Die Anteilseigner haben allen Grund zur Skepsis: Der Kurs der BASF-Aktie ist seit mehreren Quartalen wieder auf das Niveau von vor 15 Jahren zurückgefallen. Damit reiht sich der Ludwigshafener Konzern in die lange Liste deutscher Konglomerate ein, deren Geschäftsmodell als überholt gilt und dringend neu erfunden werden muss – man denke etwa an Siemens, Bayer, Volkswagen oder ThyssenKrupp.
2025 erzielt BASF einen geringeren Umsatz als 2010, während sich der Gewinn vor Steuern und Sondereffekten im selben Zeitraum nahezu gedrittelt hat. Unter Berücksichtigung der Inflation fällt die Underperformance noch deutlicher aus.
Die Dividende je Aktie blieb in dieser Zeit unverändert. Allerdings war die Ausschüttung nun im dritten Jahr in Folge nicht durch den freien Cashflow gedeckt. Entsprechend wurde sie zwischen 2024 und 2025 um ein Drittel gekürzt.
Die Schwierigkeiten sind nicht neu, haben sich jedoch mit dem russischen Angriff auf die Ukraine und dem Wegfall günstiger Energieimporte aus Russland deutlich verschärft. Hinzu kommt eine Flut regulatorischer Vorgaben in Europa, die die Lage weiter belastet. Vor diesem Hintergrund setzte BASF strategisch stark auf China – ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, als sich dort erste Ermüdungserscheinungen der Konjunktur zeigten.
Das Mega-Projekt im chinesischen Zhanjiang etwa erforderte Investitionen in Höhe von zehn Milliarden Euro – das Zehnfache des bislang größten Projekts in den USA. Der Standort avanciert damit zum dritten globalen Drehkreuz des Konzerns nach Ludwigshafen und Antwerpen. Kaum in Betrieb genommen, dürfte das Werk 2026 operativ noch Verluste schreiben. Das Management stellt jedoch ab 2027 einen positiven Ergebnisbeitrag in Aussicht.
Ende 2025 veräußerte BASF zudem 60 % seiner Sparte für Industrielacke und Beschichtungen an Carlyle. Positiv ist hier vor allem der erzielte Bewertungsmultiplikator: Der Verkauf erfolgte zum 13-Fachen des EBITDA vor Sondereffekten – ein attraktiver Preis aus Sicht des Verkäufers. Zuvor war bereits das Geschäft mit dekorativen Farben an Sherwin-Williams abgegeben worden.
Auch die Agrarsparte steht grundsätzlich zur Disposition. Der Vorstand wartet jedoch offenbar auf günstigere Marktbedingungen, nachdem der Sektor drei schwierige Jahre hinter sich hat. Klar ist: Die Erlöse aus den Asset-Verkäufen sollen primär zum Schuldenabbau genutzt werden, um die Bilanz zu stärken und Investoren zu beruhigen.
Trotz der Dividendensenkung hält BASF an dem Ziel fest, einschließlich Aktienrückkäufen jährlich mindestens drei Milliarden Euro an die Aktionäre zurückzuführen. Die Reduzierung der Investitionen in China sowie das im vergangenen Jahr gestartete umfassende Sparprogramm sollen die Einhaltung dieser Zusage ermöglichen.
Gemessen an einer Marktkapitalisierung von 43 Milliarden Euro und einem Unternehmenswert von 63 Milliarden Euro fällt es jedoch schwer, hierin eine klar attraktive Bewertung zu erkennen. BASF muss daher rasch zu nachhaltigem Wachstum zurückfinden. Voraussetzung dafür wäre eine Entspannung des regulatorischen Umfelds in Europa – und vor allem keine negativen Überraschungen aus China.




















