Ein Ausblick auf den heutigen Tag an den europäischen und globalen Märkten von Stella Qiu:
Heute ist der Stichtag für neue Zölle, und Präsident Donald Trump hat geliefert: Frische Abgaben auf Importe aus Dutzenden Ländern, darunter auch solche ohne bestehendes Handelsabkommen, wurden verhängt.
Die Sätze liegen bei 35% für Kanada, 25% für Indien, 20% für Taiwan und 19% für Thailand. Die Schweiz trifft es mit satten 39% - einer der höchsten Werte - was die Frage aufwirft: Was hat Trump gegen die Schweizer? Kaufen sie zu wenig amerikanische Schokolade oder Uhren?
Der große Tag folgt auf Monate des Taktierens, zahlreicher Treffen, Verzögerungen und Waffenstillstände, die einige Investoren dazu brachten, sich zu fragen, was wirklich eine Bedrohung darstellt und was nur ein Bluff ist. Tatsächlich bleibt noch vieles zu klären.
Die meisten Zölle sind wohl niedriger als die am 2. April angedrohten, die damals die Märkte ins Schleudern brachten. Zudem wurden die großen Handelsabkommen mit Japan und der Europäischen Union abgeschlossen, während die Gespräche mit China und Mexiko weiterhin andauern.
Das dürfte erklären, warum die Marktreaktion diesmal deutlich verhaltener ausfällt. Zwar fielen die meisten asiatischen Aktien, allerdings nur moderat. Südkorea bildet mit einem Einbruch von über 3% eine Ausnahme, was zum Teil auf die Rücknahme von Steuersenkungen im Inland zurückzuführen ist.
Taiwans Präsidentin erklärte, dass der 20%-Zoll nur vorübergehend sei und mit Abschluss eines Abkommens weiter gesenkt werden dürfte.
Die Wall Street und europäische Aktien zeigten sich von den Zolllnachrichten wenig beeindruckt. Die EUROSTOXX 50-Futures verloren 0,3%. Auch die Nasdaq- und S&P 500-Futures gaben um 0,2% nach, bedingt durch einen 6%-Einbruch bei Amazon, nachdem die Quartalszahlen die hohen Erwartungen verfehlten.
Mit den Zolllnachrichten aus dem Weg steht nun die Veröffentlichung der vorläufigen Inflationsdaten (CPI) für die Eurozone an. Erwartet wird ein leichter Rückgang auf 1,9% im Juli gegenüber 2,0% im Vorjahr. Die Märkte preisen bis Anfang nächsten Jahres lediglich eine halbe Zinssenkung der Europäischen Zentralbank ein.
Danach richtet sich der Blick auf die US-Arbeitsmarktdaten, die entscheidend für die Hoffnungen auf eine Zinssenkung der US-Notenbank im September sind - die Wahrscheinlichkeit liegt aktuell bei nur noch 40%, deutlich unter den 75% von vor einem Monat.
Die Prognosen gehen von einem Stellenzuwachs um 110.000 im Juli aus, während die Arbeitslosenquote voraussichtlich von 4,1% auf 4,2% steigt. Positive Überraschungen könnten die Chancen auf eine Zinssenkung im kommenden Monat weiter schmälern und dem Dollar weiteren Auftrieb geben.
Der Greenback steuert auf seine beste Woche seit fast drei Jahren zu - mit einem Plus von 2,5% gegenüber anderen Leitwährungen - und festigt damit seinen jüngsten Aufwärtstrend vom Dreijahrestief.
Unterstützung erhält der Dollar von einer restriktiven US-Notenbank, die angesichts der Zolllrisiken bislang auf Lockerungen verzichtet hat. Tatsächlich fiel der bevorzugte Inflationsindikator der Fed in der vergangenen Nacht etwas höher aus und deutet damit auf erste Auswirkungen der Zölle hin.
Wichtige Ereignisse, die am Freitag die Märkte beeinflussen könnten:
- Vorläufige Inflationsdaten (CPI) für die Eurozone im Juli
- US-Arbeitsmarktdaten für Juli, ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe
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