Das Ziel: Der Handel soll künftig 23 Stunden am Tag und an fünf Tagen pro Woche möglich sein. Das klassische Zeitfenster von 9:30 bis 16:00 Uhr hätte damit ausgedient. Stattdessen sieht der neue Plan eine „Tagessession“ von 4 Uhr morgens bis 20 Uhr abends vor, gefolgt von einer kurzen technischen Pause von einer Stunde, bevor es mit der „Nachtsession“ von 21 Uhr bis 4 Uhr weitergeht. Falls die Regulierungsbehörde grünes Licht gibt, könnte dieses Börsenmarathon-Experiment in der zweiten Jahreshälfte 2026 starten. Die Nasdaq hatte ihre Pläne bereits kommuniziert – und ist damit nicht allein: Auch NYSE und CBOE prüfen längere Handelszeiten.
Antwort auf steigenden Konkurrenzdruck
Damit reagiert die Nasdaq auf eine ungebrochene Nachfrage: Das globale Interesse an amerikanischen Aktien ist enorm. 17.000 Milliarden US-Dollar an US-Aktien werden mittlerweile von ausländischen Investoren gehalten – zu groß, um sich nur nach der Zeitzone von New York zu richten. Bislang mussten Nachtschwärmer und Anleger aus Asien oder Europa auf alternative Handelsplattformen (ATS) ausweichen, um außerhalb der offiziellen Börsenzeiten zu handeln. Künftig möchte die Nasdaq diese Ströme direkt auf die eigene Plattform lenken – so könnten Anleger beispielsweise um drei Uhr morgens in Paris oder Tokio sofort auf aktuelle Nachrichten reagieren, ohne auf das Läuten der Börsenglocke warten zu müssen. Der Betreiber positioniert sich damit wohl auch im Hinblick auf neue Tokenisierungsprojekte oder den potenziellen Wettbewerb durch Wettplattformen wie Polymarket oder Kalshi.
Frühestens Ende 2026
Allerdings sollte man den Wecker noch nicht neu stellen, denn zunächst stehen noch administrative Hürden an. Der Erfolg der Operation hängt maßgeblich von der Modernisierung der Abwicklungsinfrastruktur ab, für die die DTCC zuständig ist – und diese wird voraussichtlich erst Ende 2026 bereit sein. Außerdem reagieren die großen Wall-Street-Banken bislang eher verhalten. Sie befürchten eine Verwässerung der Liquidität, erhöhte Volatilität zu ungewöhnlichen Handelszeiten und wohl auch steigende Betriebskosten, weil das Licht rund um die Uhr brennen muss. Nun liegt der Ball bei der SEC.




















