Allein 42 Milliarden Dollar konzentriert die SNB auf fünf Tech-Giganten (Amazon, Apple, Meta, Microsoft und Nvidia) – was sie zu einem gewichtigen Player im Silicon Valley macht. Ihr Anteil an Apple übersteigt die Marke von 10 Milliarden Dollar, jener an Nvidia liegt sogar bei mehr als 11 Milliarden Dollar.
Hinter dieser Strategie steht eine unorthodoxe geldpolitische Vorgehensweise. Um den Franken, der seit Jahren zur Aufwertung neigt, zu schwächen, verkauft die SNB regelmäßig die heimische Währung und kauft stattdessen ausländische Devisen, vor allem Dollar und Euro. Diese Bestände investiert sie anschließend in Anleihen und Aktien im Ausland – eine eigenwillige Form des „quantitative easing“ jenseits der Grenzen. Laut Financial Times bestehen rund 87 % ihrer Bilanzsumme – etwa 855 Milliarden Dollar – aus Fremdwährungsaktiva, davon rund ein Viertel in Aktien.
Anders als andere Zentralbanken verfolgt die SNB dabei kein Renditeziel. „Die Schweiz braucht keinen Staatsfonds, wir haben die SNB“, fasst Arturo Bris, Professor am IMD, gegenüber der FT zusammen. Dennoch fordern Experten zunehmend eine aktivere Verwaltung dieses gigantischen Portfolios, um dessen Performance zu optimieren. Zumal die Bank ihre Positionen in Nvidia zuletzt aufgestockt, gleichzeitig jedoch Beteiligungen an Meta, Netflix oder Palantir reduziert hat – ohne dass dies die Gesamtrendite spürbar geschmälert hätte, da der Höhenflug der Technologiewerte den Wert des Portfolios befeuerte.
Transparenz in den USA macht es einfach
Die US-Datenbank EDGAR der SEC listet die Positionen von Investoren wie der SNB zum Ende des zweiten Quartals 2025 – allerdings ausschließlich für US-Werte. Weit schwieriger ist es, die Engagements der Notenbank in anderen Ländern nachzuvollziehen, mit Ausnahme Großbritanniens, wo die Bestände ebenfalls öffentlich sind. Für andere Märkte bleibt nur die mühsame Auswertung von Geschäftsberichten, Stimmrechtsmeldungen und Drittanbieter-Datenbanken. MarketScreener hatte diese Erfahrung bereits im Auftrag der RTS im vergangenen Jahr gemacht. Zum Vergleich: Manche Staatsfonds veröffentlichen ihre Beteiligungen extrem transparent.
Trotz ihrer massiven Engagements bleibt die SNB selektiv. Systemrelevante Banken und sensible Branchen wie die durch internationales Recht verbotene Rüstungsindustrie meidet sie konsequent. Außerdem übt sie keinerlei Stimmrechte auf ihre Aktien aus. Ihre atypische Governance – sie ist börsennotiert und wird teils von Kantonen, Kantonalbanken und privaten Aktionären gehalten – verstärkt den Vergleich mit einem Staatsfonds, ohne dass sie dessen Ziele oder Struktur teilt.
Wechselkursverluste als Preis für den schwachen Franken
Ganz risikolos ist dieser Ansatz nicht. 2022 und 2023 verbuchte die SNB hohe Verluste infolge der Marktvolatilität. Auch im ersten Halbjahr 2025 schrieb sie mit minus 15,3 Milliarden Franken tiefrote Zahlen – vor allem wegen der Dollarschwäche. Immer wieder werden Rufe nach Reformen laut, etwa nach einem Teil-Outsourcing an externe Vermögensverwalter. Derzeit sind jedoch keine Änderungen geplant. Ökonomen warnen zudem, dass eine Auslagerung die geldpolitische Reaktionsfähigkeit der Nationalbank empfindlich schwächen könnte.


















