Deutliche Underperformance
Seit Jahresbeginn hinken defensive Sektoren der Entwicklung des S&P 500 oder des MSCI World deutlich hinterher.
So lieferte der MSCI World Health Care in den vergangenen Jahren nur schwache Resultate:
– 2024 ein Plus von 1,61 % gegenüber 19,19 % für den MSCI World,
– 2023 ein Zuwachs von 4,27 % gegenüber 24,42 % für den Gesamtindex
– und 2025 bislang ein Minus von 0,36 %, während der MSCI World 5,18 % zulegte.
Die Schwäche zeigt sich auch auf Einzeltitelebene: Schwergewichtige Komponenten im MSCI World Health Care mussten seit Jahresbeginn deutliche Verluste hinnehmen – Merck & Co und Thermo Fisher Scientific rund -20 %, Novo Nordisk etwa -30 % und UnitedHealth sogar -40 %.
Die Underperformance des Gesundheitssektors setzte im November 2023 ein, parallel zum Beginn der jüngsten Rallye bei MSCI World, S&P 500 und Nasdaq-100 – ein Trend, der sich in der folgenden Grafik deutlich zeigt:

Quelle: MarketScreener/ Zonebourse
Bewertungsdifferenzen und Anlegerpräferenzen
Die Performance-Divergenz spiegelt sich auch in der Bewertung wider. Hauptgrund ist die starke Neigung der Anleger zu wachstumsstarken Bereichen wie Technologie und künstliche Intelligenz – zulasten traditionell stabiler, aber weniger dynamischer Branchen.
Erschwerend hinzu kommt der Margendruck im Gesundheitssektor: Seit dem Hoch von 2022 ist die durchschnittliche Nettomarge von 11,5 % auf 8,4 % gesunken.

Quelle: Yardeni Research
In den USA ist der Bewertungsabschlag dieser defensiven Sektoren gegenüber dem S&P 500 historisch – eine vergleichbare Differenz war zuletzt im Jahr 2000 zu beobachten.

Quelle: Topdown Charts
Gründe für den Bewertungsabschlag
Mehrere Faktoren tragen zu dieser Unterbewertung bei:
Sektor-Rotation: Anleger bevorzugten in Zeiten wirtschaftlicher Expansion wachstumsorientierte Titel und kehrten defensiven Werten den Rücken.
Hohe Bewertungen in anderen Sektoren: Rekordhohe Bewertungen im Tech-Bereich lassen defensive Titel im relativen Vergleich günstig erscheinen.
Zinserwartungen: Die Aussicht auf länger anhaltend hohe Zinsen belastet zinssensitive Sektoren wie Versorger.
Potenzial für eine Trendwende
Trotz der schwachen Kursentwicklung sprechen mehrere Argumente für eine mögliche Rückkehr der defensiven Sektoren ins Rampenlicht:
Attraktive Bewertungen: Aktuell liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) defensiver Sektoren unter ihren historischen Durchschnittswerten und unterhalb des MSCI World:
– Gesundheitswesen: 19,93x
– Versorger: 16,14x
– Nicht-zyklischer Konsum: 22,15x
– MSCI World: 22,46x
Damit bieten diese Sektoren günstige Einstiegsniveaus für Anleger mit Fokus auf Stabilität und Ertrag.Unsicheres makroökonomisches Umfeld: Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und Inflationssorgen könnten die Nachfrage nach widerstandsfähigen Anlagen fördern.
Stabile Erträge und Dividenden: Defensive Unternehmen zeichnen sich in der Regel durch berechenbare Cashflows und konstante Dividendenzahlungen aus – ein wertvoller Anker in volatilen Marktphasen.
Der aktuelle Bewertungsabschlag defensiver Sektoren gegenüber dem S&P 500 ist Ausdruck einer Anlegerrotation hin zu wachstumsstarken Aktien. Doch angesichts attraktiver Bewertungen und wachsender wirtschaftlicher Unsicherheiten könnten Gesundheitswesen, Basiskonsumgüter und Versorger schon bald wieder verstärkt in den Fokus rücken – insbesondere für Investoren, die Wert auf Stabilität und verlässliche Erträge legen.
























