Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt bleibt auch zur Wochenmitte im Konsolidierungsmodus. Laut Händlern befindet sich der Markt in einem Spannungsfeld aus Gewinnmitnahmen und einer wieder gestiegenen Unsicherheit über den weiteren Zinspfad der wichtigsten Notenbanken. Vor allem die zahlreichen Inflationsdaten in den kommenden Tagen dürften dabei eine entscheidende Rolle für das Marktgeschehen spielen. Dies gelte umso mehr, da Unternehmensnews rar sind. Händler hatten bereits zu Wochenbeginn gewarnt, dass das bevorstehende Monats-Ende zu einer gewissen Volatilität und angesichts der starken Monatsperformance zu Gewinnmitnahmen führen könnte.

Im Vorfeld der Zinsentscheidung der EZB in der kommenden Woche werden Investoren in den kommenden Tagen genau auf die Konsumentenpreise aus Deutschland, Italien und Frankreich sowie der EU bis zum Wochenschluss schauen. Sie dürften die Zinssenkungserwartungen für die EZB auf eine harte Probe stellen, heisst es in einem Kommentar. Auch die zum Wochenschluss erwarteten US-Inflationsdaten werfen bereits ihre Schatten voraus. Bislang erwarten Marktteilnehmer von den europäischen Währungshütern eine erste Senkung. Für die US-Notenbank Fed dagegen schieben sie ihre Prognosen immer weiter nach hinten. Wie stark die US-Wirtschaft tatsächlich ist, wird am Mittwochabend das Beige Book des Fed zeigen.

Der Leitindex SMI verliert um 11.10 Uhr 0,22 Prozent auf 11'828,41 Punkte. Der 30 Titel umfassende SLI fällt um 0,31 Prozent auf 1937,87 und der breit gefasste SPI um 0,22 Prozent auf 15'809,62 Zähler. Im SLI geben 21 Titel nach, sieben legen zu und zwei (Roche GS, Sika) sind unverändert.

Mit Abgaben zwischen 1,7 und 0,9 Prozent führen Lonza, Richemont und die UBS das Verliererfeld an. Alle drei dürften mit ihren bisherigen Avancen in diesem Jahr vereinzelte Investoren zu Gewinnmitnahmen verleiten. Im Fall von Lonza verweist ein Charttechniker darauf, dass die jüngsten Kursverluste unterhalb der 500-Franken-Marke auch ein neues Verkaufsignal ausgelöst hätten.

Unter den grösseren Verlieren sind auch Swatch (-1,6%) zu finden, die am Vortag noch von Analystenkommentaren profitiert hatten. Auch Zykliker wie Schindler, Geberit oder Holcim verlieren mit Abgaben von bis zu 1,1 Prozent stärker als der Gesamtmarkt. Europaweit gehören baunahe Werte ebenfalls zu den grösseren Verlieren.

Wie ein Händler hervorhebt, sind auch Techwerte zur Wochenmitte auf den Verkaufslisten zu finden. Unter den Blue Chips geben VAT (-0,9%) und Logitech (-0,6%) nach. In den hinteren Reihen führen AMS-Osram mit -3,1 Prozent das Feld an, U-Blix, Comet und Inficon folgen mit Abgaben zwischen 1,2 und 0,4 Prozent. Dabei hatten in den USA am Vorabend die Aktien des US-Techriesen Nvidia ihre Rekordjagd fortgesetzt. Seit Jahresbeginn hat sich der Aktienkurs des Vorzeigeunternehmens für Künstliche Intelligenz (KI) erneut mehr als verdoppelt und damit den gesamten Sektor - auch hierzulande - beflügelt. "Dieses Mal vermochten die vorgelegten Zahlen nicht den Gesamtmarkt nach oben zu ziehen", so der Börsianer.

Die übersichtliche Gewinnerliste führen die Aktien der Swiss Re (+1,3%) an. Beim Rückversicherer sorgen eine Hochstufung durch die Experten der HSBC auf "Buy" sowie ein erhöhten Kursziel durch Oddo BHF für einen gewissen Rückenwind. Gesucht sind zudem einige weniger zyklische Vertreter wie Lindt&Sprüngli (+0,7%), die bereits am Vortag nach einem Analystenkommentar stark waren. Auch Givaudan (+0,6%) und Nestlé(+0,1) stützen den Markt.

Roche (GS unv.) wiederum halten sich knapp besser als der Markt, nachdem die US-Zulassungsbehörde FDA mitgeteilt hat, den Zulassungsantrag für ein Brustkrebsmittel beschleunigt zu bearbeiten. Die Aktien vom Generika-Spezialisten Sandoz (+0,1%) sind nach neuen Verkaufsdaten zu wichtigen US-Biosimilars im Fokus. Laut JPMorgan sind die jüngsten Verkaufszahlen für den April weiterhin sehr ermutigend.

In den hinteren Reihen ziehen die Aktien von Pennystock Spexis um 15 Prozent an, während Leclanché mit -5,4 Prozent zu den Schlusslichtern gehören.

hr/uh