Peking (Reuters) - Der chinesische Ministerpräsident Li Qiang will angesichts stark sinkender Investitionen ausländischer Unternehmen eine Entkopplung seines Landes von internationalen Lieferketten stoppen.

"Wir sind bereit, mit allen Ländern engere Produktions- und industrielle Lieferketten-Partnerschaften aufzubauen", sagte Li am Dienstag auf einer Messe. Protektionismus berge ebenso wie eine unkontrollierte Globalisierung ein hohe Risiko. China werde weiterhin ein internationales und rechtsstaatliches Geschäftsumfeld schaffen.

Die Messe ist der jüngste Versuch Pekings, internationale Investitionen anzulocken. Diese sind zuletzt auf einen historischen Tiefstand gesunken. Daten der Rhodium Group zufolge sank der Wert der angekündigten Investitionen aus den USA und Europa im vergangenen Jahr auf weniger als 20 Milliarden Dollar - ein Sechstel des 2018 erreichten Höchststandes von 120 Milliarden Dollar. Dagegen zogen die Investitionen im benachbarten Indien zwischen 2021 und 2022 um etwa 65 Milliarden Dollar oder 400 Prozent an. Die Europäische Union und USA hatten angekündigt, strategisch wichtige Lieferketten von China auf andere Länder umlenken, um nicht erpressbar zu sein.

In Deutschland hat Bundeskanzler Olaf Scholz die Unternehmen wiederholt aufgerufen, sich bei Lieferketten breiter aufzustellen und beim Ex- und Import etwa mehr mit anderen asiatischen Ländern zusammenzuarbeiten. Die Bundesregierung pocht gegenüber der Wirtschaft auf ein De-Risking beim Geschäft mit China, dem wichtigsten Handelspartner Deutschlands. So sollen Abhängigkeiten in Schlüsselindustrien vermieden werden.

Der chinesische Präsident Xi Jinping sprach sich angesichts "externer Risiken und Herausforderungen" dafür aus, zum Schutz seiner im Ausland lebenden Bürger und Interessen die internationale Zusammenarbeit bei der Strafverfolgung zu vertiefen und die konsularische Unterstützung auszubauen. Um den Wirtschafts- und Handelsaustausch zu erleichtern, haben chinesische Anwaltskanzleien nach offiziellen Angaben 180 Auslandsbüros in 35 Ländern und Regionen eingerichtet - ein Anstieg von fast 50 Prozent seit 2018.

Chinesische Privatunternehmen sehen sich im Ausland oftmals schweren Vorwürfen ausgesetzt. Die USA etwa verwerfen Online-Plattformen von Tencent und Alibaba vor, dort gefälschte und raubkopierte Waren anzubieten. Auch gibt es immer wieder Forderungen, das zum chinesischen Technologieunternehmen ByteDance gehörende soziale Netzwerk TikTok stärker zu reglementieren oder sogar zu verbieten.

(Bericht von Eduardo Baptista und Joe Cash, geschrieben von Rene Wagner und Birgit Mittwollen; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)