Von Steffen Gosenheimer

DOW JONES--Angesichts offenbar stockender Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran zieht an den US-Börsen am Donnerstag nach den Vortagesgewinnen mit teils neuen Rekordständen bei den Indizes wieder etwas Vorsicht ein. Offiziell finden keine Verhandlungen in Pakistan zwischen den Kriegsparteien USA und Iran statt, beide Seiten stellen Forderungen als Voraussetzung.

Außerdem sorgen die weiter steigenden Ölpreise mit der nicht passierbaren Straße von Hormus für Zurückhaltung. Berichte über aufgebrachte Schiffe - und das nicht nur in der berüchtigten Meerenge - lassen bei den Ölpreisen keine Ruhe einkehren. Die USA sollen drei iranische Öltanker in asiatischen Gewässern abgefangen haben. Brent-Öl verteuert sich um 1,4 Prozent auf 103,30 Dollar.

Daneben dürften aber auch Gewinnmitnahmen die Indizes bremsen. Der Dow-Jones-Index gibt zum New Yorker Mittag um 0,2 Prozent nach auf 49.392 Punkte, der S&P-500-Index kommt von seinem Rekordhoch um 0,1 Prozent zurück, die Nasdaq-Indizes tendieren um die Vortagesstände.

Konjunkturseitig sind die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie und das Dienstleistungsgewerbe in den USA jeweils besser ausgefallen als erwartet. Beide liegen nun noch tiefer im Expansion anzeigenden Bereich.

Die Renditen von US-Staatsanleihen zeigen sich wenig bewegt, im Zehnjahresbereich beträgt sie unverändert 4,29 Prozent. Der Dollar ist als sicherer Hafen tendenziell gesucht und baut die kleinen Vortagesgewinne aus. Der Euro wird bei 1,1703 Dollar gesehen. Die allgemeine Unsicherheit könnte die Nachfrage nach dem Dollar als sicherem Hafen antreiben, heißt es.

Unternehmensseitig hat Tesla die Berichtssaison der sogenannten Magnificient Seven eröffnet, der sieben wichtigsten Technologiekonzerne. Der Elektroautobauer übertraf zwar die Markterwartungen, prognostiziert jedoch für 2026 rund 5 Milliarden höhere Investitionen als zunächst, insgesamt 25 Milliarden Dollar. CEO Elon Musk sagte außerdem, dass die Einführung von Robo-Taxis langsam verlaufen werde. 2026 rechne er hier nicht mit nennenswerten Einnahmen. Der Kurs gibt um 2,6 Prozent nach.

Microsoft will derweil bis Ende 2029 rund 18 Milliarden Dollar in Cloud- und KI-Infrastruktur in Australien investieren. Die Aktie reagiert darauf mit einem Abschlag von 3,7 Prozent.

Texas Instruments hat mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen übertroffen. Dazu kehrten die Ausgaben nach mehreren Jahren hoher Fabrikinvestitionen auf ein normales Niveau zurück. Zugleich sieht der Ausblick für das zweite Quartal stark aus. Der Kurs des Halbleiterkonzerns schießt um knapp 20 Prozent nach oben. Die Kurse anderer Halbleiterhersteller steigen im Sog ebenfalls. Arm kommen um 5,1 Prozent voran, AMD um 1,9 Prozent, Broadcom um 1,0 und Intel um 4,4 Prozent. Nvidia geben dagegen leicht nach.

Der IT-Riese IBM hat für das erste Quartal zwar einen bereinigten Gewinn 19 Prozent über Vorjahr berichtet, die Aktie sackt aber trotzdem um über 9 Prozent ab. Im Handel heißt es, angesichts der guten Quartalszahlen enttäusche der nur bestätigte Ausblick.

ServiceNow stürzen um 17,9 Prozent ab, nachdem der Entwickler von Unternehmenssoftware Quartalsergebnisse vorgelegt hat, die beim Wachstum der Abonnementerlöse nicht überzeugen. Durch den Iran-Krieg wurden Abschlüsse mehrerer großer Geschäfte im Nahen Osten verzögert. Die durchwachsenen Geschäftszahlen belasten auch andere Softwareaktien: Salesforce rutschen um 9,1 und Workday um 10,1 Prozent ab.

QuantumScape liegen 0,6 Prozent höher. Der Hersteller von Batterien für Elektrofahrzeuge meldete zwar einen Verlust, verzeichnet aber ein gestiegenes Interesse aus Branchen außerhalb der Automobilindustrie und sieht Potenzial im Bereich KI-Rechenzentren.

Im Rüstungssektor fallen Honeywell International um 2,2 Prozent, obwohl das Gewinnwachstum im ersten Quartal besser als erwartet ausgefallen ist. Händler machen als Belastungsfaktor Unsicherheit über Haushaltszuweisungen aus und generell bei Luft-, Raumfahrt- und Rüstungsaktien steigende Energiekosten. Für Lockheed Martin geht es nach verfehlten Erwartungen um 5,5 Prozent abwärts. Das Unternehmen bestätigte aber seine Jahresprognose.

American Airlines warnte vor 4 Milliarden Dollar höheren Kerosinkosten und einem möglichen Jahresverlust in der Bilanz. Die Aktie steigt trotzdem um 5,0 Prozent, nachdem sie an den Vortagen deutlicher nachgegeben hatte. Lam Research verlieren 1 Prozent zu, obwohl der Hersteller von Chipfertigungsanlagen im dritten Geschäftsquartal die Konsensschätzungen für Gewinn und Umsatz übertraf. Die Aktie hat seit Jahresbeginn bereits um über 50 Prozent zugelegt.


INDEX            zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag 
DJIA           49.392,39   -0,2     -97,64       49.490,03 
S&P-500         7.132,83   -0,1      -5,07        7.137,90 
NASDAQ Comp    24.586,66   -0,3     -70,91       24.657,57 
NASDAQ 100     26.952,08   +0,1     +14,80       26.937,28 
 
 
US-Treasuries    Rendite    +/-  Tageshoch       Tagestief 
2 Jahre             3,80  +0,01       3,83            3,79 
5 Jahre             3,92  +0,01       3,96            3,91 
10 Jahre            4,30  +0,00       4,34            4,29 
 
 
DEVISEN          zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag  Mi, 18:22 
EUR/USD           1,1702   -0,0    -0,0001          1,1703     1,1711 
EUR/JPY           186,59   -0,0    -0,0300          186,62   186,8000 
EUR/CHF           0,9182   -0,0    -0,0001          0,9183     0,9175 
EUR/GBP           0,8673   +0,1     0,0005          0,8668     0,8674 
USD/JPY           159,45   -0,0    -0,0300          159,48   159,5000 
GBP/USD           1,3487   -0,1    -0,0014          1,3501     1,3497 
USD/CNY            6,826   -0,0    -0,0015          6,8275     6,8275 
USD/CNH           6,8303   -0,0    -0,0015          6,8318     6,8312 
AUS/USD           0,7154   -0,1    -0,0004          0,7158     0,7156 
Bitcoin/USD    78.375,22   -0,1     -78,19       78.453,41  79.167,01 
 
 
ROHOEL           zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag 
WTI/Nymex          94,27   +1,4       1,31           92,96 
Brent/ICE         103,34   +1,4       1,43          101,91 
 
 
Metalle          zuletzt  +/- %   +/- abs.  Schluss Vortag 
Gold            4.728,10   -0,2      -9,68        4.737,78 
Silber             76,29   -1,8      -1,41           77,70 
Platin          2.026,47   -2,3     -47,97        2.074,44 
 

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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April 23, 2026 13:02 ET (17:02 GMT)