Der weltweite Marktführer im Streaming ist mit solchen Durststrecken vertraut. Während seiner phänomenalen Expansion hat er mehrere davon erlebt. Die letzte, besonders dramatische Episode ereignete sich während der Pandemie: Die Zahl der Abonnenten stagnierte vier Quartale in Folge, was innerhalb weniger Wochen einen Einbruch der Marktkapitalisierung um 75% zur Folge hatte.

Von einer derartigen Panik ist man derzeit weit entfernt, auch wenn der Markt offenbar mit Vorsicht das ambitionierte Übernahmeangebot für die Streaming- und Studioaktivitäten von Warner Bros Discovery antizipiert. Dieses wurde jüngst dahingehend angepasst, dass der Kaufpreis vollständig in bar gezahlt werden soll, nachdem das ursprüngliche Angebot noch eine Aktienkomponente von Netflix enthielt – was angesichts der damaligen Rekordbewertung der Aktie durchaus opportun gewesen war.

Die Transaktion muss noch die Prüfungen der Wettbewerbsbehörden bestehen, die Sabotageversuche von Paramount und des kontrollierenden Ellison-Clans überwinden sowie mögliche Vorbehalte der Aktionäre von WBD ausräumen. Letzteren sollen im Zuge eines dem Erwerb vorgeschalteten Spin-offs die Titel der linearen Fernsehaktivitäten des Konzerns zufallen, allen voran CNN, die Netflix ihnen überlassen will.

Die katastrophalen Börsendebüts von Versant – dem Spin-off von Comcast, das die linearen TV-Aktivitäten, darunter CNBC und MSNBC, abgespalten hat – sind kaum geeignet, sie zu beruhigen. Vor allem zeigen sie im Vergleich mit Versant, dass das Angebot von Netflix diese linearen Fernsehassets tendenziell überbewertet. Gestützt auf diese Argumente könnten die Aktionäre von WBD die Messlatte noch höher legen.

Abseits dieser großen Manöver bleibt das operative Bild jedoch unverändert glänzend für Netflix: Der Konzern beendet das Jahr 2025 mit 325 Millionen Abonnenten, nach 302 Millionen zum Ende des Vorjahres. Der operative Gewinn und der Gewinn je Aktie legen jeweils um 28% zu. Der freie Cashflow steigt sogar um 38% auf 9,5 Milliarden US-Dollar, nach 6,9 Milliarden Ende 2024.

Dieser Cash-Gewinn wird wie gewohnt vollständig für Aktienrückkäufe verwendet – ein Punkt, zu dem wir früher Vorbehalte geäußert hatten –, wenngleich diese inzwischen ausgesetzt sind, um eine mögliche Übernahme von WBD unter optimalen Bedingungen zu finanzieren.

Mit einem Bewertungsniveau von über dem Vierzigfachen der Gewinne bleibt die Bewertung von Netflix in jeder Hinsicht üppig, zumal sich die Kapitalstruktur des Konzerns mit der Aufnahme neuer Schulden verändern dürfte, die vier bis sechs Jahre an freiem Cashflow repräsentieren würden.