Der für Migration zuständige EU-Kommissar sowie Minister aus Italien, Malta und Griechenland wurden am Dienstag an der Einreise in den Osten des geteilten Libyens gehindert, da sie laut der in Bengasi ansässigen Regierung die ,,libysche nationale Souveränität missachtet" hätten.

Die Delegation war nach einem Treffen mit der rivalisierenden, international anerkannten Regierung im Westen Libyens nach Bengasi gereist, um sich mit der Parallelregierung von Osama Hamad zu treffen, die mit Militärkommandant Khalifa Haftar verbündet ist und den Osten sowie große Teile des Südens des Landes kontrolliert.

Zur Delegation gehörten der EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, der griechische Minister für Migration und Asyl, Thanos Plevris, der italienische Innenminister Matteo Piantedosi sowie der maltesische Innenminister Byron Camilleri.

Die in Bengasi ansässige Regierung teilte mit, der Besuch sei bei Ankunft der Delegation am Flughafen Bengasi abgesagt worden. Die Minister seien daraufhin zu ,,persona non grata" erklärt und aufgefordert worden, das libysche Staatsgebiet umgehend zu verlassen.

Vertreter der europäischen Delegation reagierten zunächst nicht auf Anfragen von Reuters zu einer Stellungnahme.

Die Regierung Hamad hatte bereits am Montag erklärt, dass alle ausländischen Besucher und diplomatischen Missionen Libyen nicht betreten oder sich im Land bewegen dürfen, ohne zuvor ihre ausdrückliche Genehmigung eingeholt zu haben.

Zuvor am selben Tag hatte die EU-Delegation in Tripolis mit der von den Vereinten Nationen anerkannten Regierung von Abdulhamid Dbeibah Gespräche über die Migrationskrise geführt, bevor sie nach Bengasi weiterflog.

Seit dem Sturz des Diktators Muammar Gaddafi im Jahr 2011 infolge eines von der NATO unterstützten Aufstands ist Libyen zu einer wichtigen Transitroute für Migranten geworden, die vor Konflikten und Armut nach Europa über das Mittelmeer fliehen. Seit 2014 ist das Land durch innerstaatliche Konflikte gespalten.

Dbeibah erklärte während des Treffens, er habe sein Innenministerium beauftragt, einen nationalen Plan zur Bewältigung der Migration zu entwickeln, ,,basierend auf praktischer Zusammenarbeit mit Partnern und dem klaren politischen Willen, nachhaltige Lösungen zu schaffen".