Mitunter setzt sich an den Börsen nicht die gewohnte Logik durch. Der gestrige Handelstag war ein gutes Beispiel dafür. Üblicherweise beflügelt eine niedrigere als erwartete Inflation die Märkte – in der Hoffnung auf Zinssenkungen durch die Notenbank. Tatsächlich fiel die US-Inflation im Dezember leicht unter die Prognosen. Dennoch blieb die erhoffte Rally aus. Der Grund: Anleger glauben weiterhin nicht daran, dass die Federal Reserve vor dem Ausscheiden von Jerome Powell im Juni weitere Zinsschritte nach unten einleiten wird.
Zwar hatte der Inflationswert einen leicht positiven Effekt, doch das Gesamtbild dämpfte die Stimmung. Die Wall Street schloss leicht im Minus: S&P 500 und Nasdaq gaben jeweils rund 0,2% nach. Der Dow Jones verlor 0,8% – belastet vor allem durch den Finanzsektor. JPMorgan Chase präsentierte zwar solide Quartalszahlen, doch ein Vorschlag von Präsident Donald Trump zur Deckelung von Kreditkartenzinsen sorgte für Verunsicherung. Es ist bereits das zweite Mal innerhalb einer Woche, dass das Weiße Haus seine Bereitschaft signalisiert, sich in privatwirtschaftliche Belange einzumischen – nach einem Vorstoß in den Wohnimmobilienmarkt. In Unternehmenskreisen wächst die Beunruhigung – auch wegen des parallel steigenden politischen Drucks auf die Geldpolitik der Fed.
Nach einem turbulenten Jahresauftakt prägen derzeit folgende Dynamiken das Marktgeschehen:
Geopolitische Spannungen rund um zwei ölreiche Staaten – Venezuela und Iran – treiben den Brent-Ölpreis binnen Wochenfrist um 9% nach oben.
Zweifel an der Unabhängigkeit der US-Notenbank, einer der zentralen Stabilitätsanker der Weltwirtschaft – mit der Folge: ein Run auf Gold und andere Edelmetalle (Silber durchbrach gestern die Marke von 90 USD).
Robuste konjunkturelle Dynamik – in den USA (KI-getrieben) wie in China (Exportboom) – sorgt für Kursgewinne bei Industriemetallen.
Staatliche Eingriffe in den USA – mit branchenspezifischen Belastungen für Banken (Zinsdeckel bei Kreditkarten), Immobilien (Restriktionen für institutionelle Investoren), Gesundheitswesen (Regulierung von Medikamentenpreisen) und Rüstungsindustrie (Preisdruck bei Armee-Zulieferern).
Diese Faktoren sind nicht in Stein gemeißelt, prägen jedoch das frühe Marktbild im Jahr 2026.
Der heutige Handelstag richtet den Blick vor allem auf den US-Finanzsektor: Zur Mittagszeit legen Bank of America, Wells Fargo und Citigroup ihre Zahlen vor. Am frühen Nachmittag folgen die Erzeugerpreise aus den USA. Zudem könnte der Supreme Court seine mit Spannung erwartete Entscheidung zur Verfassungsmäßigkeit von Trumps Zöllen bekanntgeben – ein echter Unsicherheitsfaktor für die Sitzung. Ob der Spruch heute erfolgt, weiß allein das Gericht. Doch dieser Mittwoch gilt als ein wahrscheinlich Termin für solche Urteile.
Die Schlagzeilen des Morgens kommen aus China. Zum einen hat die Börsenaufsicht die Mindestmarge für kreditfinanzierte Aktienkäufe auf 100% erhöht (zuvor: 80%). Die Maßnahme gilt für die Festlandbörsen (insbesondere Shanghai und Shenzhen) und soll systemische Risiken begrenzen. Zum anderen meldet China einen neuen Rekordüberschuss im Außenhandel – trotz US-Zöllen. Die Dezember-Daten fielen besser aus als erwartet und hieven das Exportwachstum für 2025 auf 5,5% – trotz eines Rückgangs der Ausfuhren in die USA um 20% im Jahresvergleich. Starke Zuwächse gab es nach Afrika (+25,8%), ASEAN (+13,4%), Indien (+12,8%) und in die EU (+8,4%). Führende Exportkategorien waren Halbleiter (+26,8%), Schiffe (+26,7%) und Automobile (+21,4%). Klassische US-orientierte Güter wie Spielzeug (-12,7%) und Schuhe (-11,3%) entwickelten sich hingegen schwach. „Die Exportstruktur zeigt, dass China weiter in der Wertschöpfungskette aufsteigt“, kommentiert ING-Ökonomin Lynn Song. China bleibt also – wenig überraschend – das globale Lieferzentrum: modernisiert, neu ausgerichtet und trotz US-Zöllen robust aufgestellt.
In den Asien-Pazifik-Märkten zeigte sich Südkoreas KOSPI zunächst schwächer – das Ende der acht Tage andauernden Gewinnserie schien greifbar – konnte sich aber fangen und schloss 0,5% im Plus. Auch die übrigen Börsen der Region legten zu – mit Ausnahme Chinas, wo die verschärfte Marge frühere Gewinne zunichtemachte: Der CSI 300 schloss leicht im Minus. In Japan gewann der Nikkei 225 weitere 1%, getragen von Hoffnungen auf ein umfassendes Konjunkturpaket der Regierung Takaichi. Der Yen hingegen rutscht zunehmend in eine kritische Zone, die traditionell Interventionen der Bank of Japan auslöst. Die westlichen Futures zeigen sich dagegen zurückhaltend – belastet durch die politische Unsicherheit in den USA, auch wenn sie weiterhin in der Nähe ihrer jüngsten Höchststände notieren.
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Wirtschaftliche Höhepunkte:
Die gesamte Agenda gibt es hier.
- EUR / USD: 1,17 $
- Gold: 4.633,43 $
- Rohöl (Brent): 65,02 $
- Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,17 %
- BITCOIN: 95.012,6 $
In den Nachrichten:
- Bayer strebt bis 2030 eine operative Marge von 30% in der Pharmasparte an und setzt dabei auf neue Medikamente.
- Allianz stuft Künstliche Intelligenz im jährlichen Risiko-Barometer als zweitgrößtes globales Geschäftsrisiko ein.
- Dax erreicht neue Rekordstände, getrieben von internationalen Kapitalzuflüssen.
- Novo nordisk plant die Einführung einer Tablettenform seines Adipositas-Medikaments Wegovy, sieht sich jedoch mit Marktherausforderungen konfrontiert.
- Astrazeneca übernimmt Modella AI, um die Krebsforschung mithilfe Künstlicher Intelligenz zu stärken.
- Engie erhält in Indien den Zuschlag für sein erstes Hybridprojekt aus Solarenergie und Batteriespeicherung.
- Prudential ernennt Douglas Flint zum neuen Verwaltungsratsvorsitzenden.
- Ipsen erhält von der US-Arzneimittelbehörde FDA den Status „Breakthrough Therapy“ für IPN60340 zur Behandlung von AML.
- Rockwool: Jyske Bank, Bernstein und Morgan Stanley senken die Kursziele aufgrund von Abschreibungsrisiken.
- Bonesupport meldet ein Umsatzwachstum von 36% im vierten Quartal 2025 und erwartet für 2026 ein Plus von über 35%.
- Julius baer steht vor einem Führungswechsel: Nic Dreckmann tritt als COO und interimistischer CEO zurück.
- Workspace sieht sich mit Forderungen von Saba Capital nach strategischem Verkauf und Verwertung von Vermögenswerten konfrontiert.
- Hera führt Gespräche über die Übernahme der Sostelia Group, um das Wassergeschäft zu stärken.
- Tesla stellt seine Full-Self-Driving-Software auf ein Abonnementmodell um und nimmt an einer Mediation im Streit mit der EEOC teil.
- Netflix prüft ein reines Barangebot zur Übernahme der Filmstudios und Streaming-Sparte von Warner Bros. Discovery.
- Nvidia ist von den schwankenden US- und China-Politiken zum Export und Import seiner H200-AI-Chips betroffen.
Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.
Analystenempfehlungen:
- Porsche Ag: Bernstein hält an seiner Market-Perform-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 42 auf 50 EUR.
- Mercedes-Benz Group Ag: Bernstein hält an seiner Marktperformance-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 60 auf 66 EUR.
- Deutsche Bank Ag: Mediobanca hält an einer neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von EUR 30,10 auf EUR 33.
- Hapag-Lloyd Ag: Goldman Sachs hält an seiner Verkaufsempfehlung fest und senkt das Kursziel von 78 EUR auf 74 EUR.
- Dhl Group: Goldman Sachs stuft von kaufen auf neutral mit einem von 48 EUR auf 51 EUR erhöhten Kursziel.
- Lufthansa: Barclays stuft von Marktgewichtung auf Untergewichtung mit einem von 7,70 EUR auf 7,80 EUR erhöhten Kursziel.
- Heidelberg Materials Ag: Barclays hält an seiner Übergewichtungsempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 261 auf 265 EUR.
- Ca Immobilien Anlagen Ag: Kempen hält an seiner neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 23,50 EUR auf 25 EUR.
- Südzucker Ag: Deutsche Bank hält an seiner Halte-Empfehlung fest und senkt das Kursziel von 11 auf 9 EUR.



















