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Siemens sieht Zugverkehr Ende 2021 wieder in der Spur

02.10.2020 | 10:32
The Siemens logo is seen near a building in Siemensstadt in Berlin

Die Siemens-Zugsparte Mobility will sich vom Einbruch des Bahnverkehrs in der Coronakrise nicht aus der Spur bringen lassen.

"Wir werden unser Margenband wegen Corona nicht ändern", sagte der Chef von Siemens Mobility, Michael Peter, am Mittwochabend im Club Wirtschaftspresse in München. Die Sparte hat sich eine operative Umsatzrendite von neun bis zwölf Prozent vorgenommen. Im dritten Quartal 2019/20 (Ende September) blieb sie mit sieben Prozent aber unterhalb ihrer Zielmarke - "zum ersten Mal seit 26 Quartalen", wie Peter betonte.

"Ich glaube weiter an den Bahn-Markt. Der Flugzeugmarkt wird es weit schwerer haben, zurückzukommen", sagte der 54 Jahre alte Manager, der die Siemens-Tochter nach dem Abgang von Co-Chefin Sabrina Soussan allein führt. Derzeit meiden viele Fahrgäste aus Angst vor einer Ansteckung Massenverkehrsmittel. Peter rechnet erst im zweiten Halbjahr 2021 damit, dass die Fahrgastzahlen in Zügen, U- und Straßenbahnen sich normalisieren. Auch der Trend zum Home Office werde die Nachfrage nach Nahverkehrszügen nicht bremsen, aber zu weniger überfüllten Zügen führen. "Die Auslastung wird konstanter sein, besser über den Tag verteilt."

Die Fusion der beiden Konkurrenten Alstom und Bombardier nimmt Peter gelassen. "Wir werden in den nächsten drei Jahren sicher die Chance haben, Marktanteile zu gewinnen, weil so eine Fusion auch Kraft kostet", Alstom und Bombardier seien nun erstmal mit sich selbst beschäftigt. Er verwies darauf, dass Siemens Mobility seit dem Scheitern der geplanten Übernahme von Alstom stark gewachsen sei: Siemens und Alstom hätten vor zwei Jahren einen Umsatz von 16 Milliarden Euro angepeilt - im Geschäftsjahr 2018/19 habe Siemens allein bei einem Auftragseingang von 13 Milliarden gestanden.

Peter kritisierte die Auflagen, die die EU-Kommission den beiden Rivalen für die Fusion gemacht hat, als zu gering. Bei der Genehmigung habe sicher auch die prekäre Lage von Bombardier eine Rolle gespielt. Der kanadische Mutterkonzern kämpft ums finanzielle Überleben. Siemens hatte die EU zuvor die Übernahme von Alstom untersagt, vor allem wegen der starken Stellung in der Signaltechnik und bei Hochgeschwindigkeitszügen wie dem ICE. Ein Börsengang für Siemens Mobility steht für Peter nicht auf der Tagesordnung. Auch für den neuen Vorstandschef Roland Busch gehöre die Sparte zum industriellen Kern. "Wir fühlen uns wohl bei Siemens", betonte Peter.

Siemens hatte bei den EU-Wettbewerbshütern vergeblich mit der drohenden Konkurrenz durch den chinesischen Branchenriesen CRRC argumentiert. "Wir sehen natürlich die chinesische Bedrohung", sagte Peter. CRRC tue sich aber schwer in Europa, weil die Schienenverkehrs-Systeme von Land zu Land unterschiedlich seien.

(Reporter: Alexander Hübner; redigiert von Olaf Brenner; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die Redaktionsleitung unter den Telefonnummern 030 2201-33702 (für Unternehmen und Märkte) oder 030 2201-33711 (für Politik und Konjunktur)


© Reuters 2020
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