Die Pläne von Netflix, das Umsatzwachstum durch den Kauf von Warner Bros zu beschleunigen, stehen am Dienstag im Mittelpunkt, wenn der Streaming-Pionier seine Ergebnisse für das vierte Quartal vorlegt. Netflix konkurriert derzeit mit Paramount um eines der begehrtesten Studios in Hollywood.

Ein starkes Angebot an Eigenproduktionen, darunter die finale Staffel der Erfolgsserie „Stranger Things“, der neueste „Knives Out“-Film und NFL-Spiele am ersten Weihnachtstag, dürften für das beste Umsatzwachstum im Weihnachtsquartal seit 2020 sorgen.

Doch die Anleger blicken bereits in die Zukunft: Netflix hat bislang noch keine nennenswerten Erträge aus zwei seiner teuersten Wetten erzielt – den Vorstößen in Werbung und Videospiele. Das Ende von „Stranger Things“, der meistgesehenen Serie des Unternehmens, hinterlässt zudem eine Lücke, die Netflix möglicherweise mit Inhalten von Warner Bros schließen will.

Die Übernahme der Streaming- und Studio-Assets von Warner Bros für 82,7 Milliarden US-Dollar würde Netflix eine wertvolle Content-Bibliothek verschaffen, die „Friends“, „Game of Thrones“ und „Harry Potter“ umfasst.

Netflix, das bislang weniger Blockbuster-Franchises als Konkurrenten wie Disney aufgebaut hat, könnte mit der kulturellen Strahlkraft dieser Titel eine neue Generation von Streaming-Spin-offs, Prequels und Sequels entwickeln. Investoren wollen wissen, wie das gelingen soll.

Das Gespräch mit Analysten am Dienstag wird das erste seit der Ankündigung des Deals am 5. Dezember sein.

„Die Quartalszahlen werden überschattet von dem, was Netflix über den Deal sagt … was als Nächstes kommt und welche Fragen sich daraus ergeben“, sagt Paolo Pescatore, Analyst bei PP Foresight.

Netflix befindet sich in einem erbitterten Wettstreit mit Paramount Skydance, das 108,4 Milliarden US-Dollar für ganz Warner Bros Discovery geboten hat, inklusive Kabelgeschäft, an dem Netflix kein Interesse hat.

Das Rennen dürfte sich über Monate hinziehen, da beide Unternehmen versuchen, die Investoren zu überzeugen. Laut Reuters plant Netflix, sein Bar-und-Aktien-Angebot in ein reines Barangebot umzuwandeln. Auch eine strenge regulatorische Prüfung in den USA und Europa ist wahrscheinlich.

Mit dem Kauf von Warner Bros wäre Netflix mit etwa 428 Millionen Abonnenten mit Abstand der größte globale Streaming-Anbieter. Investoren wollen wissen, warum das nicht gegen Kartellregeln verstößt – Netflix sieht sich im Wettbewerb mit YouTube, dem meistgesehenen TV-Anbieter in den USA, doch Regulierungsbehörden könnten skeptisch sein, wie Reuters berichtet.

Die Unsicherheit über den Ausgang hat den Druck auf die Netflix-Aktie erhöht, die seit vier Monaten fällt und mit einem Minus von 6% schwach ins Jahr 2026 gestartet ist. Fast ein Drittel der Analysten hat seit der Deal-Ankündigung die Kursziele gesenkt.

Der Vorteil der HBO-Übernahme für Netflix besteht darin, die Abonnentenzahlen zu stabilisieren, unabhängig davon, ob die Dienste getrennt oder zusammengeführt werden. Netflix hat die branchenweit niedrigste Kündigungsrate und könnte Nutzerverluste bei HBO Max durch Paketangebote und den Einsatz seiner Empfehlungs-Engine eindämmen – weitere Pläne könnte das Unternehmen nach den Ergebnissen vorstellen.

LIVE-EVENTS TREIBEN UMSATZ AN

Was die aktuellen Zahlen betrifft, erwarten Analysten, dass Live-Events eine zentralere Rolle beim Umsatzwachstum spielen, indem sie Zuschauer anziehen und binden.

Das Spiel Detroit Lions gegen Minnesota Vikings am ersten Weihnachtstag auf Netflix stellte Rekorde auf und wurde zum meistgestreamten Spiel der US-Profiliga. Kürzlich erweiterte der Anbieter zudem seine WWE-Rechte in den USA um das historische Archiv.

Der Gesamtumsatz stieg von Oktober bis Dezember voraussichtlich um 16,82% auf 11,97 Milliarden US-Dollar, etwas langsamer als das Wachstum von 17,2% im Vorquartal, wie von LSEG erhobene Daten zeigen.

Analysten erwarten für Netflix im Jahr 2026 ein Umsatzwachstum von etwa 13%.

Obwohl das Unternehmen seit einem Jahr keine Abonnentenzahlen mehr veröffentlicht, schätzt Visible Alpha Nettozuwächse von rund 10 Millionen und damit über 327 Millionen Nutzer zum Jahresende.