News: Aktuelle News
Aktuelle NewsUnternehmenMärkteWirtschaft & ForexRohstoffeZinssätzeBusiness LeadersInstitutionelle AnlegerTermineSektoren 
Alle NewsWirtschaftDevisen & ForexKryptowährungenCybersicherheitPressemitteilungen

Fed signalisiert Zinswende im März - Bilanzabbau soll folgen

27.01.2022 | 07:27
ARCHIV: Die Rückseite des ersten US-Präsidenten George Washington auf einer Gravurplatte für eine Ein-Dollar-Note im Bureau of Engraving and Printing in Washington, 14. November 2014. REUTERS/Gary Cameron

- von Howard Schneider und Ann Saphir und Reinhard Becker

Washington/Berlin (Reuters) - Angesichts hoher Inflation will die US-Notenbank Fed rasch die Zinswende einleiten und danach die aufgeblähte Bilanz eindampfen.

Sie erklärte am Mittwoch nach der geldpolitischen Sitzung, eine Erhöhung der Zinsen sei bald angebracht. Laut Notenbankchef Jerome Powell stehen die Währungshüter für eine Straffung im März bereit, wenn es die Bedingungen erfordern. Weitere Anhebungen im Laufe des Jahres dürften folgen. Es gebe "ziemlich viel Spielraum" zur Straffung, ohne die Erholung am Arbeitsmarkt zu gefährden. Einstweilen beließ die Fed den Schlüsselsatz noch in der Spanne von null bis 0,25 Prozent.

Zugleich will sie Anfang März den Zukauf von Wertpapieren beenden. Dies gilt als Voraussetzung für eine Zinserhöhung. Diese Aussicht gab dem Dollar Auftrieb, während die Wall Street im Minus schloss. Die Fed könnte den geldpolitischen Schlüsselsatz nach Ansicht vieler Ökonomen im März um einen Viertel Prozentpunkt anheben. Doch sollte die Teuerung vorerst weiter anziehen, schließen manche Analysten auch eine Erhöhung um einen halben Punkt nicht aus: Dies wäre für die Fed ein sehr ungewöhnlicher Schritt, den es zuletzt im Mai 2000 gab.

LBBW-Ökonom Elmar Völker rechnet für März nur mit einer Straffung um einen Viertelpunkt, wobei bis Jahresende drei weitere Schritte im Quartalsrhythmus folgen sollten: "Ein Risiko, dass es sogar noch schneller nach oben geht, ist nicht von der Hand zu weisen, falls die Bedrohlichkeit der Inflationsaussichten weiter zunehmen sollte."

Die Fed sieht sich mit dem stärksten Inflationsdruck seit Anfang der 80er Jahre konfrontiert. Die Teuerungsrate ist mit zuletzt 7,0 Prozent sehr weit über das Ziel der Notenbank von 2,0 Prozent hinausgeschossen. Aus der Corona-Krise resultierende Materialengpässe und hohe Energiekosten treiben das Preisniveau nach oben. "Alles dreht sich um den Kampf gegen die Inflation und die Fed muss sich ins Zeug legen. Schließlich hinkt sie hinterher", warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com

POWELL BLEIBT VAGE

Die Fed will überdies ihre in der Krise auf fast neun Billionen Dollar aufgeblähte Bilanz abschmelzen. Dies bedeutet, dass die Notenbank den Finanzmärkten Liquidität entziehen wird. Eine Zäsur nach der Geldschwemme - dem Lebenselixier der Finanzmärkte in Zeiten der Virus-Krise. Einen prinzipiell ausgearbeiteten Plan für eine "beträchtliche Reduzierung" haben die Währungshüter demnach bereits in der Schublade. Laut Powell wird die Fed aber wohl noch mindestens zwei weitere Zinssitzungen benötigen, um die Pläne im Detail auszuarbeiten. Prinzipiell solle der Leitzins das "aktive Element" der Geldpolitik sein und der geplante Bilanzabbau eher "im Hintergrund" laufen, betonte Powell.

"SCHLAG AUF SCHLAG"

An der Wall Street machte sich Enttäuschung darüber breit, dass der Fed-Chef in dieser Hinsicht recht vage blieb: "Es gibt immer noch Unsicherheit in Bezug auf den Abbau der Wertpapierbestände", erklärte Russell Price, Chef-Volkswirt des Vermögensberaters Ameriprise. "Ab spätestens Herbst wird die Bilanz geschrumpft", meint Ökonom Bastian Hepperle von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. Auch wenn es "Schlag auf Schlag" vorangehe, verbleibe noch für lange Zeit viel Liquidität im Finanzsystem.

Angesichts der nahenden Zinswende und dem geplanten Fed-Bilanzabbau hatte sich an den Finanzmärkten zuletzt Nervosität breitgemacht. "Natürlich besteht die Angst vor einer harten Landung mit Aktien-Crash und globaler Finanzkrise. Diese Angst darf die Fed nicht lähmen. Denn wenn die Inflationserwartungen erst einmal dauerhaft steigen, wird alles noch schwieriger", meint Ökonom Friedrich Heinemann vom ZEW.


© Reuters 2022
Im Artikel erwähnte Wertpapiere
%Kurs01.01.
AMERIPRISE FINANCIAL, INC. -0.92%260.63 verzögerte Kurse.-13.60%
AUSTRALIAN DOLLAR / US DOLLAR (AUD/USD) -0.48%0.70695 verzögerte Kurse.-2.40%
BRITISH POUND / US DOLLAR (GBP/USD) -0.33%1.24978 verzögerte Kurse.-7.11%
CANADIAN DOLLAR / US DOLLAR (CAD/USD) -0.15%0.77854 verzögerte Kurse.-1.14%
EURO / US DOLLAR (EUR/USD) -0.60%1.0667 verzögerte Kurse.-6.03%
INDIAN RUPEE / US DOLLAR (INR/USD) -0.04%0.012903 verzögerte Kurse.-3.95%
NEW ZEALAND DOLLAR / US DOLLAR (NZD/USD) 0.20%0.64593 verzögerte Kurse.-5.73%
S&P 500 -0.81%3941.48 Realtime Kurse.-16.63%
Aktuelle Nachrichten "Wirtschaft & Forex"
12:53Kanadas Scotiabank, BMO übertreffen Gewinnschätzungen, da die Kreditvergabe stark bleibt
MR
12:52MÄRKTE EUROPA/Etwas fester bei ruhigem Geschäft
DJ
12:50EU-Kommission will Beschlagnahmung russischer Gelder ermöglichen
DJ
12:46Indische Aktien verlieren 3 Tage lang, da IT-Aktien den Markt belasten
MR
12:44Ostseerat - Baerbock will gemeinsamen Off-Shore-Windpark forcieren
RE
12:44Indiens Palmölimporte könnten wegen des Anstiegs von Sojaöl ein 11-Jahres-Tief erreichen
MR
12:42EU erwägt Umleitung von ungenutzter Entwicklungshilfe für Afrika zur Linderung der Nahrungsmittelkrise
MR
12:42PFLEGEBEITRÄGE :  Lauterbach sagt fristgerechte Umsetzung zu
DP
12:37EUROPA : Europas Börsen vor Fed-Protokollen im Krebsgang
RE
12:35DZ Bank plant wegen des Ukraine-Krieges vorsichtiger für 2022
DP
Aktuelle Nachrichten "Wirtschaft & Forex"