PARIS/LONDON (dpa-AFX) - Die freundlichen US-Börsen haben den europäischen Aktienmärkten am Donnerstag in die Gewinnzone verholfen. Auch der Rücktritt der britischen Premierministerin Liz Truss stützte dies- wie jenseits des Atlantiks die Kurse - die Märkte weltweit dürften die Nachricht "sicherlich wohlwollend, aber zugleich kritisch beobachten", konstatierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.

Der bis um die Mittagszeit schwächelnde Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 schaffte am Ende ein Kursplus von 0,62 Prozent auf 3492,85 Punkte. Der französische Cac 40 legte letztlich um 0,76 Prozent auf 6086,90 Punkte zu. In London reichte es für den FTSE 100 nach dem Rücktritt von Truss immerhin für einen Kursgewinn von 0,27 Prozent auf 6943,91 Zähler.

Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets verwies indes auf den US-Staatsanleihemarkt, wo die Rendite von Papieren mit einer Laufzeit von zehn Jahren weiter deutlich über der Vier-Prozent-Marke liegt. "Die runde Marke, die viele als Signal für eine bevorstehende Trendwende sowohl in den Marktzinsen als auch im geldpolitischen Straffungskurs der Notenbanken gedeutet hatten, war demnach nur eine Pause im laufenden Aufwärtstrend", so Molnar.

An den europäischen Börsen standen zahlreiche Unternehmensberichte im Fokus. Enttäuschend waren die Zahlen im Telekommunikationssektor. Eingebrochene Einnahmen für seine Patente und Lizenzen belasteten das dritte Quartal des schwedischen Netzwerkausrüsters Ericsson deutlich - die Aktien sackten um fast 15 Prozent ab. Auch der finnische Konkurrent Nokia überzeugte nicht. Dessen operativ schwachen Ergebnisse ließen die Aktien als Eurostoxx-Schlusslicht um über siebeneinhalb Prozent sinken.

Mit Volvo blieb ein weiteres Unternehmen aus Nordeuropa hinter den Erwartungen zurück. Analystin Daniela Costa von Goldman Sachs bemängelte am Zahlenwerk des Nutzfahrzeugherstellers die Margenentwicklung. Die Papiere verloren gut vier Prozent.

Besser schlug sich unterdessen ein anderes skandinavisches Unternehmen. Dem Düngerkonzern Yara gelang es, im dritten Quartal Belastungen durch Produktionseinschnitte und gestiegene Gaskosten durch höhere Verkaufspreise zu kompensieren. Die Aktien legten um gut sechseinhalb Prozent zu.

Auch Hermes überzeugte, was sich in einem Kursplus von gut anderthalb Prozent niederschlug. Der französische Luxusgüterhersteller hatte seinen Umsatz im dritten Quartal kräftig gesteigert und schloss sich damit der soliden Entwicklung anderer Unternehmen der Branche an. Konkurrent LVMH hatte bereits vergangene Woche dank der Einkaufslust von US-Touristen in Europa überraschend starke Umsätze vorgelegt.

Den Luxus eines guten Tropfens scheinen sich die Konsumenten trotz der schwächelnder Konjunktur bislang ebenfalls nicht zu versagen. Der Spirituosenhersteller Pernod Ricard steigerte den Quartalsumsatz und übertraf mit seinen Zahlen die Schätzungen. Nach dem deutlichen Kursanstieg der vergangenen Wochen gaben die Aktie nun allerdings um über ein Prozent nach.

Beim Chemieunternehmen Akzo Nobel stand nach der Zahlenvorlage ein Kursrückgang um 1,4 Prozent zu Buche. Das dritte Quartal sei erwartungsgemäß ausgefallen, doch der Ausblick auf das Schlussquartal sei wesentlich schwächer als gedacht, schrieb JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi./gl/he