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Lagarde erwartet abflauende Inflation - Ausblick nicht in Stein gemeißelt

21.01.2022 | 15:56
ARCHIV: Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde bei einer Pressekonferenz im Anschluss an eine Sitzung des EZB-Rates zur Geldpolitik der Eurozone in Frankfurt am Main, Deutschland, 16. Dezember 2021. Thomas Lohnes/Pool vi

Berlin/Washington/Tokio (Reuters) - Die EZB ist laut ihrer Chefin Christine Lagarde trotz der Erwartung abflauender Inflation grundsätzlich offen für einen geldpolitischen Kurswechsel.

Derzeit sei aber nicht absehbar, dass die Inflation über eine Lohn-Preis-Spirale außer Kontrolle gerate, sagte sie am Freitag auf dem Online-Forum "Davos Agenda". Die EZB gehe davon aus, dass die starke Teuerung schrittweise zurückgehen werde. "Doch das bedeutet nicht, dass wir nicht offen sein müssten für Änderungen am Inflationsausblick."

Die Geldpolitik sei abhängig von der Datenlage. Bereits im März stünden neue Projektionen der EZB-Volkswirte an. "Das könnte anders aussehen", sagte die Französin. Wenn es so käme, müsse sich die EZB ihren Fahrplan für das weitere geldpolitische Vorgehen anschauen. Jedenfalls werde sich die EZB nach dem Ende der Anleihenzukäufe auch andere Instrumente anschauen - Zinserhöhungen gehörten dazu. Lagarde hat allerdings immer wieder betont, dass eine Anhebung im laufenden Jahr sehr unwahrscheinlich sei.

Angetrieben von hohen Energiekosten ist die Inflation in der Euro-Zone zuletzt auf 5,0 Prozent gestiegen. Die Teuerungsrate liegt nun weit mehr als doppelt so hoch wie das Ziel der EZB, die mittelfristig eine Rate von 2,0 Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft anpeilt. Die Währungshüter sind mit Blick auf den Inflationsausblick intern uneins. Wie aus den Protokollen der Zinssitzung vom Dezember hervorgeht, kreiste die Diskussion darum, ob sich die Teuerungsphase länger als erwartet hinziehen könnte. Die EZB-Ökonomen sagten in den Dezember-Projektionen für 2022 eine durchschnittliche Inflationsrate in der Währungsunion von 3,2 Prozent voraus. 2023 soll sie dann auf 1,8 Prozent fallen und 2024 auf diesem Niveau verharren.

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa sagte auf dem Online-Forum, es sei wichtig, dass Währungshüter ihre geldpolitische Linie an den Daten ausrichteten und klar kommunizierten. Sie glaube, dass sich auch die US-Notenbank Fed der Gratwanderung bewusst sei, die sie im Kampf gegen die Inflation und zum Erhalt der Konjunkturerholung zu bewältigen habe. Eine Straffung der Geldpolitik könne Probleme in Ländern auslösen, die hochgradig in Dollar verschuldet seien. Auch könne die ohnehin schwache Erholung in einigen Staaten durch eine straffere Linie der Fed weiter gedämpft werden.

Dessen ist sich auch die Führung in Peking bewusst. Chinas Präsident Xi Jinping warnte jüngst, falls Industrieländer geldpolitisch auf die Bremse treten oder gar eine Wende vollziehen sollten, komme es zu negativen Folgen für die weltweite Wirtschafts- und Finanzstabilität: "Und Entwicklungsländer würden die Hauptlast tragen.

"KEINE ANGST VOR INFLATION" IN JAPAN

Beobachter erwarten für die am Mittwoch endende zweitägige Sitzung der Fed wichtige Weichenstellungen für wohl im März anstehende Zinswende. Die Finanzmärkte rechnen mit bis zu vier Schritten nach oben im laufenden Jahr. Die Währungshüter sind mit einer Teuerungsrate von zuletzt 7,0 Prozent konfrontiert.

In Japan ist die Lage an der Preisfront wesentlich entspannter: Der landesweite Kern-Verbraucherpreisindex stieg im Dezember um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit ist das Ziel der Notenbank noch in weiter Ferne. Zentralbankchef Haruhiko Kuroda sagte auf dem Davos-Forum, die Geldpolitik bleibe extrem konjunkturstimulierend: "Wir haben keine Angst vor Inflation, da die Inflation so niedrig ist."


© Reuters 2022
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