Die Wall Street setzte diese Woche ihren Höhenflug fort, unbeirrt von den Spannungen am Anleihemarkt. In Europa lief es dagegen nicht so gut. Während sich Luxus- und Automobilwerte behaupten konnten, verloren Finanztitel deutlich an Wert. Die Volatilität ging etwas zurück, da es an makroökonomischen Impulsgebern mangelte. Die US-Inflationsdaten könnten somit nächste Woche ein entscheidender Faktor sein.
Wochenperformance*
DAX
16926  +0.05%Chart
BMW AG +4.10%
SARTORIUS AG +3.80%
MERCK KGAA +3.36%
DHL GROUP -4.47%
VONOVIA SE -6.30%
DEUTSCHE BANK AG -9.56%
STOXX EUROPE 600
484.83  +0.19%
Chart STOXX EUROPE 600
S&P 500
5026.61  +1.37%
Chart S&P 500
NIKKEI 225
36897.42  +2.04%
Chart NIKKEI 225
GOLD
2024.15$  -0.75%
Chart GOLD
BRENT OIL
81.72$  +4.99%
Chart BRENT OIL
EURO / US DOLLAR
1.08$  +0.01%
Chart EURO / US DOLLAR
Tops / Flops der Woche

TOPS

ARM Holdings (+60%): Der britische Chipdesigner, der letztes Jahr ohne großes Tamtam an die Wall Street ging, profitiert vom KI-Hype. Er hat überraschend robuste Ergebnisse vorgelegt, was vor allem dem KI-Geschäft zu verdanken ist. Der Markt ist überzeugt, einen neuen Goldesel gefunden zu haben. In der Folge ist die Aktie allein am Donnerstag um - vermutlich übertriebene - 48% gestiegen.

Palantir (+44%): Das US-amerikanische Beratungsunternehmen ist eine Art UFO am Markt. Die Aktie war bereits mit Ankündigung der ersten Gewinne im Jahr 2023 bei den Anlegern sehr gefragt. Zwar ließ die Diskrepanz zwischen der sagenhaften operativen Marge und der sehr geringen Nettomarge zuletzt Zweifel bei den Marktteilnehmern aufkommen, doch die Bullen haben noch immer klar die Oberhand.

Walt Disney (+14%): Mit den soliden Ergebnissen und seinen zahlreichen neuen Plänen ließ der Unterhaltungsriese kritische Stimmen vorerst verstummen. So investierte Disney in Epic Games, rief eine Sport-Streaming-Plattform mit Fox und Warner ins Leben und gab einen soliden Ausblick für Disney+. Die Dividende wurde erhöht und das Aktienrückkaufprogramm aufgestockt. Damit geht für den Konzern eine erfolgreiche Woche zu Ende.

MorphoSys (+51%): Die deutsche Biotechfirma wird für 2,7 Mrd. EUR von Novartis übernommen. Mit MorphoSys übernimmt Novartis auch Pelabresib, das derzeit zur Behandlung von Myelofibrose untersucht wird. Damit stärkt der Pharmakonzern auch seine Position im Onkologiebereich. Novartis lässt sich die Übernahme 68 EUR pro Aktie kosten.

Adyen (+22%): Die Plattform für Bezahllösungen übertraf mit ihren Halbjahresergebnissen die Erwartungen, was die Marktteilnehmer nach dem tiefen Sommerloch wieder ruhiger schlafen ließ. Nachdem die Analysten ihre Kursziele im August deutlich gesenkt hatten, werden diese nun reihenweise wieder angehoben. Dieses Auf und Ab lässt darauf schließen, dass Fintech-Aktien keinen allzu festen Boden unter den Füßen haben. Übertreibungen sind ganz offensichtlich in beide Richtungen möglich.

Lotus Bakeries (+18%): Der am höchsten bewertete Gebäckverkäufer der Welt macht seinem Ruf alle Ehre - mit beeindruckenden Ergebnissen. Der Jefferies-Analystin Samantha Darbyshire zufolge fordert Lotus die Schwerkraft heraus. In ihren Augen ist die hohe Bewertung gerechtfertigt, denn mit seinem organischen Wachstum stellt Lotus Bakeries andere wachstumsstarke Unternehmen mit ähnlichen Bewertungskennzahlen in den Schatten.

Ubisoft (+14%): Der französische Videospielkonzern überraschte positiv: Für das 3. Quartal des am 31. März endenden Geschäftsjahres legte er den Erwartungen entsprechende Zahlen vor. Zudem kündigte man für den weiteren Jahresverlauf an, ein umfangreiches Programm veröffentlichen zu wollen. Dazu gehören insbesondere Neuauflagen von Star Wars und Assassin?s Creed, die das Zeug zum Blockbuster haben dürften.

Carl Zeiss (+13%): Dass die Ergebnisse die recht niedrigen Erwartungen übertroffen haben, stellte die Anleger offenbar zufrieden. Das deutsche Unternehmen kam beim Lagerbestandsabbau in China voran und verzeichnete im Bereich Mikrochirurgie eine über Erwarten hohe Dynamik. Nachdem der Kurs zwei Jahre in Folge gefallen war, setzt der Markt nun wohl darauf, dass die Talsohle durchschritten ist.

Kering (+10%): Die vom Gucci-Mutterkonzern für 2023 veröffentlichten Zahlen fielen nicht gerade berauschend aus, doch hatte der Markt das Unternehmen bereits im Vorfeld abgestraft. Luca Solca vom Analysehaus Bernstein kommentierte, dass sich die Ergebnispräsentation vor allem auf die Kering-Vision für die Zukunft konzentrierte. Ob sich dieser Ausblick tatsächlich bewahrheitet, wird sich spätestens bei der Vorstellung der ersten Gucci-Kollektion von Sabato de Sarno (Frühjahr/Sommer 2024) erweisen. Solca zufolge dürften sich die Anleger auf die Vision fokussieren und auf dieser Grundlage entscheiden, ob sie Kering angesichts des gegenüber der Peergroup niedrigen Bewertungsniveaus und der eigenen Unternehmensgeschichte favorisieren. Das Luxussegment verzeichnete diese Woche einen Aufwärtstrend, der von der weiterhin beeindruckenden Performance von Hermès gekrönt wurde.

Unicredit (+9%): Die von der italienischen Großbank veröffentlichten Ergebnisse lagen meilenweit über den Erwartungen. Das Management zeigt sich optimistisch, die Rentabilität im laufenden und im nächsten Jahr aufrechterhalten zu können. Für die französischen Banken verlief diese Woche dagegen eher bescheiden.

FLOPS

Snap (-35%): Allein am Mittwoch gab die Aktie 35% ab, nachdem der Umsatz im 4. Quartal die Erwartungen der Wall Street verfehlt hatte. Snap schneidet bei den Werbeeinnahmen schlechter ab als die großen Plattformen Meta und Alphabet. Die von Pinterest am Donnerstagabend veröffentlichten Zahlen stützen offenbar die Annahme, dass auf die Branchenriesen höhere Werbeetats entfallen als auf ihre kleineren Rivalen.

CompuGroup (-17%): Die vom Unternehmen vermeldeten Finanzkennzahlen entsprachen insgesamt weitgehend den Erwartungen. Allerdings drückten die Restrukturierungskosten auf das Ergebnis und verdunkelten die Aussichten auf die in diesem Jahr mögliche Cash-Generierung. Das durchschnittliche Kursziel der zehn Analysten, die den Titel unter Beobachtung genommen haben, sank leicht auf 52,75 EUR.

X-Fab (-13%): Die für das Geschäftsjahr 2023 veröffentlichten Zahlen erfüllten die Erwartungen, doch der Markt war vom Ausblick für 2024 enttäuscht. Die belgische Unternehmensgruppe strebt für das laufende Jahr einen Umsatz von 900 bis 970 Mio. USD und eine EBITDA-Marge von 25 bis 29% an. Die sieben von MarketScreener erfassten Analysten hatten im Durchschnitt mit 1 Mrd. USD und einer Marge von 29,4% gerechnet.

Neste Oyj (-13%): Dem finnischen Konzern zufolge dürfte die Marge im 1. Quartal am unteren Ende der Prognosespanne liegen. Diese Nachricht trug nicht gerade zur Beruhigung der Anleger bei. Diese hatten sich bereits von den leicht unter den Erwartungen liegenden Ergebnissen des Jahres 2023 enttäuscht gezeigt. Angesichts dieser Meldung senkten mehrere Analysten ihr Kursziel.

AP Moller Maersk (-10%): Die dänische Reederei profitiert von einem Wachstumsmarkt, doch die Überkapazitäten drücken zunehmend auf die Preise. Für das abgelaufene Geschäftsjahr legte das Unternehmen gemischte Zahlen vor, die kaum überraschten. Der Ausblick war allerdings nur schwer verdaulich: Dem Chef des dänischen Konzerns zufolge dürften die Überkapazitäten die Ergebnisse in den kommenden Jahren stark belasten.

PayPal (-10%): Bei der Mutter aller Fintechs ist angesichts des hohen Wettbewerbsdrucks noch immer kein Land in Sicht. Geschäftszahlen und Ausblick enttäuschten. Aus Sicht von Morgan Stanley geht es mit der Transformation des Unternehmens zu langsam voran.
Chart Rohstoffe
Rohstoffe

Energie: Die Achterbahnfahrt im Ölsektor hält mit einem nach oben und unten schwankenden Rohölpreis an. Diese Woche ging es aufwärts. Die Lage im Nahen Osten ist nach wie vor ungewiss. Israel lehnte die vorgeschlagene Waffenpause in Gaza ab, und die USA schalteten pro-iranische Gruppen im Irak aus. Die US-Energieagentur hob derweil ihre Prognosen zur Ölförderung für 2024 an und geht davon aus, dass die Höchstmenge unter 13,3 Millionen Barrel pro Tag liegen wird. Die Nordseesorte Brent ist wieder über die Marke von 80 USD gestiegen (auf exakt 81,7 USD). Das US-Pendant WTI kostet aktuell etwa 76,50 USD. Beim Erdgas tendiert der Preis für die europäische Referenzsorte weiter seitwärts: Am Handelsplatz TTF in Rotterdam notiert sie nun bei 27 EUR/MWh.

Metalle: Industriemetalle beendeten die Woche uneinheitlich. Aluminium und Zinn gewannen an Boden, während Kupfer, Zink und Blei nachgaben. In London notiert eine Tonne Kupfer bei rund 8.200 USD. Gedämpft wurde die Entwicklung von der Aufwertung des US-Dollars, aber auch durch die höheren Fördermengen in Peru, dem zweitgrößten Kupferproduzenten der Welt. Im Edelmetallsegment verharrte Gold bei 2.025 USD je Feinunze, Silber verbilligte sich leicht auf 22,50 USD und der Palladiumpreis sank weiter bis auf 870 USD.

Agrarprodukte: In Chicago hielt die schlechte Stimmung an und die Getreidepreise tendierten weiter abwärts. Auch der aktuelle Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums ändert daran nichts. Ganz im Gegenteil: Denn das Ministerium hat die Prognosen für die Weizen- und Maisvorräte aufgrund einer schwächeren Inlandsnachfrage nach oben angepasst. Mais wird für etwa 435 Cent pro Scheffel gehandelt. Der Weizenpreis folgte diesem Trend und bewegt sich im Bereich von 600 Cent.
Chart Rohstoffe
Makroökonomie

Marktstimmung: Gähnende Langeweile. Da keine wichtigen Ereignisse auf der Agenda standen und die Notenbanken sich bereits zu Wort gemeldet hatten, fehlten den Anlegern frische Daten. Lediglich einige US-Konjunkturindikatoren dürften das Interesse geweckt haben: Der S&P Global US Services PMI und der ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor haben die Kontraktionszone verlassen, liegen nun also wieder über der Marke von 50 Punkten. Also alles im grünen Bereich. Das Narrativ um eine weiche Landung der US-Wirtschaft ist nach wie vor gültig. Dementsprechend bewegte sich die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen relativ stabil in einem horizontalen Konsolidierungskanal zwischen 3,85% und 4,23/25%.

In China sanken die Verbraucherpreise im Januar um 0,8%. Ein klares Anzeichen dafür, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt noch in der Erholungsphase steckt. Die Initiativen der chinesischen Regierung, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, haben bislang allenfalls begrenzt Wirkung gezeigt.

Kryptowährungen: Der Bitcoin legte diese Woche über 11% zu und lag bei Redaktionsschluss wieder im Bereich von 47.500 USD. Der Ether folgte auf dem Fuße. Er stieg seit Wochenbeginn um fast 10% und liegt nun wieder über 2.500 USD. Der Aufwärtstrend bei Krypto-Assets ist Ausdruck der erneut gestiegenen Risikobereitschaft der Investoren. Diese zeigt sich auch daran, dass die US-Börsenindizes historische Höchststände erreicht haben. Auch die am 11. Januar am Markt lancierten Bitcoin-Spot-ETFs ziehen weiterhin zahlreiche Anleger an. Der ETF von BlackRock (IBIT) hat seit Markteinführung knapp 3,5 Mrd. USD eingesammelt, der ETF von Fidelity (FBTC) etwa 2,81 Mrd. USD. Der 8. Februar erwies sich für diese Fonds als besonders erfolgreich: BlackRock verzeichnete Zuflüsse in Höhe von 204,1 Mio. USD, Fidelity verbuchte immerhin noch ein Plus von 128,3 Mio. USD. Zahlen, die das in den letzten Tagen gewachsene Interesse und die Spekulationsbereitschaft der Anleger widerspiegeln.
Kurs und Volumen
Ein Rekord jagt den nächsten
Nächste Woche werden noch einige namhafte Firmen ihre Zahlen präsentieren, darunter Coca-Cola, Shopify, Michelin, Heineken, Airbus, Capgemini, Schneider, Deere, EssilorLuxottica, ENI, Safran oder Stellantis. Nach einer relativ ruhigen Woche stehen auch wieder einige Konjunkturdaten auf dem Programm, unter anderem zur Inflation und zu den Erzeugerpreisen im Januar in den USA sowie verschiedene Vertrauensindizes (Empire State, Philly Fed, Universität Michigan). In Asien bringt das Neujahrsfest den Börsenkalender durcheinander. So wird der Handel in Shanghai erst wieder am 19. Februar aufgenommen und in Taiwan am 15. Februar. Das Parkett in Hongkong bleibt zwei Tage geschlossen und öffnet wieder am 14. Februar. In Seoul ist lediglich der Montag ein Feiertag, am 13. Februar wird dann wieder gehandelt. Auch in Japan ruht die Börse am Montag, da das Land den Tag seiner Staatsgründung feiert. Wir wünschen Ihnen allen ein schönes Wochenende.
*Die Wochenperformance der Indizes und Aktien bezieht sich auf den Zeitraum von der Eröffnung der Märkte am Montag bis zur Erstellung dieses Newsletters am Freitag.
Die Wochenperformance von Rohstoffen, Edelmetallen und Währungen bezieht sich auf den 7-Tage-Zeitraum von Freitag bis Freitag (bis zur Erstellung des Newsletters). Diese Vermögenswerte notieren auch an Wochenenden.