New York/München, 01. Apr (Reuters) - Nike-Chef Elliott Hill bittet die Aktionäre des weltgrößten Sportartikelkonzerns angesichts stagnierender Umsätze um Geduld. "Der Turnaround dauert länger als mir lieb ist", sagte Hill in einer Telefonkonferenz zur Vorstellung der Quartalszahlen am Dienstagabend (Ortszeit). "Die Arbeit ist noch nicht getan, aber die Richtung ist klar." Im dritten Quartal (per Ende Februar) des Geschäftsjahres 2025/26 stagnierte der Umsatz, der Gewinn brach deutlich ein, weil Nike versucht, die Ware mit hohen Rabatten zu verkaufen, um die vollen Lager zu räumen. Dazu kommen die US-Einfuhrzölle auf die eigenen Schuhe und Kleidungsstücke, die fast ausschließlich in Asien gefertigt und in die USA importiert werden.
Kurzfristig ist keine Besserung in Sicht. Für das laufende vierte Quartal sagte Finanzvorstand Matthew Friend einen Umsatzrückgang um bis zu vier Prozent voraus. Analysten hatten dagegen mit einem Plus von zwei Prozent gerechnet. Das erschreckte die Börsianer: Am Mittwoch brach die Nike-Aktie in Frankfurt um neun Prozent auf 41,50 Euro ein. Zahlreiche Banken senkten die Kursziele für das Papier. Da half es auch nichts, dass der Gewinn im dritten Quartal mit 520 Millionen Euro deutlich über den Prognosen lag.
Das erwartete Umsatzminus im Frühjahr liegt vor allem an China, dem drittgrößten Markt für Nike mit einem Anteil von 15 Prozent. Dort plant Nike mit einem Umsatzrückgang um 20 Prozent. Im dritten Quartal waren es zehn Prozent. Man drossle dort die Verkäufe bewusst, um "aufzuräumen" und den von Produkten überschwemmten Markt zu bereinigen, sagte Finanzchef Friend. Die Konkurrenz lokaler Marken wie Anta und Li Ning macht Nike in China schwer zu schaffen, während Adidas mit einer auf den Geschmack chinesischer Kunden ausgerichteten Kollektion auf den Erfolgspfad zurückgekehrt ist.
"WIE LANGE SOLL DAS NOCH DAUERN?"
In Europa versucht Nike dagegen, die Lagerbestände mit hohen Rabatten zu senken - was auf die Margen drückt. "Preisnachlässe waren auf dem ganzen Markt höher als im vergangenen Jahr, und wir waren da bei Nike Digital auch aggressiver", sagte Friend. Trotzdem dürften die Lagerbestände auch Ende Mai noch nicht auf einem normalen Niveau sein, räumte er ein. Die Verunsicherung wegen des Nahost-Kriegs tue dabei ihr Übriges. Morningstar-Analyst David Swartz verliert allmählich die Geduld: "Sie sagen das seit dem vierten Quartal vergangenen Jahres, also fragen die Investoren: Warum war das nicht genug? Wie lange soll das noch dauern?" Hill verwies auf den Umbau im Management entlang der Produktlinien: "Im Frühjahr 2027 werden wir erstmals die Früchte davon sehen, wie diese Teams zusammenarbeiten."
Prognosen für das Gesamtjahr und die nächsten Jahre werde Nike aber erst im Herbst geben, sagte Finanzvorstand Friend.
Weltweit stagnierte der Umsatz des Konzerns aus Beaverton im US-Bundesstaat Oregon im dritten Quartal bei knapp 11,3 Milliarden Dollar. Zuwächse in den USA reichten nicht aus, um den Rückgang in Europa und Asien zu kompensieren. Hill richtet das Geschäft wieder stärker auf den Verkauf über den Großhandel aus, der im Quartal um fünf Prozent wuchs. Der Verkauf über das Internet und eigene Läden ging dagegen um vier Prozent zurück. Rabatte und US-Zölle drückten die Bruttomarge zum sechsten Mal in Folge auf 40,2 (Vorjahr: 41,5) Prozent. Im laufenden Quartal dürfte sie laut Friend sogar unter die 40-Prozent-Marke fallen, allein die Zölle dezimierten die Marge um 2,5 Prozentpunkte. Der Erzrivale Adidas hatte seine Bruttomarge zuletzt trotz der Zölle noch ausgebaut.
(Bericht von Alexander Hübner und Nicholas P. BrownRedigiert von Philipp KrachBei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




















