Ein paar robuste makroökonomische Indikatoren in den USA genügten, um Zweifel daran aufkommen zu lassen, ob die Zinssenkung der Fed in der vergangenen Woche tatsächlich gerechtfertigt war. Ja, genau dieselben Märkte, die zuvor enormen Druck auf Jerome Powell und sein Team ausgeübt hatten, die Geldpolitik zu lockern. Sowohl der Anleihemarkt als auch der Devisenmarkt beginnen daran zu zweifeln, dass die Zentralbank diesen Kurs beibehalten wird. Die Mehrheit der Händler rechnet zwar weiterhin mit weiteren Zinssenkungen, doch gestern traten erstmals abweichende Stimmen auf.
Die Zinssenkungen – mehr noch als die gute Verfassung der US-Wirtschaft – waren ein zentraler Treiber des jüngsten Kursanstiegs. Dass diese jetzt infrage gestellt werden, stößt an der Wall Street auf wenig Gegenliebe. Drei rote Handelstage in Folge sind die Folge – und mit ihnen kehrt auch die Debatte über das mögliche Bestehen einer spekulativen Blase zurück. Das ist die große Geschichte dieser Woche.
Aber da heute Freitag ist, nutze ich die Gelegenheit für einen kleinen Themenwechsel – auch wenn wir beim Oberthema „Blasen“ bleiben. Ich habe nämlich entdeckt, dass die UBS jährlich einen Global Real Estate Bubble Index veröffentlicht, der sich mit überhitzten Immobilienmärkten in den weltweit wichtigsten Städten beschäftigt. Zugegeben, ich bin mit dieser Entdeckung etwas spät dran, aber offenbar ist der Bericht sehr gefragt. Zu meiner Verteidigung sei gesagt: Ich bekomme im Schnitt 600 E-Mails pro Tag mit Studien und Analysen von Banken, Vermögensverwaltern, Presseagenturen, Brokern und allerlei Spezialisten. Von den paar hundert E-Mails zu allen anderen möglichen Themen ganz zu schweigen. Gott sei Dank gibt es automatische Filter!
So war die UBS offenbar irgendwo zwischen dem neuesten PR-Text eines Finanz-Influencers, der mit 19 seine Biografie verfasst hat, und der Korrekturanfrage der Kommunikationsagentur eines US-Konzerns, der mal ein Online-Buchhändler war, durchgerutscht. Letztere wollte uns übrigens dazu bringen, eine Überschrift abzuschwächen, weil sie angeblich nicht wohlwollend genug war – obwohl das Unternehmen eben doch regelmäßig Mitarbeiter entlässt. Aber hey, sie sind trotzdem nett. Ihr Logo ist ja auch ein großes Lächeln.
Aber ich schweife ab – zurück zur Immobilienblasen-Studie. Die UBS erklärt, dass sich Immobilienblasen dadurch auszeichnen, dass sich die Preise dauerhaft von Einkommen, Mieten und wirtschaftlichen Fundamentaldaten abkoppeln. Die Bank betont, dass sie zwar das Risiko bewertet, aber keine Prognosen über Zeitpunkt oder Ausmaß einer möglichen Korrektur abgibt. Es ist ein bisschen so wie wenn ich sage, dass der Aktienmarkt gerade stark ist – und er dann drei Tage in Folge fällt.
Die aktuell riskanteste Metropole für Immobilieninvestments ist laut UBS Miami. Nach 15 Jahren mit teils extremen Preisanstiegen verlangsamt sich der Markt in der floridianischen Metropole nun – und es entstehen erste Spannungen. Auf Platz zwei und drei folgen Tokio und Zürich. Die Schweizer Finanzhauptstadt verzeichnete in den vergangenen zehn Jahren einen Preisanstieg von 60% – doppelt so viel wie die Mieten und fünfmal so viel wie die Einkommen. Am stärksten zugelegt hat allerdings Madrid: In der spanischen Hauptstadt stiegen die Mieten um 10% und die Preise um 15% innerhalb eines Jahres. Internationale Käufer treiben die Nachfrage, und die Behörden versuchen, mit Maßnahmen wie Mietregulierungen und der Einschränkung von Goldenen Visa gegenzusteuern. Laut UBS befindet sich Madrid allerdings nicht in einer Blase, sondern lediglich in einer Aufwärtsphase.
Zwei weitere Erkenntnisse aus der Studie fand ich besonders bemerkenswert: Erstens dauert es für eine qualifizierte Fachkraft im Dienstleistungssektor in Hongkong im Schnitt 14 Jahre, um sich eine 60 m² große Wohnung in Zentrumsnähe leisten zu können. Damit liegt Hongkong vor Paris (12,5 Jahre) und London (12 Jahre). Trotzdem tauchen weder Hongkong noch Paris oder London in der Rangliste der Blasenmetropolen ganz oben auf. Zweitens braucht es in Zürich im Schnitt 43 Jahresmieten, um den Kaufpreis einer Wohnung zu decken – Rekordwert. In München und Genf sind es immerhin noch rund 39 Jahre.
Zurück zu ernsteren Themen: Heute steht der Pharmasektor unter Druck. Donald Trump hat angekündigt, ab dem 1. Oktober Zölle in Höhe von 100% auf alle Importe patentgeschützter Medikamente zu erheben – es sei denn, die Hersteller haben bereits mit dem Bau von Produktionsanlagen in den USA begonnen. Gestern gerieten Unternehmen aus dem Bereich Medizintechnik unter Druck, nachdem eine US-Untersuchung zu Importen entsprechender Produkte bekannt wurde. Donald Trump scheint grundsätzlich zum Thema Zollpolitik zurück an den Reißbrett gegangen zu sein. Zusätzlich kündigte er neue Aufschläge von 25% auf Lkw-Importe und 50% auf Sanitärprodukte an. Außerdem kursieren Gerüchte über eine neue Offensive gegen Halbleiter, mit dem Ziel, die Abhängigkeit der USA von ausländischen Lieferanten weiter zu reduzieren.
Heute folgt eine weitere umfangreiche Serie von Makrodaten in den USA. Angesichts der jüngsten Stimmungsumschwünge könnte ein robustes Datenpaket – mit soliden Zahlen zu Einkommen, Konsumausgaben und Verbrauchervertrauen sowie womöglich etwas zu hoher PCE-Inflation – die Erzählung „Oh Gott, sie können die Zinsen doch nicht weiter senken“ weiter befeuern und sich in den Prognosen der Händler niederschlagen.
Zum Schluss ein Blick auf die geopolitische Lage: Die Spannungen mit Russland nehmen zu. Die USA verschärfen ihren Ton, und es heißt, dass europäische Staaten Russland über diplomatische Kanäle wissen ließen, dass sie bereit seien, russische Kampfjets abzuschießen, sollte es zu provokativen Manövern kommen.
In der Asien-Pazifik-Region notieren heute alle Märkte im Minus – mit Ausnahme Australiens, das sich auf eine stabile Schlussnote schleppt. Die Verluste in Indien, Japan und China bleiben mit unter 1% begrenzt. Südkorea verliert hingegen 2,5%, belastet durch die Sektoren Pharma und Technologie. In Europa zeigen die Frühindikatoren ins Plus – doch die erhöhte Volatilität macht den Trend fragil.
(Dies ist eine automatische Übersetzung, klicken Sie hier, um den Originalartikel aufzurufen)
Wirtschaftliche Höhepunkte:
Auf der heutigen Agenda: in den Vereinigten Staaten, der Kern-PCE-Preisindex MoM und YoY, das persönliche Einkommen, der Haushaltskonsum und das Verbrauchervertrauen der Universität von Michigan. Die gesamte Agenda gibt es hier.
- EUR / USD: 1,17 $
- Gold: 3.751,35 $
- Rohöl (Brent): 68,72 $
- Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,18 %
- BITCOIN: 109.552 $
In den Nachrichten:
- Sap sicherte sich einen Auftrag der US-Armee im Wert von 1 Milliarde Dollar und schloss eine Partnerschaft mit OpenAI zur Nutzung von KI im öffentlichen Sektor in Deutschland. Gleichzeitig steht das Unternehmen wegen möglicher Wettbewerbsverzerrung im Markt für On-Premise-Softwarewartung unter EU-Untersuchung.
- Volkswagen erhielt ein Gerichtsurteil, wonach ein Software-Update im Zusammenhang mit dem Dieselskandal rechtswidrig ist. Zudem hat der Konzern die Produktion an mehreren deutschen Standorten wegen rückläufiger Nachfrage nach Elektrofahrzeugen reduziert.
- Commerzbank könnte durch ihre laufenden Aktienrückkäufe ein Übernahmeziel für Unicredit werden.
- Essilorluxottica erhielt von der US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung für die Essilor-Stellest-Linse zur Verlangsamung des Fortschreitens von Kurzsichtigkeit bei Kindern.
- Nestlé ernannte Alfonso Gonzalez Loeschen zum neuen CEO von Nespresso.
- Generali führt Gespräche mit Natixis über eine Kooperation im Asset Management und hat ihre erste ewige, nachrangige Tier-1-Anleihe über 500 Millionen Euro platziert.
- Aroundtown emittierte Anleihen im Gesamtwert von 850 Millionen Euro.
- Lpp kündigte an, im dritten Quartal 200 bis 250 neue Filialen zu eröffnen, und meldete für das zweite Quartal einen Anstieg des Nettogewinns um 5,4% auf 467 Millionen Zloty.
- Siegfried holding kündigte an, dass CEO Andreas Casutt im Jahr 2026 zurücktritt. Nachfolger wird Beat Walti.
- Meta verhandelt mit Google über die Nutzung von Gemini AI für personalisierte Werbung und stellte einen neuen KI-basierten Videofeed namens Vibes vor.
- Tiktok erhielt eine Fristverlängerung von 120 Tagen zur Einhaltung der US-Vorgaben und einigte sich auf einen Verkaufsplan, bei dem Oracle, Silver Lake und MGX gemeinsam 45% übernehmen sollen.
- Intel sucht Investoren oder Partner, unter anderem TSMC und Apple, angesichts schwacher US-Börsenentwicklung.
- Microsoft stellte aus Sorge über Überwachung die Dienste für eine israelische Militäreinheit ein.
- Coreweave weitete seine Partnerschaft mit OpenAI in einem Deal im Wert von bis zu 6,5 Milliarden Dollar aus.
Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.
Analystenempfehlungen:
- Evonik Industries Ag: Oddo BHF hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und reduziert das Kursziel von 23 EUR auf 20 EUR.
- Henkel Ag & Co. Kgaa: Goldman Sachs hält an seiner Verkaufsempfehlung fest und senkt das Kursziel von 78 auf 73 EUR.
- Befesa S.a.: Citi hält an einer neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 28 auf 30 EUR.
- Siemens Ag: HSBC hält an seiner Halte-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 210 auf 240 EUR.
- Knorr-Bremse Ag: JP Morgan hält an einer neutralen Empfehlung fest und senkt das Kursziel von 93 auf 92 EUR.
- Fraport Ag: JP Morgan hält an einer neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 69 auf 77 EUR.
- Zalando Se: Citi hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 40 EUR auf 41 EUR.
- Brenntag Se: Goldman Sachs hält an seiner Kaufempfehlung fest und reduziert das Kursziel von 82 EUR auf 72 EUR.
- Rheinmetall Ag: Bernstein startet eine Marktperformance-Empfehlung mit einem Kursziel von 1960 EUR.



















