Novo Nordisk erwartet nun für das laufende Geschäftsjahr nur noch ein Umsatzwachstum von 8 bis 14 % (zuvor 13 bis 21 %) und einen Anstieg des operativen Ergebnisses von 10 bis 16 % (vorher 16 bis 24 %). Die Korrektur macht deutlich: Die einstige Dominanz bei Medikamenten gegen Adipositas und Diabetes steht zunehmend unter Druck – insbesondere durch den US-Konkurrenten Eli Lilly.

Eli Lilly übernimmt die Führung

Sowohl klinisch als auch kommerziell hat Eli Lilly zuletzt klar die Nase vorn. Die Medikamente Zepbound (Adipositas) und Mounjaro (Adipositas und Diabetes) erzielen bei Patienten stärkere Gewichtsverluste und eine bessere Blutzuckerkontrolle als Novo Nordisks Blockbuster Wegovy und Ozempic. In den USA – dem mit Abstand wichtigsten Markt für Novo – verzeichnet Lilly bereits höhere wöchentliche Verordnungszahlen. Ein entscheidender Vorteil, denn Patiententreue spielt im Markt für chronische Therapien eine Schlüsselrolle.

Zudem sorgt Orforglipron, ein neuer oraler Wirkstoff von Eli Lilly, für weitere Unruhe. Dieser könnte die gängigen wöchentlichen Injektionen durch eine einfache Tabletteneinnahme ersetzen – ein klarer Gamechanger für die Patientenerfahrung und somit die Marktanteile.

Mehr als nur Konkurrenzdruck

Auch wenn die Erfolge von Eli Lilly eine zentrale Rolle spielen, ist die Lage von Novo Nordisk komplexer. Der Einbruch ist auf eine ganze Reihe zusätzlicher Faktoren zurückzuführen:

  • Abhängigkeit vom US-Markt: Etwa 75 % des Umsatzes erzielt Novo Nordisk in den USA. Eine anhaltende Wachstumsverlangsamung in diesem Markt – kombiniert mit einem stärkeren Euro – belastet die Margen empfindlich.

  • Illegale Konkurrenz: Der US-Markt wird zunehmend von gefälschten oder illegal importierten Varianten von Semaglutid überflutet, die oft zu deutlich niedrigeren Preisen im Internet angeboten werden. Dieser Schwarzmarkt führt zu nicht kontrollierbaren Umsatzverlusten.

  • Politische Risiken: Donald Trump hat mehrfach signalisiert, den staatlichen Gesundheitsapparat umzukrempeln – inklusive Budgetkürzungen und Änderungen bei Medicare und Medicaid. Das würde den Zugang zu teuren Therapien wie Wegovy für einkommensschwache Patienten zusätzlich erschweren.

  • Patentabläufe: Bereits 2026 laufen die Patente auf den Wirkstoff Semaglutid in mehreren Ländern aus. Generikahersteller wie Hikma und Sandoz stehen bereit – Analysten erwarten Preisabschläge von 50 bis 80 % oder sogar mehr.

  • Managementwechsel: Die Entlassung von CEO Lars Fruergaard Jørgensen im Mai – durchgesetzt von der Stiftung Novo Nordisk, dem Hauptaktionär – sorgte für zusätzliche Unsicherheit. Zwar bleibt er bis August im Amt, doch der plötzliche Wechsel wurde am Markt als Signal eines tiefgreifenden Strategiewandels interpretiert.

Vom Börsenstar zum Sorgenkind

Vor einem Jahr beflügelten die Erfolgszahlen von Wegovy die Phantasie der Anleger, als es noch Mitte 2024 als das wertvollste Unternehmen Europas galt. Heute ist von diesen Höhen wenig übrig. Die Aktie hat sich seit dem Hoch gedrittelt, der vermeintliche Monopolstatus scheint durchlöchert. Aus einem Offensivspieler ist ein Verteidiger geworden.

Ein Schock für Dänemark

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notiert die Aktie von Novo Nordisk mit einem Verlust von 22 %. Zwischenzeitlich lag das Minus sogar bei 28 %. Der dänische Leitindex OMX Kopenhagen – in dem Novo nach DSV am stärksten gewichtet ist – rutscht um 11 % ab.