Frankfurt verlor 1,3%, Paris 1,8%, Amsterdam 1,7%, Zürich 1% und London 0,4%. Die europäischen Börsen eröffneten die Woche mit starken Verlusten, nachdem Präsident Donald Trump de facto ein Ultimatum ausgesprochen hatte: Verkauft mir Grönland oder stellt euch den Konsequenzen – namentlich einer neuen Runde von Strafzöllen. Nach anfänglicher Ungläubigkeit scheint der Markt nun in eine Korrekturphase einzutreten und kämpft noch immer damit, die volle Tragweite des Moments zu erfassen. Wie es der Kolumnist des Wall Street Journal, James Mackintosh, über Nacht treffend formulierte: „Die Märkte wissen nicht, was sie davon halten sollen… Die neue Weltordnung ist womöglich so schwer zu begreifen, dass Investoren sie lieber ignorieren.“ Auch wenn der Satz womöglich bereits überholt ist, bringt er doch eine Stimmung stiller Desorientierung auf den Punkt.
Nicht alle Investoren befinden sich jedoch im Zustand der Verdrängung. Der US-Anleihemarkt etwa zeigt klare Anzeichen von Unbehagen. Auf der anderen Seite der euphorischen Aktienhändler sitzen die ernsteren Akteure der Welt der festverzinslichen Wertpapiere – seriös, konservativ, risikoscheu. Diese Investoren fungieren oft als Hüter finanzpolitischer Orthodoxie: selten laut, aber wenn sie sich zu Wort melden, hört der Markt zu. Man erinnert sich an den April, als die sogenannten „Bond Vigilantes“ Trump dazu zwangen, seinen ursprünglichen Zollplan zurückzunehmen. Ihre Botschaft kam über einen Ausverkauf bei US-Staatsanleihen, was die Renditen abrupt steigen ließ – ein Echtzeit-Indikator für schwindendes Vertrauen in die amerikanische Kreditwürdigkeit.
Die aktuelle Marktreaktion Mitte Januar ist weniger dramatisch, aber dennoch aufschlussreich. Der Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen über das Wochenende deutet darauf hin, dass die Anleihegläubiger über die jüngsten Entwicklungen wenig erfreut sind. Die zugrunde liegende Logik ist einfach: Die Unabhängigkeit der Fed steht infrage, das Weiße Haus entfremdet seine größten Gläubiger (der europäische Block hält den größten Bestand an US-Staatsanleihen), die Nachfrage nach US-Schuldtiteln nimmt ab, die Finanzierungskosten steigen, die fiskalischen Bedingungen verschlechtern sich, die Schuldenlast verteuert sich – und damit beginnt ein Teufelskreis. Die ohnehin angespannte Stimmung wird zusätzlich belastet durch anstehende Entwicklungen: Urteile des Supreme Court zur Rechtmäßigkeit von Trumps Zöllen und zur Absetzung von Lisa Cook aus dem Gouverneursrat der Federal Reserve, die Ernennung von Jerome Powells Nachfolger sowie Trumps Grundsatzrede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am Mittwoch. Der Volatilitätsindex VIX, der sich in den vergangenen Tagen ungewöhnlich ruhig verhielt, stieg um 3% und nähert sich der 20-Punkte-Marke – traditionell die Schwelle zwischen normalem Stress und außergewöhnlicher Anspannung.
Der heutige Handelstag dürfte somit von diesen Spannungen dominiert werden – ebenso wie von der Wiedereröffnung der Wall Street nach dem Feiertag (die Terminkontrakte deuten auf einen deutlich schwächeren Start hin, auch wenn sich bis zur Eröffnung um 15:30 noch viel ändern kann). Zudem steht eine ganze Reihe von US-Unternehmenszahlen an, darunter Netflix, 3M Company, US Bancorp, Fastenal, DR Horton und United Airlines.
Im Asien-Pazifik-Raum konnte der südkoreanische KOSPI seine Gewinnserie nicht auf den 13. Handelstag in Folge ausweiten. Der in den Jahren 2025 und Anfang 2026 herausragende Index der Region verzeichnete erstmals einen Rückgang und schloss 0,4% im Minus. Auch im Rest der Region dominierte rote Farbe – von einem moderaten Minus von 0,1% in Hongkong bis zu einem deutlicheren Rückgang von 1,1% in Tokio, wo die Rendite 40-jähriger japanischer Staatsanleihen mit 4% ein Niveau erreichte, das seit ihrer Einführung im Jahr 2007 nicht mehr gesehen wurde. Auch in Europa wird heute Morgen mit einer schwächeren Eröffnung gerechnet.
Wirtschaftliche Höhepunkte:
Auf der heutigen Agenda: die 1- und 5-Jahres-Leitzinsen in China; im Vereinigten Königreich, die Beschäftigungsänderung, das durchschnittliche Einkommen einschließlich Bonus und die Arbeitslosenquote; in Deutschland, der jährliche PPI; in Spanien, die Handelsbilanz; in China, die kumulierte jährliche FDI; der ZEW-Konjunkturindex für die Eurozone und Deutschland; in den Vereinigten Staaten, die Änderung der API-Rohölbestände. Die gesamte Agenda gibt es hier.
- EUR / USD: 1,17 $
- Gold: 4.712,31 $
- Rohöl (Brent): 63,98 $
- Anleihe Vereinigte Staaten 10 Jahre: 4,27 %
- BITCOIN: 90.969,7 $
In den Nachrichten:
- Lufthansa: Die Fluggesellschaft streicht alle Flüge nach Teheran bis zum 29. März.
- Sgs: Das Unternehmen eröffnet ein neues Labor für Analysen in Manchester.
- Ao world: Der Chef der Firma hat eigene Aktien im Wert von 2,6 Millionen Pfund verkauft.
- National grid: Der Personalchef Will Serle hat Anteile am Unternehmen verkauft.
- Prospex energy: Die Firma sammelt Geld über Kredite, um in ein seismisches Programm zu investieren.
- Meta platforms: Die britische Glücksspielbehörde kritisiert das Unternehmen, weil auf Facebook und Instagram illegale Casino-Werbung erscheint.
- Henkel: Das Unternehmen spricht mit Wendel SE über einen möglichen Kauf der Firma Stahl.
- Wendel: Die Beteiligungsgesellschaft führt Gespräche mit Henkel.
- Mps: Die Bank verhandelt weiter mit Mediobanca über eine Fusion; die Regierung unterstützt dabei den Chef von MPS.
- Mediobanca: Die Bank führt weiterhin Gespräche über einen Zusammenschluss mit MPS.
- Tf bank: Die Bank hat mehr Gewinn gemacht als erwartet und zahlt eine höhere Dividende.
- Kjell group: Das Unternehmen gibt neue Aktien aus, um insgesamt über 200 Millionen Schwedische Kronen einzunehmen.
- Gimv: Die Investmentgesellschaft hat gemeinsam mit EQT Kapital für die Forschung von Exciva bereitgestellt.
- Nordea: Die Bank hat das Kursziel für Vestas-Aktien auf 210 Dänische Kronen angehoben.
- Vestas: Die Aktie wird von Nordea weiterhin zum Kauf empfohlen.
- Hewlett packard enterprise: Jeremy Cox wird ab dem 1. November 2023 der neue Finanzchef.
- Lululemon: Bei der Firma gibt es einen internen Streit um die Absetzung von Advent aus dem Vorstand.
- Advent: Der Investor soll aus dem Vorstand von Lululemon entfernt werden.
Weitere Nachrichten von Unternehmen, die in Deutschland notiert sind, finden Sie hier.
Analystenempfehlungen:
- Heidelberg Materials Ag: Rothschild & Co Redburn hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 230 auf 271 EUR.
- Porr Ag: Berenberg hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 37,50 auf 40 EUR.
- Basf: Bernstein hält an seiner Outperform-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 51 auf 53 EUR.
- Fresenius Medical Care Ag: Goldman Sachs stuft von kaufen auf neutral mit einem von 55 EUR auf 40 EUR reduzierten Kursziel.
- Carl Zeiss Meditec Ag: Goldman Sachs stuft von kaufen auf neutral mit einem von 54 EUR auf 42 EUR reduzierten Kursziel.
- Bayer Ag: HSBC hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 40 auf 55 EUR.
- Aixtron Se: Deutsche Bank hält an seiner Halte-Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 15 auf 20 EUR.
- Suss Microtec Se: Deutsche Bank hält an seiner Kaufempfehlung fest und erhöht das Kursziel von 40 EUR auf 58 EUR.
- Commerzbank Ag: JP Morgan hält an einer neutralen Empfehlung fest und erhöht das Kursziel von 33 auf 36 EUR.






















