Bemerkenswert ist, dass die ersten drei Plätze dieses Rankings allesamt auf Transaktionen zwischen 1998 und 2000 entfallen – also mitten in der Dotcom-Blase. Gemeint sind die Fusionen von Exxon und Mobil, AOL und Time Warner sowie Vodafone und Mannesmann. Von diesen drei Deals war letztlich nur der erste ein Erfolg. Der zweite endete in einem spektakulären Fiasko, während der dritte – ohne derart drastisch zu scheitern – die hohen Erwartungen ebenfalls nicht erfüllen konnte.

Die Kombination von NextEra Energy und Dominion schafft jedenfalls einen Branchenriesen mit attraktiven Wachstumsperspektiven. NextEra ist bereits heute der größte Stromproduzent Nordamerikas, verfügt über eine strategisch starke Position in Florida und betreibt rund die Hälfte seiner Kapazitäten im Bereich erneuerbarer Energien. Dominion wiederum punktet vor allem mit seiner Präsenz in der berühmten „Data Center Alley“ in Virginia – dem Epizentrum des Wettlaufs um Rechenkapazitäten in Nordamerika.

NextEra nutzt seine eigene Aktie als Akquisitionswährung und bietet an, drei Viertel des Dominion-Kapitals zu einem Preis von 76 US-Dollar je Aktie zu übernehmen. An der Wall Street notiert die Aktie des Unternehmens aus Richmond aktuell bei rund 68 US-Dollar. Der Abschlag entspricht einem klassischen Spread für eine Transaktion, deren Abschluss innerhalb von zwölf bis achtzehn Monaten erwartet wird und die zudem auf erhebliche regulatorische Widerstände stoßen könnte.

Denn die stark steigende Stromnachfrage infolge des Ausbaus neuer Rechenzentren hat die Energiepreise kräftig steigen lassen – und belastet damit amerikanische Haushalte, die ohnehin bereits unter einer hohen Inflation leiden. NextEra hat vorsorglich Rückstellungen gebildet, um die Belastung für Dominion-Kunden in mehreren Bundesstaaten abzufedern. Darüber hinaus gehörte der Konzern zu den Spendern für den politisch umstrittenen neuen Ballsaal des Weißen Hauses, den Donald Trump initiieren wollte. Ob das ausreichen wird, bleibt offen.

Weniger Widerstand dürfte das Angebot dagegen bei den Aktionären auslösen. Die Anteilseigner von NextEra dürften erleichtert sein, dass die Übernahme überwiegend über Aktien finanziert wird, denn eine zusätzliche Verschuldung wäre für einen Konzern mit einer Nettoverschuldung von mehr als dem Siebenfachen des EBITDA kaum tragbar gewesen. Auch die Dominion-Aktionäre dürften kaum opponieren: Die Dividende je Aktie lag 2025 niedriger als vor zehn Jahren – inflationsbereinigt eine ausgesprochen schwache Entwicklung.