Bevor wir zu den einzelnen Werten kommen, ein kurzer Blick auf die Methodik. Die Analyse basiert auf fünf Jahren Geschäftsberichten. Die Auswahl erfolgt anhand der folgenden Kriterien:
- Europa und USA: Fokus auf liquide, für Privatanleger leicht zugängliche Märkte.
- Marktkapitalisierung unter 20 Mrd. US-Dollar: Vermeidung von Mega-Caps, die bereits intensiv beobachtet werden.
- RSI 14: Momentum-Indikator über 14 Perioden. Gesucht werden Werte zwischen 50 und 65, also mit positiver Dynamik, aber ohne extreme Überhitzung.
- AR_CT: Bewertung der Stärke und Regelmäßigkeit des kurzfristigen Trends. Mindestwert 8 von 10.
- AR_MT: Bewertung des mittelfristigen Trends. Mindestwert 9 von 10, um reine Erholungsbewegungen auszuschließen.
- GD20: Durchschnitt der letzten 20 Handelstage als Maß für den kurzfristigen Trend. Mindestwert 6 von 10.
- GD50: Durchschnitt der letzten 50 Handelstage als Indikator für den übergeordneten Trend. Mindestwert 5 von 10.
Watts Water: Ein Industrieunternehmen mit steigenden Margen
Watts Water stellt Produkte her, die meist erst dann auffallen, wenn sie nicht funktionieren. Rückschlagventile, Druckregler, Armaturen, Heizkessel und Warmwasserbereiter gehören seit 1874 zum Kerngeschäft des Unternehmens. Mit zunehmender Komplexität moderner Gebäude und steigenden Kosten durch Wasserschäden gewinnt dieses Geschäft jedoch an strategischer Bedeutung.
Das Umsatzwachstum bewegt sich mit rund 7 bis 8 % pro Jahr in einem soliden Rahmen. Der eigentliche Kurstreiber ist jedoch die Profitabilität. Innerhalb von fünf Jahren stieg die Bruttomarge von 42,4 % auf 49,5 %. Dadurch konnte sich das Ergebnis je Aktie von 4,88 auf 10,17 US-Dollar zwischen 2021 und 2025 mehr als verdoppeln. Treiber dieser Entwicklung sind Preiserhöhungen sowie ein hochwertigeres Produktportfolio mit vernetzten Lösungen, die Lecks oder Frostschäden erkennen und automatisch die Wasserzufuhr unterbrechen können. Watts verkauft zunehmend komplette Lösungen statt einzelner Produkte und stärkt damit seine Preissetzungsmacht.
Hinzu kommen eine Nettoliquiditätsposition und eine Dividende, die sich in fünf Jahren von 1,01 auf 1,99 US-Dollar nahezu verdoppelt hat. Als Risikofaktor bleibt die starke Abhängigkeit von Amerika, das 76 % des Umsatzes ausmacht, während Europa organisch schrumpft.
Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 14 % zugelegt. Das erste Quartal 2026 brachte weiteres Wachstum bei Umsatz und bereinigtem Gewinn, ohne dass die Jahresziele angepasst werden mussten. Mehrere Analysten stuften die Aktie zudem zu Jahresbeginn hoch. Mit einem erwarteten KGV von rund 27 für 2026 und einem Unternehmenswert von etwa dem 16,5-Fachen des EBITDA ist die hohe Qualität allerdings bereits weitgehend eingepreist. Die technischen Indikatoren bleiben kurz- und langfristig positiv, während der mittelfristige Trend eine Verschnaufpause signalisiert.
Indra: Spaniens Verteidigungschampion
Indra stützt sich auf zwei Geschäftsbereiche. Zum einen Minsait, einen großen Anbieter von IT-Dienstleistungen und Beratung. Zum anderen das strategisch bedeutende Geschäft mit Verteidigungselektronik und Flugsicherungssystemen, in dem das Unternehmen weltweit zu den führenden Anbietern zählt. Lange Zeit wenig beachtet, rückt dieses Segment nun zunehmend in den Fokus der Investoren.
Auslöser ist die geopolitische Entwicklung. Mit dem Ziel der NATO, die Verteidigungsausgaben bis 2035 auf 5 % des BIP zu erhöhen, wächst die Nachfrage nach militärischer Ausrüstung kräftig. Indra profitiert davon erheblich. Das Verteidigungsgeschäft erwirtschaftet derzeit etwa 1,4 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr, verfügt jedoch bereits über einen Auftragsbestand von mehr als 11 Mrd. Euro. Damit sind rechnerisch nahezu acht Jahre Produktion abgesichert. Ein großer Teil des künftigen Wachstums ist somit bereits sichtbar.
Die Verteidigungssparte verbessert zugleich die Profitabilität des Konzerns. Obwohl sie nur rund ein Viertel des Umsatzes beisteuert, erwirtschaftet sie fast die Hälfte des operativen Ergebnisses. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Konzernmarge dadurch von 7,5 % auf 9,5 %.
Zuletzt gewann Indra mehrere Aufträge im Bereich Flugsicherung und Verteidigung, unter anderem von Nav Canada und für Kontrolltürme in Warschau. Gleichzeitig kam es im Mai zu Turbulenzen im Management mit dem Abgang von Vorstandsvorsitzendem und CEO. Die Aktie zeigte sich davon unbeeindruckt. Nach einem Kursanstieg von 186 % im Jahr 2025 legte sie seit Jahresbeginn weitere 12 % zu.
Mit einem erwarteten KGV von etwa 20 und einer Bewertung von rund dem 10-Fachen des EBITDA für 2026 ist die Aufrüstungsfantasie allerdings bereits ambitioniert eingepreist. Zudem wurden die jüngsten Ergebnisverbesserungen teilweise durch Konsolidierungseffekte und Kundenanzahlungen begünstigt. Technisch bleibt der kurzfristige Trend positiv, während Mittel- und Langfristindikatoren noch zurückhaltender ausfallen.
PriceSmart: Das Costco Lateinamerikas
PriceSmart hat ein bewährtes Geschäftsmodell übernommen und in Regionen etabliert, die von den großen US-Einzelhändlern weitgehend vernachlässigt werden. Das Unternehmen betreibt 56 Mitglieder-Großmärkte in Mittelamerika, der Karibik und Kolumbien. Kunden zahlen einen Jahresbeitrag und erhalten Zugang zu Großhandelskonditionen – ein attraktives Angebot in Märkten mit noch geringer Marktdurchdringung des organisierten Einzelhandels und wachsender Mittelschicht.
Der Schlüssel zum Geschäftsmodell liegt in den Mitgliedsbeiträgen. Das Handelsgeschäft selbst arbeitet traditionell mit niedrigen Bruttomargen von rund 15,7 %. Der eigentliche Gewinn entsteht durch die Mitgliedschaften, deren Erlöse nahezu vollständig in das Ergebnis fließen. Obwohl sie lediglich 1,6 % des Umsatzes ausmachen, stiegen die Einnahmen daraus innerhalb von fünf Jahren von 56 Mio. auf 86 Mio. US-Dollar. Gleichzeitig liegt die Verlängerungsquote bei beeindruckenden 88,8 %, während der Anteil besonders loyaler Platinum-Mitglieder kontinuierlich zunimmt.
Die Stabilität dieses Modells zeigt sich in den Geschäftszahlen. Der Umsatz erhöhte sich seit 2021 von 3,6 auf 5,3 Mrd. US-Dollar. Das Wachstum wurde sowohl durch neue Standorte als auch durch starke flächenbereinigte Umsätze getragen, die 2025 um 6,7 % zulegten. Das Ergebnis je Aktie stieg im gleichen Zeitraum von 3,18 auf 4,82 US-Dollar. Gleichzeitig verfügt das Unternehmen über eine solide Bilanz mit Nettoliquidität.
Neue Märkte werden kontinuierlich erschlossen – von Guatemala bis zur Dominikanischen Republik. Im zweiten Quartal 2026 legten sowohl Umsatz als auch Gewinn erneut zu. Die Aktie reagierte entsprechend und gewann seit Jahresbeginn mehr als 40 %. Sämtliche technischen Zeithorizonte signalisieren einen intakten Aufwärtstrend. Der Markt honoriert diese Qualität allerdings mit einer hohen Bewertung: PriceSmart wird mit dem rund 31-Fachen der erwarteten Gewinne 2026 und dem etwa 14-Fachen des EBITDA gehandelt.




























