Das Wichtigste im Überblick:
- Die europäischen Märkte beschleunigen ihre Aufwärtsbewegung deutlich, getragen von der Hoffnung auf eine Entspannung zwischen Washington und Teheran. Der DAX 40 gewann gegen 15:15 Uhr 2,07 %, während die US-Futures kräftig anzogen.
- Laut Axios hält das Weiße Haus eine vorläufige Vereinbarung mit dem Iran für greifbar. Das geplante 14-Punkte-Memorandum soll ein Ende des Krieges, einen Rahmen für neue Atomverhandlungen sowie eine Entspannung rund um die Straße von Hormus vorsehen.
- Teheran sendete ein als ermutigend interpretiertes Signal: Die Marine der Revolutionsgarden erklärte, die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus werde durch neue Verfahren gewährleistet.
- Die Marktbewegung ist stark sektorabhängig: Finanzwerte, Luxusgüter, Automobil- und Luftfahrtaktien legen kräftig zu, während Energiewerte infolge des Ölpreisrückgangs deutlich unter Druck geraten – darunter TotalEnergies und Equinor.
Das Weiße Haus geht laut Axios davon aus, kurz vor einer vorläufigen Einigung mit dem Iran zu stehen, um den Krieg zu beenden und strukturiertere Atomverhandlungen wieder aufzunehmen. Das Projekt soll die Form eines einseitigen Memorandums mit 14 Punkten annehmen, das von den Gesandten Donald Trumps – Steve Witkoff und Jared Kushner – mit iranischen Vertretern direkt oder über Vermittler ausgehandelt wurde. Noch ist nichts endgültig beschlossen, doch laut Axios sehen US-Regierungsvertreter die Gespräche so weit fortgeschritten wie seit Beginn des Konflikts nicht mehr.
Das Dokument soll ein offiziell erklärtes Ende der regionalen Kampfhandlungen vorsehen, gefolgt von einer 30-tägigen Phase zur Ausarbeitung eines detaillierteren Abkommens. Diskutiert werden unter anderem ein iranisches Moratorium bei der Urananreicherung – über dessen Dauer noch verhandelt wird –, eine schrittweise Lockerung der US-Sanktionen, die Freigabe mehrerer Milliarden US-Dollar eingefrorener iranischer Gelder sowie eine graduelle Lockerung der Einschränkungen rund um die Straße von Hormus.
Axios berichtet zudem über Gespräche zu einem verschärften Kontrollregime mit unangekündigten UN-Inspektionen sowie über eine iranische Verpflichtung, niemals nach Atomwaffen zu streben.
Iran sendet Signale der Öffnung
Die jüngsten Entwicklungen aus Teheran verstärkten den Optimismus der Investoren zusätzlich. Laut iranischen Staatsmedien erklärte die Marine der Revolutionsgarden am Mittwoch, die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus werde dank des Wegfalls amerikanischer Drohungen und neuer Verfahren gewährleistet.
Es handelt sich um die erste iranische Reaktion auf die Entscheidung der USA, ihre Operationen zur Unterstützung blockierter Schiffe in der Meerenge auszusetzen. Die Erklärung nennt zwar keine Details zu den neuen Verfahren, dankt jedoch Reedereien und Schiffskapitänen dafür, dass sie die iranischen Vorschriften bei der Passage der strategisch wichtigen Wasserstraße eingehalten hätten.
Dieses Signal ist für die Märkte besonders wichtig, weil es den sensibelsten Punkt betrifft: den Transport von Öl und Gas durch die Straße von Hormus. Bereits die Gerüchte über ein mögliches Abkommen hatten die Aktienmärkte am Vormittag steigen und die Ölpreise fallen lassen. Die iranische Erklärung verstärkte die Bewegung gegen 13:00 Uhr zusätzlich, da sie den Eindruck vermittelte, dass sich die Deeskalation nicht mehr nur auf diplomatische Kanäle beschränkt, sondern erste konkrete Auswirkungen auf den maritimen Verkehr zeigt.
Vorsicht bleibt dennoch angebracht. Laut Axios geht Washington davon aus, dass die iranische Führung weiterhin gespalten ist, was einen dauerhaften Kompromiss erschweren könnte. Mehrere US-Regierungsvertreter bleiben skeptisch – auch weil sich die Trump-Regierung bereits in früheren Verhandlungsphasen optimistisch gezeigt hatte, ohne ein Ergebnis zu erzielen.
Das aktuelle Projekt könnte daher entweder zu einer echten Deeskalation oder lediglich zu einer temporären Aussetzung des Konflikts führen. Sollten die Gespräche scheitern, behalten sich die USA laut Axios vor, ihre Seeblockade wieder einzuführen oder militärische Operationen erneut aufzunehmen. Derzeit setzen die Märkte jedoch klar auf das positive Szenario.
Dax legt kräftig zu – KI-Boom und Nahost-Entspannung treiben Märkte an
Friedenssignale im Iran-Krieg und der anhaltende Boom bei Künstlicher Intelligenz (KI) haben die Börsen am Mittwoch deutlich beflügelt. Sinkende Ölpreise von zeitweise unter 100 US-Dollar sorgten zusätzlich für Erleichterung. Der Dax stieg in der Spitze auf mehr als 25.152 Punkte und notierte am Nachmittag 2,07 % höher bei 24.908 Punkten. Der MDax gewann 2,70 % auf 31.973 Zähler, der EuroStoxx 50 legte ebenfalls um 2,7 % zu.
Ein zentraler Treiber bleibt der KI-Boom, vor allem in den USA und Asien. Der Nasdaq 100 und der S&P 500 bewegen sich in den USA auf Rekordniveau. Weltweit profitieren Chipwerte: in Korea Samsung und SK Hynix, in den USA zuletzt besonders AMD und in Deutschland Infineon. Infineon hob zwar die Prognose an, die Aktie konnte nach der jüngsten Rally aber nicht weiter zulegen und verlor 3,7 %.
In der deutschen Berichtssaison legten zur Wochenmitte allein sieben Dax-Unternehmen Zahlen vor. Continental gewannen gut 8 %, nachdem der Reifen- und Kunststofftechnikkonzern im ersten Quartal trotz niedrigerem Umsatz mehr verdient hatte. Starke Reifengeschäfte und Kostensenkungen gaben den Ausschlag. BMW stiegen um mehr als 6 %, Heidelberg Materials nach Quartalszahlen um knapp 7 %.
Entspannungssignale im Nahen Osten trieben Reise- und Luftfahrtwerte kräftig an. Im MDax legten Tui, Fraport und Lufthansa um teils mehr als 9 % zu. Lufthansa will den Gewinn trotz Kerosin-Schocks steigern. Im Dax waren MTU mit plus 11 % stärkster Wert, Airbus kletterten um 7 %. Teamviewer erreichten den höchsten Stand seit fast drei Monaten; die Aktien stiegen im SDax zuletzt um 10 %.

















