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China: Viele renommierte Experten sehen eine gewaltige Kreditblase

22.04.2016 | 10:28

Bedeutende Finanzmarktakteure vergleichen Chinas Kreditboom mit dem der USA in den Jahren 2006 bis 2008, auf den, wie allgemein bekannt, die schlimmste Rezession in über 70 Jahren folgte.

Zur Einleitung einige Zitate:
Fitch Ratings, Rating Agentur: „Chinas hohe Schulden könnten das Wachstum des Landes zum Stillstand bringen.“
George Soros, Hedgefonds-Manager: „Chinas kreditfinanziertes Wachstum ähnelt sehr stark den Vorgängen in den USA in den Jahren 2006 bis 2008.“ (Anmerkung der Redaktion: Die Kreditblase, die 2008 platzte, führte zur globalen Rezession, mit deren Nachwirkungen die Zentralbanken bis zum heutigen Tag zu kämpfen haben.)
Felix Zulauf, Vermögensverwalter: „China ist das, was in der letzten Krise der amerikanischen Immobilienmarkt war.“
Mark Faber, Emerging Markets Investor: „Die chinesischen BIP-Zahlen sind völliger Unsinn. Das eigentliche Wachstum liegt eher bei 0 bis 4 Prozent.“
  
Die Zweifel am Erfolg Chinas, den Trend des sich verlangsamenden Wachstums umzukehren, werden immer grösser. Das liegt zum einen an der Schwierigkeit der Aufgabe selbst, denn die Struktur der chinesischen Wirtschaft befindet sich in einer langfristigen Wandlung weg von einer industriebasierten Wirtschaft hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Zum anderen zweifeln Experten an der Art und Weise wie das chinesische Politbüro an die Aufgabe herantritt. Denn anstatt strukturelle Reformen vorzunehmen, fördert und erleichtert Peking lediglich massiv die Kreditvergabe und zwar vor allem über vom Staat kontrollierte Banken.
Dieser von Bloomberg erstellte Chart veranschaulicht das sich verlangsamende Wachstum im Gegensatz zu der stetig steigenden Kreditvergabe:



Diese Maßnahmen zeigen bereits Wirkung. Chinas Wirtschaft hat laut ersten Schätzungen im März wieder an Fahrt aufgenommen. Vor allem der Immobiliensektor profitiert von den deutlich verbesserten Kreditkonditionen. Immobilienpreise in Chinas wichtigsten Städten explodieren erneut. In Shenzen sind die Preise für Neubauwohnungen innerhalb von einem Jahr um 62 Prozent gestiegen. Angesichts der gewaltigen Mittel, die von der chinesischen Regierung in Bewegung gesetzt wurden, „...könnte sich diese Preisentwicklung im Immobiliensektor sogar noch einige Zeit fortsetzen, genauso wie es in den USA zwischen 2005 und 2007 der Fall war“, sagt George Soros. „Dafür wird der Schaden später umso größer sein.“ Bereits jetzt sind die ersten Anzeichen laut Soros offensichtlich. Der Großteil neuer Finanzierungen wird aktuell ausschließlich dafür verwendet, Forderungsausfälle zu vermeiden und um notleidende Unternehmen am Leben zu erhalten. So wird die Ausarbeitung des Problems, dessen Gravität exponentiell wächst, einfach um (maximal) ein paar Jahre hinausgeschoben.
 
Bereits vor der in diesem Jahr begonnenen neuerlichen Krediterweiterung hat China neue Rekorde bei der Verschuldung gesetzt. Zwischen 2007 und Mitte 2014 hat sich die Gesamtverschuldung des Landes laut dem Beratungsunternehmen McKinsey von $ 7 Billionen auf $ 28 Billionen Yuan? vervierfacht und liegt damit höher als die Verschuldung der USA. Die vielgerühmten Währungsreserven von $ 3,2 Milliarden Dollar? sind im Vergleich zu den Schulden „nur“ ein Tropfen auf dem heißen Stein.  Andrew Colquhoun, der Leiter von Fitch Ratings in der Asien-Pazifik Region, zeigte sich in einem Interview jüngst besorgt über Chinas Schuldenlast. Diese sei „nicht nachhaltig“ und werde „die wirtschaftliche Erholung früher oder später „zum Entgleisen bringen.“ Die Tatsache, dass die neuerliche Krediterweiterung, die im vergangenen Monat mit 2,34 Billionen Yuan ($ 362 Milliarden) 67% über den Markterwartungen lag, verschlimmert die Lage zusätzlich.
 
Aber zunächst wächst Chinas Wirtschaft wieder etwas schneller. Der Immobiliensektor läuft auf Hochtouren und die Industrieproduktion wird durch die Finanzspritzen, trotz bestehender Überkapazitäten,  hochgehalten. Die Experten, die auf eine größere Schwächephase oder sogar Krise in China setzen, werden sich also noch gedulden müssen, bevor sich ihre Prognosen möglicherweise als richtig herausstellen.


© MarketScreener.com 2016
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