Bogota (Reuters) - Der ehemalige Guerillakämpfer Gustavo Petro läutet als erster linksgerichteter Präsident Kolumbiens eine Wende in dem südamerikanischen Land ein.

"Ich will keine zwei Länder, genauso wenig wie ich zwei Gesellschaften will. Ich will ein starkes, gerechtes und geeintes Kolumbien", sagte ein emotionaler Petro bei seiner Vereidigung in der Hauptstadt Bogota am Sonntag. Seine Antrittsrede wurde über Großbildleinwände landesweit ausgestrahlt, Tausende von Anhängern feierten auf der Bolivar Plaza und im ganzen Land. Das ehemaliges Mitglied der Guerillabewegung M-19 kündigte an, das polarisierte Land im Kampf gegen Ungleichheit und Klimawandel zu einen und Frieden mit linken Rebellen und organisierter Bandenkriminalität zu schließen. "Die Herausforderungen und Prüfungen, die wir als Nation zu bestehen haben, erfordern eine Ära der Einheit und des Grundkonsenses", erklärte Petro.

Der neue Präsident will die gescheiterten Friedensverhandlungen mit den Rebellen der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) wiederbeleben und sagt Farc-Kämpfern im Gegenzug für Informationen Strafmilderung zu. "Wir rufen alle Bewaffneten auf, ihre Waffen im Staub der Vergangenheit zu lassen. Akzeptieren Sie legale Vorteile im Austausch für den Frieden und die endgültige Abschaffung der Gewalt", sagte Petro. Auf seiner Prioritätenliste steht zudem die Bekämpfung des Hungerproblems in dem 50 Millionen Einwohner zählenden Land, in dem fast die Hälfte der Bevölkerung in Armut lebt. Der neue Finanzminister Jose Antonio Ocampo wird dem Kongress am Montag eine Steuerreform im Umfang von 5,8 Milliarden Dollar vorschlagen, die eine Erhöhung der Abgaben für Großverdiener vorsieht, um Sozialprogramme zu finanzieren. Zudem soll der Zugang zu Bildung erleichtert werden und das Gesundheitssystem reformiert werden.

Petro hat eine breite Mehrheit im Parlament aus linken und zentristischen Parteien, um den wirtschaftlichen und sozialen Wandel in dem von Unruhen und Drogenproblemen geprägten Andenland einzuleiten.

(Bericht von Luis Jaime Acosta, Nelson Bocanegra und Julia Symmes Cobb, geschrieben von Katharina Loesche. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)