Nikosia, 24. Apr (Reuters) - Deutschland und Frankreich unternehmen einen weiteren Anlauf, um das milliardenschwere FCAS-Rüstungsprojekt zu retten. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron beauftragten Verteidigungsminister Boris Pistorius und seine Amtskollegin Catherine Vautrin damit, die nächsten Schritte zu verabreden. Sie sollten "an verschiedenen Strängen der Kooperation" weiterarbeiten, sagte eine deutsche Regierungssprecherin am Freitag am Rande des informellen EU-Gipfels auf Zypern. "Diese Arbeit wird in den nächsten Wochen abgeschlossen werden." Der CDU-Verteidigungspolitiker Volker Mayer-Lay kritisierte: "Angesichts der sicherheitspolitischen Lage in Europa ist ein weiteres Aufschieben keine Option mehr - jetzt muss endlich entschieden und umgesetzt werden." Europa könne sich industriepolitische Grabenkämpfe nicht länger leisten.

"Wir gehen weiter voran", sagte Macron nach einem längeren Gespräch mit Merz in Nikosia. "Europa hat noch nie so sehr Einheit, mehr Unabhängigkeit und mehr Souveränität gebraucht", mahnte der französische Präsident. "Dieser Stillstand ist angesichts der geopolitischen Lage nicht nur unverständlich, sondern fahrlässig", sagte der CDU-Politiker Mayer-Lay.

Seit Monaten ringen beide Regierungen darum, den Streit zwischen Dassault Aviation auf französischer Seite und Airbus für Deutschland und Spanien bei der geplanten Entwicklung des "Future Combat Air System" (FCAS) als wichtigstes europäisches Rüstungsprojekt zu beenden. Dassault hatte überraschend einen größeren Arbeitsanteil an dem multilateralen Projekt gefordert. Die von beiden Regierungen eingesetzten Mediatoren hatten ihre Arbeit erfolglos beendet. Die französische Verteidigungsministerin hatte gesagt, dass man weitere Zeit brauche.

Während die Bundesregierung auf eine baldige Entscheidung dränge, versuche die französische Seite ein mögliches Aus für das Milliardenprojekt immer wieder hinauszuzögern, hieß es in Verhandlungskreisen. Möglich ist auch, dass die drei Länder eine gemeinsame Plattform für den Einsatz künftiger Flugzeuge und Drohnen entwickeln, Dassault und Airbus dann aber darunter verschiedene Kampfjets bauen. Die französische Seite möchte etwa ein Kampfflugzeug, das auch atomar bewaffnet werden und auf Flugzeugträgern landen kann. Mayer-Lay forderte eine Zwei-Fighter-Lösung. Die deutsche Industrie verfüge über die notwendigen Fähigkeiten, sei aber blockiert.

(Bericht von Andreas Rinke, redigiert von Hans Busemann. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)