Analysten von Goldman Sachs erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins im Juni und September um je 25 Basispunkte anheben wird. In einer Analyse verweisen sie darauf, dass bis Jahresende eine Anhebung des Leitzinses um etwa 60 Basispunkte eingepreist sei, dass die Banken zudem ihre Kreditstandards substanziell gestrafft hätten, die Finanzierungsbedingungen insgesamt aber noch günstig seien. "Die jüngste Verschärfung der Finanzierungs- und Kreditvergabebedingungen könnte die 'endogene' Reaktion auf die Erwartung einer strafferen Geldpolitik widerspiegeln, aber eben auch eine 'exogene' Reaktion auf die unsichereren geopolitischen Aussichten", schreiben sie. Diese Treiber voneinander zu trennen, sei für die EZB von entscheidender Bedeutung. Sie müsse bewerten, ob Leitzinserhöhungen erforderlich seien, um die strafferen Finanzierungsbedingungen und Kreditstandards zu unterstützen oder ob sie diese ersetzen sollten.

Die Analysten selbst kommen zu dem Ergebnis, dass der EZB-Rat einen Teil der erwarteten Zinserhöhungen tatsächlich vollziehen muss, wenn er die Nachfrage dämpfen und dem Inflationsdruck entgegenwirken will. "Gleichzeitig zeigt unsere Analyse, dass etwa ein Viertel der bevorstehenden Wachstumsbremse exogen zu den geldpolitischen Erwartungen verläuft, was die Notwendigkeit einer drastischen Straffung der Politik verringert. Dies würde unter sonst gleichen Bedingungen ein vorsichtiges Vorgehen bei den Zinserhöhungen stützen und deckt sich mit unserer Prognose von Zinsschritten um jeweils 25 Basispunkte im Juni und September", kalkulieren sie.

Kontakt: hans.bentzien@dowjones.com

DJG/hab/apo

(END) Dow Jones Newswires

May 29, 2026 03:32 ET (07:32 GMT)