von Delaware – dem Sitz von OpenAI – sowie von Kalifornien, wo das Unternehmen einen Großteil seiner Einnahmen erzielt. Diese Behörden müssen prüfen, ob die geplante Umwandlung mit dem geltenden Gemeinnützigkeitsrecht vereinbar ist. In einem kürzlich an OpenAI gerichteten Schreiben äußerten die Ermittler „ernste Bedenken“, insbesondere in Bezug auf die Sicherheit – ausgelöst durch Berichte über Todesfälle im Zusammenhang mit der Nutzung des Chatbots.

Streit mit Musk und Gegenwind aus der Zivilgesellschaft

Parallel läuft ein Prozess von Elon Musk gegen OpenAI, Sam Altman und Greg Brockman. Musk wirft der Gruppe vor, die ursprüngliche gemeinnützige Mission verraten zu haben. Die Umwandlung in eine gewinnorientierte Gesellschaft sei ein klarer Beleg dafür.

Auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie Encode oder The Midas Project kritisieren den Strategiewechsel. Sie befürchten, OpenAI verliere damit den Fokus auf seine Gründungsaufgabe: die Entwicklung einer allgemeinen Künstlichen Intelligenz (AGI) zum Wohle der Menschheit. OpenAI konterte mit Klagen gegen diese Gruppen – mit dem Vorwurf, sie würden verdeckt von Konkurrenten wie Elon Musk (Tesla, xAI) oder Mark Zuckerberg (Meta) finanziert.

Microsoft: Partner und Widersacher zugleich

Microsoft bleibt mit Abstand wichtigster Geldgeber von OpenAI, doch die Beziehung ist angespannt. Die anfangs großzügigen Finanzierungsbedingungen wurden für das Start-up zunehmend einschränkend – OpenAI soll sogar erwogen haben, die US-Kartellbehörden einzuschalten, um Spielraum zurückzugewinnen. Nach zähem Ringen scheint ein Kompromiss nun in Reichweite.

Bewertung und Aktionärsstruktur der künftigen Börsenfirma

Die jüngsten Gerüchte sprechen von einer Bewertung zwischen 500 und 600 Milliarden US-Dollar. Microsoft könnte dabei rund 30 % der neuen Gesellschaft halten – also zwischen 150 und 180 Milliarden Dollar. Die OpenAI Foundation soll zwischen 20 und 30 % erhalten. Weitere 40 bis 50 % gingen an Investoren wie Softbank sowie an die Mitarbeiter.

Eine aktuelle Schätzung von The Information konkretisiert:

  • Microsoft würde mit 28 % (rund 140 Mrd. USD) größter Anteilseigner,

  • die OpenAI-Stiftung erhielte 27 % (135 Mrd. USD),

  • Mitarbeiter kämen auf 25 % (125 Mrd. USD),

  • der verbleibende Anteil entfiele auf weitere Investoren.

Microsoft setzt auf eigene Modelle

Auf einer öffentlichen Veranstaltung bestätigten Microsoft-CEO Satya Nadella und AI-Leiter Mustafa Suleyman, dass der Konzern weiterhin massiv in eigene KI-Technologien investieren wolle. „Wir sollten in der Lage sein, intern weltweit führende Modelle zu entwickeln – ganz gleich, wie groß sie sind. Aber wir müssen auch pragmatisch genug sein, andere Modelle zu nutzen, wenn es notwendig ist“, erklärte Suleyman.

Die Aussage verdeutlicht: Die enge Partnerschaft zwischen Microsoft und OpenAI weicht zunehmend einem Verhältnis auf Augenhöhe – mit wachsender strategischer Distanz.