NEW YORK (awp international) - Die US-Börsen haben am Donnerstag weitere Verluste erlitten. Auch schwache Wachstumsdaten aus der weltgrössten Volkswirtschaft konnten die anhaltenden Sorgen wegen wohl noch länger hoher Zinsen nicht beschwichtigen. Dazu drückte ein enttäuschender Ausblick von Salesforce insbesondere im Leitindex Dow Jones Industrial, auf die Stimmung.

Der Dow ging 0,86 Prozent tiefer bei 38 111,48 Punkten aus dem Handel. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,60 Prozent auf 5235,48 Punkte bergab. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 gab um 1,06 Prozent auf 18 538,66 Punkte nach.

Nach zwischenzeitlichen Problemen bei der Aktualisierung von Indexständen und Kursveränderungen der Dow-Jones- sowie der S&P-Indizes funktionierte die Kursversorgung wieder. Die Nasdaq-Indizes und die Kurse von Einzelwerten waren von den Problemen nicht betroffen gewesen.

Zunehmende Zweifel an einer baldigen geldpolitischen Lockerung durch die US-Notenbank Fed haben die Anleiherenditen in dieser Woche in die Höhe getrieben. Hintergrund ist die immer noch hartnäckige Inflation. Anhaltend hohe Leitzinsen halten auch die Kreditkosten hoch und haben so das Zeug, die wirtschaftlichen Aktivitäten stark zu dämpfen.

Dies belegte auch das Wachstum der US-Wirtschaft im ersten Quartal, das schwächer ausfiel als bisher bekannt. Die Dynamik gegenüber dem Vorquartal nahm spürbar ab. Allerdings wurde der PCE-Deflator - eine für die Fed wichtige Inflationskennziffer - nur geringfügig nach unten revidiert und belegt immer noch den stärksten Preisdruck seit einem Jahr. Damit dürften die Daten den Währungshütern kaum ein Argument für die am Markt erhoffte, baldige Zinssenkung liefern.

Ähnliches gilt für die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Diese stiegen zwar etwas stärker als prognostiziert, auch der Vorwochenwert wurde ein wenig nach oben revidiert. Doch die Anträge bewegen sich weiter auf einem niedrigen Niveau, was für einen anhaltend robusten Arbeitsmarkt spricht. Der überraschend deutliche Rückgang der noch nicht ganz abgeschlossenen Hausverkäufe im April konnte den Aktienkursen ebenfalls keine positiven Impulse geben.

Unter den Einzelwerten stach der Softwarekonzern Salesforce mit einem enttäuschenden Umsatzausblick auf das laufende Quartal heraus. Der kräftige Anstieg der Erlöse zum Jahresbeginn konnte das nicht kompensieren. Die Aktien setzten ihre Talfahrt fort. Sie sackten am Dow-Ende um knapp 20 Prozent ab und erreichten damit den niedrigsten Stand seit November.

Der Einzelhändler Kohl?s schockte die Anleger mit einem enttäuschenden Zwischenbericht und einer gesenkten Prognose für 2024 ebenfalls: Die Anteilscheine rauschten um fast ein Viertel in die Tiefe. Auch das Technologieunternehmen Agilent Technologies sorgte mit einer Umsatz- und Gewinnwarnung für lange Gesichter bei den Aktionären, wie der Kursrutsch von 9,7 Prozent zeigte.

Mehrere Unternehmen konnten mit ihrer Geschäftsentwicklung aber auch positiv überraschen. So sprangen die Papiere von Foot Locker um 15 Prozent hoch, nachdem die Sporthandelskette mit ihren Quartalszahlen die Erwartungen vor allem mit Blick auf das Ergebnis übertroffen hatte.

Beim Sandalenhersteller Birkenstock hatten die Anleger nach einem starken Quartal sowie einer Anhebung der Umsatzprognose ebenfalls Grund zur Freude: Die in New York gelisteten Anteilscheine zogen um 11,7 Prozent an und erreichten ein Rekordhoch.

Der Elektronikhändler Best Buy überzeugte mit einer überraschend guten Entwicklung seiner Profitabilität, wie der Anstieg der Aktien um 13,4 Prozent zeigte. Eine positive Umsatzüberraschung verhalf dem Informationstechnologieunternehmen HP zu einem Kurssprung von 17 Prozent.

Der Euro hielt sich nach den US-Daten über der Marke von 1,08 Dollar. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,0830 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,0815 US-Dollar festgesetzt und der Dollar damit 0,9246 Euro gekostet.

US-Staatsanleihen legten zu. Der Terminkontrakt für zehnjährige Anleihen (T-Note-Future) stieg um 0,46 Prozent auf 108,27 Punkte. Im Gegenzug sank die Rendite zehnjähriger Staatspapiere auf 4,55 Prozent./gl/he

--- Von Gerold Löhle, dpa-AFX ---