Die Prognose eines überraschenden Umsatzrückgangs im vierten Quartal ließ die Aktien von Nike am Dienstag im nachbörslichen Handel um mehr als 9 % einbrechen. Eine anhaltende Schwäche in China und langsame Fortschritte beim Abbau von Altbeständen behindern die Turnaround-Bemühungen des Konzerns.

Unter CEO Elliott Hill hat Nike Werbeaktionen zurückgefahren, die Produktinnovation forciert und sich wieder auf Kernbereiche wie den Laufsport konzentriert. Damit versucht das Unternehmen, das Geschäft nach Jahren mit überschüssigen Lagerbeständen und einer unbeständigen Nachfrage in Nordamerika und China neu auszurichten.

Doch die Trendwende "dauert länger, als mir lieb ist", räumte Hill während der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des dritten Quartals ein. Finanzvorstand Matt Friend prognostizierte für das laufende Quartal einen Umsatzrückgang von 2 % bis 4 %, während Wall-Street-Analysten laut LSEG-Daten mit einem Plus von 1,9 % gerechnet hatten.

In China, wo operative Fehlgriffe auf einen harten heimischen Wettbewerb trafen, sanken die Umsätze von Nike um 10 %.

Friend erklärte, Nike habe in der Region "Fortschritte erzielt", da der Bereich Running zweistellig gewachsen sei. Der Rückgang stellte zudem eine Verbesserung gegenüber dem Minus von 16 % im Vorquartal dar.

Dennoch warnte Friend, dass die Erholung nicht linear verlaufen müsse. Das Unternehmen reduziere den Verkauf in China, während es einen Rückstau an alten Lagerbeständen abarbeite. Für das nächste Quartal erwartet Friend in China einen massiven Umsatzrückgang von 20 %.

Greater China ist nach Nordamerika und der EMEA-Region der drittgrößte Markt für Nike und steuert 15 % zum Jahresumsatz bei. In den letzten Quartalen gestaltete sich das Geschäft dort jedoch mühsam, was auf eine Kombination aus schwächeren Produktsortimenten und Marktanteilsverlusten an lokale Konkurrenten wie Anta und Li Ning zurückzuführen ist.

LAGERBESTÄNDE STEIGEN WEITER AN

Da Nike weltweit aggressiv versucht, Altbestände abzuverkaufen, werden Artikel im Preis gesenkt, was die Margen unter Druck setzt. Insbesondere auf dem europäischen Markt seien die "Werbeaktionen im gesamten Marktumfeld gegenüber dem Vorjahr gestiegen", und "wir waren auch bei den Aktionen auf den digitalen Kanälen von Nike aggressiver", so Friend.

Trotz dieser Bemühungen rechnet Friend damit, dass Nike das nächste Quartal mit erhöhten Lagerbeständen abschließen wird. Diese Prognose führt er auf eine schwache Nachfrage nach Sportbekleidung, anhaltende Rabattaktionen und Unterbrechungen durch den Konflikt im Nahen Osten zurück.

Die langwierigen Bemühungen um den Bestandsabbau könnten die Anleger verschrecken, sagte Morningstar-Analyst David Swartz. "Sie sagen schon seit dem vierten Quartal des letzten Geschäftsjahres, dass sie daran arbeiten. Investoren könnten sich also fragen: 'Warum war das nicht genug?' Wie lange soll das eigentlich noch dauern?", so Swartz.

Hill bat nach den jüngsten personellen Veränderungen in der Führungsebene um Geduld. "Wir haben die Teams aus Produktperspektive neu organisiert", sagte er. "Im Frühjahr 2027 werden wir zum ersten Mal die Früchte der Zusammenarbeit dieser Teams sehen."

UMSATZ STAGNIERT

Der Umsatz des Sportartikelherstellers stagnierte in dem am 28. Februar beendeten dritten Quartal bei 11,28 Milliarden Dollar, lag damit aber über der durchschnittlichen Analystenschätzung, die laut LSEG-Daten von einem Rückgang um 0,3 % auf 11,24 Milliarden Dollar ausgegangen war.

Lichtblicke in einem uneinheitlichen Quartal waren die Großhandelsumsätze, die dank stabiler Verkäufe in Nordamerika um 5 % auf 6,5 Milliarden Dollar kletterten. Die Direktverkäufe an Endkunden (Direct-to-Consumer) sanken jedoch um 4 %, belastet durch die verhaltene Nachfrage in Europa und China.

Nike verdiente im Quartal 35 Cent pro Aktie und übertraf damit die Schätzungen von 28 Cent.

"Die USA waren der Bereich, in dem Nike nach unserer Einschätzung am besten abgeschnitten hat. Daher würde ein Dämpfer für das amerikanische Verbrauchervertrauen die Erholungsbemühungen von Nike bremsen", sagte M-Science-Analyst Drake MacFarlane.

Die Bruttomarge des Unternehmens verringerte sich das sechste Quartal in Folge und sank um 130 Basispunkte auf 40,2 %, was vor allem auf Zölle zurückzuführen ist.