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Corona-Sorgen und Zweifel an US-Hilfspaket belasten Börsen

20.10.2020 | 14:10
A DAX logo is pictured at the trading floor of the stock exchange in Frankfurt

Frankfurt (Reuters) - Die immer weiter steigende Zahl von Corona-Infektionen setzt den europäischen Börsen zu.

"Sollte sich diese Dynamik nicht zeitnah legen, steigt die Wahrscheinlichkeit erneuter größerflächiger Lockdowns, wodurch auch wirtschaftlich Rückschläge drohen", warnte Carsten Mumm, Chef-Analyst der Privatbank Donner & Reuschel. Ermutigende Firmenbilanzen stützten die Kurse von Dax und EuroStoxx50 allerdings. Der deutsche Leitindex verlor bis zum frühen Dienstagnachmittag 0,4 Prozent auf 12.801 Punkte und sein pan-europäisches Pendant stagnierte bei 3241 Zählern.

Unterdessen schwanden die Hoffnungen, dass sich in den USA Demokraten und Republikaner im Tagesverlauf auf ein weiteres Konjunkturpaket einigen würden. Diese Frist hatte Nancy Pelosi, die Präsidentin des Repräsentantenhauses, gesetzt, damit die Hilfen noch vor der Präsidentschaftswahl in zwei Wochen verabschiedet werden könnten. "Für die Märkte müssten Weihnachten und Ostern schon zusammenfallen, dass in letzter Sekunde der große Wurf gelingt", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

ANALYSTEN LEGEN LATTE FÜR BILANZSAISON NIEDRIG

Die laufende Bilanzsaison habe dagegen das Potenzial, den Aktienmärkten Rückenwind zu verleihen, sagte Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Die Markterwartungen seien so gering, dass es vielen Firmen leicht fallen sollte, diese zu übertreffen.

Eine positive Überraschung lieferte unter anderem der Laborausrüster Sartorius, dessen Aktien zeitweise um gut sechs Prozent auf ein Rekordhoch von 396,60 Euro stiegen. Die Firma blickt nach einem Gewinnsprung dank kräftiger Nachfrage in der Corona-Pandemie optimistischer auf das Gesamtjahr. "Das ist die dritte Prognose-Anhebung in diesem Jahr und die Zahlen werden wohl weiter steigen", schrieb Analyst Scott Bardo von der Berenberg Bank. Die mittelfristigen Geschäftsziele des Unternehmen erschienen zunehmend konservativ.

In Zürich waren die Titel von Logitech mit 89,62 Franken zeitweise ebenfalls so teuer wie nie. Außerdem winkte ihnen mit einem Plus von rund 22 Prozent der größte Tagesgewinn der Firmengeschichte. Dank eines kräftigen Umsatz- und Gewinnanstiegs hob der Anbieter von Computer-Zubehör seine Gesamtjahresziele an. Es werde aber schwierig, dieses Wachstum im kommenden Jahr zu wiederholen, warnten die Analysten der Bank UBS.

RECKITT BENCKISER IM AUFWIND - PFUND STABIL

Gefragt waren auch die Titel von Reckitt Benckiser. Sie gehörten mit einem Kursplus von 1,7 Prozent zur Spitzengruppe im Londoner Auswahlindex FTSE. Das 13,3-prozentige Plus beim Quartalsumsatz auf umgerechnet 3,9 Milliarden Euro verdanke der Anbieter von "Sagrotan" und "Calgon" dem Wachstum bei Hygiene-Produkten, kommentierte Analyst Martin Deboo von der Investmentbank Jefferies.

Am Devisenmarkt richteten Investoren ihre Aufmerksamkeit auf die Brexit-Verhandlungen. Zwar gebe es im Streit über die künftigen Beziehungen noch keine wirkliche Annäherung, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Aber immerhin reden sie miteinander, und sowohl Großbritannien als auch die EU wollen einen Deal." Das Pfund Sterling bröckelte dennoch auf 1,2937 Dollar und 1,0961 Euro. Gleichzeitig trieb der Bedarf nach Absicherung gegen Kursausschläge die Preise für bestimmte Pfund-Terminkontrakte auf den höchsten Stand seit einem halben Jahr.


© Reuters 2020
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