München, 01. Apr (Reuters) - Der weltgrößte Sportartikelkonzern Nike tritt weiter auf der Stelle und gerät beim Gewinn durch die hohen Einfuhrzölle in die USA noch stärker ins Hintertreffen. Der Umsatz stagnierte im dritten Quartal (per Ende Februar) des Geschäftsjahres 2025/26 bei knapp 11,3 Milliarden Dollar, wie Nike am Dienstagabend in Beaverton im US-Bundesstaat Oregon mitteilte. Allein in China lag das Minus währungsbereinigt bei zehn Prozent. Rückgänge in Europa und Asien hätten nur zum Teil durch Zuwächse auf dem Heimatmarkt kompensiert werden können. Und im vierten Quartal ist laut Finanzvorstand Matthew Friend keine Besserung in Sicht - im Gegenteil. Das drückte die Nike-Aktie nachbörslich um 8,5 Prozent.

Für das laufende Quartal erwartet Friend ein Umsatzminus von vier Prozent. Das liegt vor allem an dem erwarteten Einbruch in China von 20 Prozent. Dort drossele Nike die Verkäufe bewusst, um "aufzuräumen" und den von Produkten überschwemmten Markt zu bereinigen. Die Konkurrenz lokaler Marken wie Anta und Li Ning macht Nike dort schwer zu schaffen, während Adidas mit einer auf den chinesischen Geschmack ausgerichteten Strategie wieder auf den Erfolgspfad zurückgekehrt ist. Die steigenden Ölpreise und die Verunsicherung der Kunden wegen des Nahost-Kriegs täten ihr Übriges, sagte Friend.

Dazu kommt die Belastung durch die höheren Einfuhrzölle auf die eigenen Schuhe und Kleidungsstücke, die fast ausschließlich in Asien gefertigt und in die USA importiert werden. Sie hatten die Bruttomarge im dritten Quartal zum sechsten Mal in Folge gedrückt, auf 40,2 (Vorjahr: 41,5) Prozent. Im vierten Quartal sei mit einem weiteren Rückgang unter die 40-Prozent-Marke zu rechnen, sagte Friend. Das Sommerquartal werde aber das letzte sein, in dem sich der Zolleffekt auf die Marken auswirke. Der Erzrivale Adidas hatte seine Bruttomarge zuletzt trotz der Zölle noch ausgebaut.

Trotz des Gegenwinds übertraf der Quartalsgewinn je Aktie von Nike mit 35 US-Cent die Erwartungen der Analysten deutlich, der Umsatz lag marginal über den Prognosen. Vorstandschef Elliott Hill zeigte sich zufrieden. "In diesem Quartal haben wir bedeutende Schritte unternommen, um den Zustand und die Qualität unseres Geschäfts zu verbessern." Wie schnell das gehe, sei aber je nach Geschäftsfeld unterschiedlich - je nachdem, wo Nike die größten Anstrengungen unternommen habe. "Die Arbeit ist noch nicht getan, aber die Richtung ist klar", sagte Hill. Prognosen für das Gesamtjahr und die nächsten Jahre werde Nike aber erst im Herbst geben, sagte Finanzvorstand Friend.

Hill richtet das Geschäft wieder stärker auf den Verkauf über den Großhandel aus, der im Quartal um fünf Prozent wuchs. Der Verkauf über das Internet und eigene Läden ging dagegen um vier Prozent zurück. Friend sagte, in den digitalen Kanälen würden immer noch zu viele Rabatte gegeben.

Die Marke "Converse" setzte ihre Talfahrt fort. Sie büßte im dritten Quartal mehr als ein Drittel ihres Umsatzes ein. Für den Fall, dass Nike sich von der Marke trennen wolle, hat der Sport- und Medienkonzern Authentic Brands nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg Interesse angemeldet. Authentic Brands hatte bereits Adidas die Tochter Reebok abgekauft. Der Konzern, der zwei Finanzinvestoren gehört, hat sich ein Portfolio von mehr als 50 Lifestyle- und Mode-Marken zusammengekauft.

(Bericht von Alexander Hübner und Savyata Mishra in BangaloreRedigiert von Scot W. StevensonBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)