Der einjährige Hauptrefinanzierungssatz wurde bei 3,45 Prozent belassen, der mit fünfjähriger Laufzeit bei 4,20 Prozent, wie die Zentralbank am Freitag in Peking bekanntgab. Letztgenannter Satz dient zur Festlegung der Verbraucherkredit- und Hypothekenzinsen. Schon im September hat die Zentralbank auf eine Lockerung der Geldpolitik verzichtet, nachdem sie die Wirtschaft im August mit einer an den Finanzmärkten als eher halbherzig gewerteten Zinssenkung gestützt hatte.

Experten hatten erwartet, dass der Schlüsselzins konstant bleibt - dies auch, weil die Wirtschaft trotz der anhaltenden Immobilienkrise zuletzt besser lief als gedacht. "Die Konjunktur hat sich stabilisiert", heißt es in einer Analyse des Finanzhauses TD Securities. "Die Behörden können es sich leisten, eine Weile zu warten, bevor sie weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen ergreifen."

Chinas angeschlagene Wirtschaft ist im Sommer stärker gewachsen als erwartet und damit auf dem Weg der Besserung. Das Bruttoinlandsprodukt in der von einer Immobilienkrise und schwächelnden Exporteuren belasteten zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt stieg von Juli bis September um 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit lag es über den Erwartungen der von Reuters befragten Ökonomen, die lediglich ein Plus von 4,4 Prozent auf dem Zettel hatten. Im Frühjahr lag die Zuwachsrate zwar mit 6,3 Prozent weit höher - doch dazu trugen statistischen Verzerrungen durch die zurückliegende Corona-Krise bei.

Ein Grund für die Währungshüter, den Zins nicht weiter zu drücken, dürfte die Schwäche des Yuan sein. Dieser hat in diesem Jahr bereits um mehr als fünf Prozent zum Dollar abgewertet. Niedrigere Zinsen würden die Landeswährung noch unattraktiver machen. Dadurch könnten sich Importe, die vielfach in Dollar abgerechnet werden, verteuern.

Für die kommenden Monate schließen Experten die Möglichkeit einer Zinssenkung nicht aus. Die Ökonomen von Barclays etwa rechnen mit einem solchen Schritt noch im laufenden vierten Quartal und auch Anfang 2024. Die Zentralbank hat das heimische Bankensystem zu Wochenbeginn mit frischem Geld geflutet. Um die Geldhäuser ausreichend zu versorgen, werden mittelfristige Kreditfazilitäten (MLF) im Wert von 789 Milliarden Yuan (104 Mrd Euro) bereitgestellt. Da zugleich Kredite im Wert von 500 Milliarden Yuan an die Zentralbank zurückgezahlt werden müssen, pumpt sie unter dem Strich 289 Milliarden Yuan an frischem Geld in das Bankensystem - die größte derartige Geldspritze seit fast drei Jahren.

(Bericht von Li Gu und Tom Westbrook, geschrieben von Rene Wagner, redigiert von Kerstin Dörr - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)