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Schwache China-Daten machen Europas Börsen zu schaffen

18.10.2021 | 14:01
ARCHIV: DAX-Logo auf dem Handelsparkett der Deutschen Börse in Frankfurt, Deutschland, 29. Dezember 2017. REUTERS/Ralph Orlowski

Frankfurt (Reuters) - Die Abkühlung der Konjunktur beim wichtigen Handelspartner China drückt bei Anlegern in Europa auf die Stimmung.

Dax und EuroStoxx50 fielen am Montag um jeweils etwa ein halbes Prozent auf 15.504 beziehungsweise 4152 Punkte.

Das Wirtschaftswachstum in China verlangsamte sich im abgelaufenen Quartal binnen Jahresfrist auf 4,9 Prozent, den niedrigsten Wert seit einem Jahr. Zum Frühjahr legte es nur noch um magere 0,2 Prozent zu Vor diesem Hintergrund erschienen die Prognosen für ein Plus von rund sechs Prozent im Gesamtjahr als zu optimistisch, sagte Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Auch NordLB-Analyst Bernd Krampen setzte hinter diesen Wert ein Fragezeichen. Die Schuldenkrise des Immobilienkonzerns China Evergrande und die steigenden Energiekosten bremsten die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft zusätzlich aus.

Anleger warfen vor allem europäische Luxusgüter-Hersteller aus ihren Depots, für die China ein wichtiger Absatzmarkt ist. Die Aktien von LVMH, Kering und Richemont verloren bis zu 2,8 Prozent.

BILANZSAISON GIBT HOFFNUNG - BRENT AUF DREI-JAHRES-HOCH

Dank bislang überzeugender Firmenbilanzen seien für die Börsen insgesamt aber keine größeren Kursrücksetzer zu erwarten, sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus RoboMarkets. In der laufenden Woche richte sich die Aufmerksamkeit unter anderem auf die Zahlen der Online-Videothek Netflix, den IT-Riesen IBM und den Chip-Hersteller Intel. "Aber auch Industriewerte öffnen ihre Bücher. Hier dürfte der Fokus vor allem auf der Frage liegen, wie sie mit andauernden Lieferengpässen und steigenden Energiepreisen zurechtkommen."

Letztere zogen erneut an. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee legte bis zu 1,4 Prozent zu und war mit 86,04 Dollar je Barrel (159 Liter) so teuer wie zuletzt vor drei Jahren. Dies hievte den Index für die europäische Öl- und Gasbranche auf ein 20-Monats-Hoch von 295,70 Punkten. Mit dem kühleren Wetter auf der Nordhalbkugel werde sich das Angebotsdefizit verschärfen, prognostizierte Analyst Edward Moya vom Brokerhaus Oanda. Außerdem wechselten Stromversorger verstärkt zu Erdöl als Energieträger, da Kohle und Gas sehr teuer seien. Gleichzeitig gebe es kaum Aussicht auf eine Ausweitung der Fördermengen durch die Opec+ oder die USA.

ANLEGER HOFFEN AUF HANDELSSTART FÜR BITCOIN-ETF IN USA

Am Kryptowährungsmarkt fieberten Investoren dem Handelsstart des ersten börsennotierten Bitcoin-Fonds (ETF) in den USA entgegen. Dies hielt den Kurs der Cyber-Devise mit 61.305 Dollar in Schlagdistanz zu seinem Rekordhoch von knapp 65.000 Dollar vom April. Sofern die US-Börsenaufsicht SEC nicht in letzter Minute einschreitet, könnte der ProShares Bitcoin Strategy ETF ab Dienstag gehandelt werden. Das sei zwar ein Schritt vorwärts für Kryptowährungen, aber kein Wendepunkt, sagt Chris Weston, Chef-Analyst des Brokerhauses Pepperstone. Schließlich liege vor den Behörden noch eine Menge Regulierungsarbeit für diese relativ neue Anlageklasse.

Gleichzeitig taumelte die türkische Lira weiter von einem Rekordtief zum nächsten. Im Gegenzug stiegen Dollar und Euro auf 9,2932 beziehungsweise 10,7726 Lira. Es sei gleichgültig, wie stark die türkische Zentralbank bei ihrer für Donnerstag erwarteten Zinssenkungen den Schlüsselsatz herunterschraube, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Die Message wird klar sein: Die TCMB nimmt keine Rücksicht mehr auf die Folgen ihrer Zinspolitik für Wechselkurse, Inflation und letztendlich für die Stabilität der türkischen Volkswirtschaft." Denn die Entscheidung über die Geldpolitik fälle allein Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, ein erklärter Gegner hoher Zinsen.


© Reuters 2021
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