Frankfurt, 28. Mai (Reuters) - Schwindende Hoffnungen auf einen baldigen Frieden im Iran haben den Dax am Donnerstag ausgebremst. Der deutsche Leitindex verlor bis zu 0,4 Prozent auf 25.082 Zähler, der EuroStoxx50 notierte 0,2 Prozent niedriger. "Die Waffenruhe zwischen Washington und Teheran hängt an einem seidenen Faden", sagte Christian Henke vom Broker IG. Die USA hatten in der Nacht trotz der bestehenden Waffenruhe erneut Ziele im Iran angegriffen. Die Revolutionsgarde der Islamischen Republik reagierte mit dem Beschuss eines US-Luftwaffenstützpunktes in der Golf-Region.
Die Ölpreise für das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI zogen deutlich an. Sie lagen zeitweise über vier Prozent höher bei 98,20 beziehungsweise 92,52 Dollar je Fass und heizten die Inflationssorgen damit weiter an. Ob es sich nur um eine kurze erneute Eskalation im Iran handele oder sogar um das Ende der Friedensverhandlungen, könne im Moment niemand vorhersagen, sagte Thomas Altmann von QC Partners. "Solange die Lage im Iran unübersichtlich bleibt, bleibt die Situation an den Börsen volatil." In den vergangenen Tagen hatten Anleger auf ein baldiges Kriegsende und eine Wiedereröffnung der für den Energietransport wichtigen Wasserstraße von Hormus spekuliert. Der Dax handelte zeitweise in Reichweite seiner im Januar erreichten Rekordmarke von 25.507,79 Zählern.
DOLLAR ALS SICHERER HAFEN GEFRAGT
Am Donnerstag war vor allem die gern als sicherer Hafen angesteuerte US-Währung gefragt. Der Dollar-Index kletterte um 0,3 Prozent auf 99,53 Punkte, den höchsten Stand seit Anfang April. Experten gehen davon, dass der Greenback noch Luft nach oben hat, da die US-Notenbank Fed angesichts der anziehenden Teuerung ihren Fokus stärker auf mögliche Zinserhöhungen verlagern dürfte. Mit Spannung erwarteten die Anleger nun die am Nachmittag anstehenden Zahlen zum Privatkonsum, der sogenannte PCE-Index - ein Inflationsmaß, das für die Fed besonders wichtig ist. Darüber hinaus wird die zweite US-BIP-Schätzung für das erste Quartal veröffentlicht. Entscheidend sei nun, ob die Daten die Zinserhöhungserwartungen unterstützten, sagte Commerzbank-Analyst Michael Pfister. "Sprich, das Wachstum muss recht solide ausfallen und der PCE-Index am besten nach oben überraschen." Komme es nicht so, dann könnten die Zinserhöhungserwartungen und damit auch der stärkere US-Dollar relativ schnell wieder in sich zusammenfallen.
Am Goldmarkt lasteten der festere Greenback und die Zinsspekulationen auf den Preisen. Das Edelmetall notierte bis zu zwei Prozent schwächer bei 4367 Dollar je Feinunze und markierte damit den tiefsten Stand seit zwei Monaten. Die Cyber-Devise Bitcoin war mit 72.667 Dollar so billig wie seit sechseinhalb Wochen nicht mehr.
RÜSTUNGSWERTE RÜCKEN IN DEN FOKUS
Auf der Unternehmensseite rückten angesichts der neuen Eskalation in Nahost die Rüstungswerte in den Fokus. Im Dax standen die Papiere von Rheinmetall mit einem Plus von 4,5 Prozent an der Spitze des Leitindex. Im MDax gewannen TKMS, Renk und Hensoldt zwischen 8,4 und 4,2 Prozent. Der europäische Branchenindex legte zwei Prozent zu. Das Nachsehen im Dax hatte die Bayer-Aktie mit einem Abschlag von 2,1 Prozent. Gegen den Agrar- und Pharmakonzern ist in den USA eine Klage wegen illegaler und wettbewerbswidriger Praktiken erhoben worden. Bayer wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück.
An der Pariser Börse hoben die Titel des Halbleitermaterialien-Lieferanten Soitec um mehr als 20 Prozent ab. Das Unternehmen übertraf mit seinen Jahresumsätzen die Markterwartungen. Die Papiere von Infineon stiegen im Dax um mehr als zwei Prozent. Zusätzlich gestützt wurden die Titel des Chipkonzerns auch von positiven Analystenkommentaren.
(Bericht von: Daniela Pegna. Mitarbeit: Sanne Schimanski. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


















