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Mögliche Corona-Impfung rückt näher - aber viele Fragen offen

23.10.2020 | 16:28

BERLIN (dpa-AFX) - In Russlands Hauptstadt Moskau sollen schon zwischen Dezember und Januar Massenimpfungen gegen Corona beginnen, kündigte der Moskauer Bürgermeister vor ein paar Tagen an. US-Präsident Donald Trump spricht von ein paar Wochen, in denen ein Impfstoff in den USA zur Verfügung stehen werde. Auch in Deutschland laufen die Vorbereitungen. Einige Fragen zum Stand der Dinge:

Wann könnte ein Impfstoff in Deutschland zur Verfügung stehen?

Die Bundesregierung bleibt offiziell bei ihrer Ansage, dass es mit ersten Impfungen im ersten Quartal des kommenden Jahres losgehen könnte. Es könne aber immer auch Rückschläge bei der Forschung geben, heißt es auch. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll nach einem "Bild"-Bericht in einer Schalte mit seinen Länderkollegen Anfang der Woche erklärt haben, die Zulassung eines Impfstoffs könnte sogar noch vor Ende des Jahres passieren. Bestätigt wird diese Äußerung nicht. Der "Spiegel" zitiert ihn in seiner neuen Ausgabe mit den Worten, es könne Januar sein, vielleicht auch Februar oder März - oder sogar noch später.

Die erklärte Devise der deutschen Regierung ist: Wir wollen nicht per se die Ersten sein. Der Impfstoff muss ausreichend getestet und sicher sein, sonst haben die Leute kein Vertrauen. Das Robert Koch-Institut rechnet 2021 mit der Zulassung eines Impfstoffs.

Wer kommt zuerst dran?

Schon aus Kapazitätsgründen - es werden nicht auf einen Schlag zig Millionen Impfdosen für alle zur Verfügung stehen - muss eine Auswahl stattfinden. Kriterien für eine solche Priorisierung erarbeiten momentan der Deutsche Ethikrat, die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission. Bis Ende nächster Woche sollen die Vorschläge vorliegen.

Wahrscheinlich werden Impfungen zuerst für Bevölkerungsgruppen angeboten, die ein höheres Risiko haben, sich anzustecken oder schwer zu erkranken. Das sind zum Beispiel Beschäftigte im Gesundheitswesen und Ältere, Kranke und Menschen mit Vorerkrankungen. Ab Mitte nächsten Jahres könnten dann breite Teile der Bevölkerung geimpft werden, heißt es bisher von der Regierung.

Sind die nächsten Sommerferien also gerettet?

Sprunghaft zurück zum gewohnten Vor-Corona-Alltag wird es wohl nicht gehen. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hatte Anfang des Monats im "Spiegel" sehr vorsichtig davon gesprochen, dass mit einem Impfstoff die Hoffnung bestehe, "dass wir im nächsten Jahr schrittweise den Alltag normalisieren können". Nach Einschätzung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wird es noch bis Ende 2022 dauern, bis regelmäßig und wirksam geimpft werden kann, so dass die Gesellschaft im Ganzen geschützt ist.

Zu viele Fragen sind noch offen: Werden sich überhaupt genug Leute impfen lassen? Und wie oft muss geimpft werden, bis ein echter Schutz da ist? Um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, müssten sich in Deutschland nach Einschätzung des Gesundheitsministeriums 55 bis 65 Prozent der Bürger eine Impfung abholen.

Ist diese Bereitschaft vorhanden?

Im ARD-"Deutschlandtrend" gaben Anfang August 40 Prozent an, dass sie sich auf jeden Fall impfen lassen würden. 30 Prozent sagten, dass sie das wahrscheinlich tun würden. Eine Befragung des Hamburg Center for Health Economics (HCHE) im September hatte eine Impfbereitschaft von etwas mehr als 50 Prozent festgestellt. Einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Appinio von Anfang Oktober zufolge würden sich 63 Prozent eher bis sehr wahrscheinlich impfen lassen, sobald ein Impfstoff bereitsteht.

Wird es eine Impfpflicht geben?

Die Frage wird Spahn seit Monaten immer wieder gestellt und er gibt immer dieselbe Antwort: Nein. "Es wird keine Impfpflicht geben", sagte er jetzt noch einmal dem "Spiegel". Überzählige Impfdosen gegen das Coronavirus will er demnach auch an andere Länder weitergeben. "Wir sichern uns deutlich mehr Impfstoff, als wir brauchen werden", sagte er.

Was hat es mit den geplanten Impfzentren auf sich?

Nach einem "Bild"-Bericht sollen bundesweit 60 solche Zentren entstehen. Im Gespräch ist schon länger etwa die Nutzung von Messehallen. Hintergrund ist unter anderem die Beschaffenheit der erwarteten Impfstoffe. Diese müssen nach Angaben des Gesundheitsministers wahrscheinlich bei minus 20 bis minus 70 Grad transportiert und gelagert werden. Dafür braucht es Kühlgeräte, die auch groß genug sein müssen, weil die Stoffe in "größeren Gebinden" kämen.

Wie wirksam kann oder wird ein Impfstoff überhaupt sein?

Wunder darf keiner erwarten. Bei der Wirksamkeit gehe es darum, dass die Impfstoffe in der Lage seien, die schwere Covid-19-Krankheit zu verhindern. Das seien die primären Ziele, hatte der Präsident des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek, im September gesagt. "Natürlich wäre es das Beste, ein Impfstoff würde Neuinfektionen verhindern. Aber es wäre auch schon ein Gewinn, wenn er den Krankheitsverlauf milder macht", so Spahn im "Spiegel"./jr/DP/nas


© dpa-AFX 2020
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