München, 11. Dez (Reuters) - Die Münchener Rück will sich weniger abhängig von den schwankenden Gewinnen in der Rückversicherung gegen Naturkatastrophen und andere Großschäden machen.
Die stabileren Sparten, die Gesundheits-Rückversicherung, der Erstversicherer Ergo und das Geschäft mit Spezialversicherungen, sollten in den nächsten fünf Jahren stärker wachsen, sagte der scheidende Vorstandschef Joachim Wenning auf einem Investorentag am Donnerstag in München. "Je mehr wir in diesen Bereichen wachsen, desto erfolgreicher können wir in der Schaden-Rückversicherung sein." Diese soll bis 2030 nur noch rund 40 Prozent zum Gewinn beitragen, zumal sich der jahrelange Trend steigender Preise gerade umkehrt. Zurzeit liefert die Schaden-Rückversicherung 50 Prozent des Gewinns.
Wenning und sein Nachfolger Christoph Jurecka, der ihn zum Jahreswechsel ablöst, stellten am Donnerstag die Strategie der Münchener Rück für die Jahre bis 2030 vor, die unter dem Titel "Ambition 2030" steht. Der scheidende Chef zog eine Erfolgsbilanz: "Wir schneiden nicht nur besser ab als vor fünf Jahren, unsere Ergebnisse sind auch stabiler." Auf diesem Weg will die Münchener Rück auch über 2030 hinaus weitermachen. Das Ziel sei: "Ob der Markt hart oder weich ist - keines von beiden ist ein Problem." Unter Wenning war die Münchener Rück gemessen am Versicherungsumsatz hinter den Rivalen Swiss Re zurückgefallen, ist aber deutlich profitabler.
Jurecka will zudem auf die Kostenbremse treten: Bis 2030 sollen die jährlichen Kosten um 600 Millionen Euro gedrückt werden, um Inflationseffekten entgegenzuwirken. Die ersten 200 Millionen peilt der bisherige Finanzvorstand bereits für das kommende Jahr an.
Ob davon auch die Belegschaft betroffen ist, ließen beide offen. Konkrete Pläne für einen Stellenabbau gebe es nicht, man sei aber in Gesprächen mit den Sozialpartnern, sagte Wenning. Jurecka fügte hinzu, dem Rückversicherer spiele womöglich die alternde Belegschaft in die Hände. Bei Ergo, wo ein Großteil der Mitarbeiter beschäftigt ist, soll ein neues Effizienzprogramm aufgelegt werden. Ziel sei eine "effizientere Organisation mit einem höheren Grad an Automatisierung und strategischer Nutzung von Künstlicher Intelligenz", hieß es in einer Präsentation.
Die finanziellen Ziele für 2030 seien "natürlich ehrgeizig, aber gleichermaßen realistisch", sagte Wenning. Der zweitgrößte Rückversicherer der Welt hat sich eine Eigenkapitalrendite von mehr als 18 Prozent vorgenommen. Bisher lag das Ziel bei 14 bis 16 Prozent, mit den für 2025 angepeilten sechs Milliarden Euro läge die Münchener Rück aber schon auf der neuen Zielmarke. Für 2026 peilt sie 6,3 Milliarden Euro an. Der Gewinn je Aktie soll im Schnitt um mehr als acht Prozent pro Jahr klettern, bisher lag das Ziel bei mindestens fünf Prozent. 80 Prozent des Gewinns sollten über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. In den vergangenen Jahren waren es im Schnitt 75 Prozent.
JURECKA WILL MEHR INS RISIKO GEHEN
An der Börse wurden die Ziele wohlwollend aufgenommen. Die Münchener-Rück-Aktie legte am Donnerstag um zwei Prozent auf 558 Euro zu, seit der Bekanntgabe der "Ambition 2030" hat sie rund fünf Prozent zugelegt. Jefferies-Analyst Philip Kett nannte die Pläne "geradezu atemberaubend", die Ziele seien höher als gedacht. Das zeige, dass sich die Vorsicht des Managements geändert habe, und wie stark der Konzern von unterschiedlichen Wachstumschancen profitiere. Bei Swiss Re war die neue Strategie dagegen zuletzt auf wenig Gegenliebe bei den Investoren gestoßen.
Auch die eigenen Kapitalanlagen sollen im Zuge der "Ambition 2030" mehr Rendite abwerfen: Die Münchener Rück peilt dann eine Kapitalanlagerendite von 3,4 bis 3,8 Prozent an. Ein nach und nach wachsender Anteil alternativer Investments etwa in Infrastruktur, Private Equity oder Wälder soll dabei helfen. "Wir haben Spielraum für zusätzliche Investment-Risiken", sagte Jurecka. Für 2025 hat sich die Münchener Rück eine Rendite von mehr als 3,0 Prozent zum Ziel gesetzt. Bei Übernahmen liege die Latte hoch, sagte Jurecka. "Es macht keinen Sinn, etwas zu kaufen, was wir selber schon haben."
(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















