In New York notiert WTI-Rohöl bei rund 96 Dollar je Barrel, Brent liegt über 104 Dollar. Das ist zwar etwas unter den Höchstständen der vergangenen Wochen, aber nur geringfügig. Würden Investoren ernsthaft an ein Abflauen der Krise glauben, müssten die Ölpreise deutlich stärker fallen. Stattdessen verharren sie auf hohem Niveau – ein Hinweis darauf, dass die Marktteilnehmer weiterhin ein erhebliches Risiko einer erneuten Eskalation sehen.

Für Trump steht viel Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Er folgt erneut einem bekannten Muster: ein hartes Ultimatum setzen, dann zurückrudern und Zeit gewinnen. Zu Beginn der Krise konnten Investoren dieses Vorgehen noch als eine Art Drehbuch interpretieren – drohen, zurückweichen, stabilisieren. Einige richteten ihre Handelsstrategien sogar danach aus. Doch dieses Muster funktioniert nur, solange die Märkte glauben, dass das Weiße Haus die Lage unter Kontrolle hat. Dieses Vertrauen schwindet.

Der gestrige Handel machte das deutlich. An der Wall Street kam es zu starken Schwankungen, während Investoren versuchten, widersprüchliche Signale einzuordnen. Kurzzeitig keimte Hoffnung auf, nachdem die iranische Antwort auf den 15-Punkte-Plan der USA zumindest andeutete, dass indirekte Gespräche noch möglich sind. Trump dämpfte diese Zuversicht jedoch, indem er erklärte, Iran wolle unbedingt ein Friedensabkommen, während Washington sich nicht sicher sei, ob es eines wolle. Eine bemerkenswerte Botschaft mitten in einem durch den Krieg ausgelösten Ölpreisschock: vielleicht wollen wir eine Einigung, vielleicht auch nicht. Es überrascht wenig, dass die Märkte zunehmend Vertrauen verlieren.

Zum Handelsschluss zeigte sich das Ausmaß der Belastung. Am Donnerstag verloren sowohl der S&P 500 als auch der Dow Jones jeweils mehr als 1 %. Der Nasdaq schloss mehr als 10 % unter seinem Rekordhoch und bestätigte damit eine Korrektur. Der technologielastige Nasdaq 100 fiel um 2,5 %, belastet nicht nur durch die allgemeine, vom Ölpreis getriebene Verkaufswelle, sondern auch durch einen separaten Einbruch bei großen Technologie- und Social-Media-Werten. Meta verlor 8 %, nachdem zwei bedeutende Haftungsverfahren im Zusammenhang mit den Auswirkungen sozialer Medien auf jüngere Nutzer verloren gingen. Nvidia büßte 4,2 % ein, Micron 7 % und Applied Materials 8,3 %. Auch Europa zeigte sich schwach: Der STOXX Europe 600 gab um 1,1 % nach, der CAC 40 verlor 1 % und der DAX fiel um 1,5 %.

Die heutigen Futures deuten nicht auf eine schnelle Erholung hin. Die Dow-Futures liegen 0,3 % im Minus, die S&P-500-Futures 0,4 % und die Nasdaq-100-Futures 0,7 %. Grundsätzlich entwickelt sich dieser Konflikt kurzfristig zu einer klassischen Lose-lose-Situation. Die USA mögen militärische Stärke demonstriert haben, Iran konventionelle Schäden erlitten haben – doch Strategie bemisst sich nicht nur daran, wer die härteren Schläge austeilen kann, sondern auch daran, wer am Ende mit mehr Einfluss dasteht. Und hier fällt die Bilanz für Washington weniger günstig aus.

Die geografische Lage Irans verschafft dem Land Einfluss über die Straße von Hormus, einen der wichtigsten Engpässe im globalen Ölhandel. Dieser Hebel hat in diesem Krieg zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Einige Analysten halten es inzwischen für möglich, dass Teheran militärisch geschwächt, wirtschaftlich und politisch in einem zentralen Punkt jedoch gestärkt aus dem Konflikt hervorgeht: seiner Fähigkeit, der Weltwirtschaft dauerhaft Kosten aufzuerlegen. Selbst die Einführung einer permanenten Transitgebühr wird im Zuge der Verhandlungen diskutiert. Genau dieses Szenario widerspricht eigentlich dem ursprünglichen Ziel der USA – und genau deshalb wirkt es so problematisch.

Vor diesem Hintergrund beruhigen Trumps wiederholte Fristverlängerungen die Investoren nicht. Es geht nicht nur um die Frage, ob er angreift, sondern ob die USA überhaupt noch einen klaren Weg zu einem Ergebnis haben, das als Erfolg gelten kann. Eine Kampagne kann taktisch erfolgreich sein und strategisch dennoch scheitern – ein durchaus vertrautes Muster. Diese Unsicherheit prägt die Entscheidungsfindung in Washington: Das Pentagon prüft laut einem Bericht des Wall Street Journal unter Berufung auf mit der Planung vertraute Beamte des Verteidigungsministeriums die Entsendung von bis zu 10.000 zusätzlichen Bodentruppen in den Nahen Osten. Ziel ist es, Donald Trump mehr militärische Optionen zu verschaffen, während er gleichzeitig Friedensgespräche mit Teheran erwägt.

Unterdessen dominieren große Technologiekonzerne und andere Schwergewichte der Wirtschaft die Schlagzeilen des Tages. Apple erwägt Berichten zufolge, Siri für konkurrierende KI-Systeme zu öffnen, überarbeitet Teile seiner Hardware-Strategie und bemüht sich zugleich, wichtige Ingenieure zu halten. Microsoft soll in seinen zentralen Cloud- und Vertriebseinheiten einen Einstellungsstopp verhängen. Das noch junge Werbegeschäft von OpenAI hat bereits ein annualisiertes Umsatzniveau von über 100 Millionen Dollar erreicht. Amazon führt Gespräche mit American Airlines über eine verbesserte Konnektivität an Bord, während Micron angeblich eine Übernahme eines Werks von Japan Display prüft. Nvidia steht weiterhin im Fokus wegen möglicher Umgehungen von Exportbeschränkungen für KI-Chips nach China, und Huaweis neuester KI-Chip soll leistungsfähig genug sein, um geplante Bestellungen von ByteDance und Alibaba anzuziehen. Netflix hat unterdessen die Abonnementpreise in den USA angehoben.