Frankfurt, 08. Jun (Reuters) - Die neue Eskalation im Iran-Krieg belastet zum Wochenstart die europäischen Börsen. Der Dax und der EuroStoxx50 notierten am Montag gegen Mittag jeweils rund ein halbes Prozent tiefer bei 24.606 und 6037 Punkten.

Israel griff am Montag Ziele im Iran an - erstmals seit Beginn einer Waffenruhe am 8. April, als Reaktion auf iranische Angriffe am Sonntag. Die iranischen Revolutionsgarden machten die USA für die jüngste Eskalation verantwortlich. Als Vergeltung feuerten sie nach eigenen Angaben Raketen auf die israelische Stadt Haifa. "Damit sind alle Befürchtungen hinsichtlich einer hartnäckigen Inflation zurück im Markt und treffen auf Anleger, die sich jetzt entscheiden müssen, ob sie vor der Sommerpause lieber noch etwas Risiko aus ihren Depots nehmen", resümierte Andreas Lipkow, Chefanalyst des Brokers CMC Markets.

ZINSÄNGSTE DRÜCKEN GOLD AUF HALBJAHRESTIEF

Die Sorgen, dass die Öltransporte durch die Straße von Hormus länger eingeschränkt bleiben, trieben die Preise für die Nordsee-Rohölsorte Brent und US-Leichtöl WTI um jeweils rund vier Prozent auf 96,68 und 94,50 Dollar je Fass (159 Liter). Wegen der Angebotskrise beschloss das Ölkartell Opec+ am Sonntag zwar die vierte Anhebung seines Förderziels in vier Monaten. Analysten zufolge dürfte die Entscheidung jedoch kaum Auswirkungen haben, da die meisten Opec+-Mitglieder wegen der Schließung der Meerenge ihre Ziele ohnehin nicht erreichen können.

Die zunehmenden Zinsängste setzten indes den Goldpreis stark unter Druck. Das Edelmetall verbilligte sich um knapp ein Prozent auf rund 4293 Dollar je Feinunze und erreichte damit den tiefsten Stand seit fast sechs Monaten. Die Anleger befürchten, dass die Spannungen im Nahen Osten die Energiepreise und damit die Inflation weiter anheizen, was die US-Notenbank zu Zinserhöhungen bewegen könnte. "Gold könnte als Nächstes die psychologisch wichtige Marke von 4000 Dollar testen, sollte der US-Inflationsbericht in dieser Woche höher als erwartet ausfallen", warnte Han Tan, Chefanalyst bei der Handelsplattform Bybit. Bei steigenden Zinsen schichten Anleger vermehrt in verzinste Anlagen um, was die Nachfrage nach Edelmetallen dämpft.

BIETERKAMPF BEFLÜGELT MONTE DEI PASCHI

Zugleich hatten negativ aufgenommene Zahlen des US-Chipkonzerns Broadcom die wochenlange Technologie-Rally bereits am Donnerstag gestoppt. Nun warten Anleger auf den für Freitag geplanten Börsengang des Raumfahrtunternehmens SpaceX von Milliardär Elon Musk. Dieser könnte erhebliche Kapitalströme anziehen und Anleger erneut dazu veranlassen, hoch bewertete Wachstumswerte zu hinterfragen, warnte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research.

Anleger trennten sich zudem von Luftfahrtaktien. Die Titel von Air France, Wizz Air, IAG und der Lufthansa gaben zwischen rund 1,5 und fast drei Prozent nach. Die weltweite Luftfahrtbranche hat ihre Gewinnprognose für 2026 wegen des Nahost-Konflikts fast halbiert. Als Gründe nannte der Verband gestiegene Treibstoffkosten und gestörte Flugkorridore.

An der Börse in Mailand beflügelte die Aussicht auf einen Bieterkampf die Aktien der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS). Die Titel des Instituts aus der Toskana schossen um zwölf Prozent nach oben. Der größere Rivale Banco BPM kündigte am Sonntag an, MPS zu Gesprächen über eine Fusion einzuladen. Zugleich hat Intesa Sanpaolo bereits ein Gebot über 30,6 Milliarden Euro für alle MPS-Aktien angekündigt. Insidern zufolge erwägen auch weitere Konkurrenten wie die BPER Banca ein Angebot für die einst vom Staat gerettete Traditionsbank.

An der Frankfurter Börse geriet Airbus mit einem Kursabschlag von bis zu 3,5 Prozent unter Druck. Der Flugzeugbauer hat laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg einige Kunden über Verzögerungen bei Maschinen der A320neo-Familie informiert, die 2027 und 2028 ausgeliefert werden sollen.

(Bericht von Sanne Schimanski, redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)